Dorina Huber ist die neue Werkstattleiterin im St. Josefshaus. Als langjährige Mitarbeiterin in der Behinderteneinrichtung kannte sie sich im Betrieb schon gut aus. Der Start in die neue Stelle verlief wegen des Coronavirus aber anders als erwartet.

Nur noch kleine Arbeitsgruppen

Am 1. März hatte sie die Werkstattleitung von Joachim Trüby übernommen, dann kamen die Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. „Zwei Wochen in der neuen Funktion und ich musste meinen neuen Zuständigkeitsbereich umorganisieren und den Betrieb einschränken“, sagt Huber. „Die Situation hat gleich sämtliche Prioritäten gesetzt. Ich musste nicht mehr überlegen und entscheiden, mit was ich beginne – das war dann sofort klar.“ Der Betrieb der Werkstätten des St. Josefshauses ist weitgehend eingestellt worden und nur noch eine kleine Arbeitsgruppe war geöffnet für Menschen, die sonst keine geordnete ganztägige Betreuung hätten.

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Die 34-jährige Huber arbeitet schon seit zwölf Jahren im St. Josefshaus, wo sie nach dem Studium der Sozialwirtschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen angefangen hat. Ihren Start nahm sie schon in den Werkstätten der Einrichtung, wo sie sieben Jahre lang die Stelle Projekt- und Prozessmanagement begleitete. Zuletzt war sie als Betriebsleiterin des Inklusionsunternehmens Scala Gebäudemanagement und Service und in der Angebotsentwicklung des St. Josefshaus tätig. Berufsbegleitend macht Huber noch ein Masterstudium in Management mit Schwerpunkt Organisationsentwicklung.

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Immerhin 55 Mitarbeiter arbeiten in den Werkstätten, setzen Produktionsaufträge um und ermöglichen Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben. Finanzielle Sorgen bereiten ihr die hohen Umsatzrückgänge in der Produktion aufgrund der Einschränkungen. Aber nicht nur wegen der Corona-Krise müssen sich die Werkstätten künftig finanziellen Herausforderungen stellen. „Die Beschäftigtenlöhne werden gesetzlich erhöht, und um diese finanzieren zu können, wird künftig ein höheres Arbeitsergebnis erzielt werden müssen“, erklärt Huber. „Die Rahmenbedingungen für Werkstätten haben sich verändert und es gilt, die Werkstätten zukunftsfähig zu machen.“

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Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Weiterentwicklung der Arbeitsangebote für Menschen mit Behinderung. Die Werkstätten umfassen drei Standorte mit den Werkstätten und der Gärtnerei in Rheinfelden-Herten, auf dem Markhof in Grenzach-Wyhlen und in Bamlach. Zudem arbeiten Menschen mit Behinderung auch auf Arbeitsplätzen in Betrieben der Region, wo sie durch einen Jobcoach begleitet werden. In allen Bereichen arbeiten 344 Menschen mit Behinderung. Die Arbeit bedeutet für sie nicht nur Geldverdienen, sondern ist auch sinnstiftend, gibt dem Tag Struktur und ermöglicht soziale Kontakte, sagt Huber. „Das sind doch Aspekte, die uns allen gemein sind – egal ob Menschen mit oder ohne Behinderung.“

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Als sie ihr Studium der Sozialwirtschaft aufgenommen hatte, wusste Huber noch nicht, wohin es sie mal verschlägt. „Dass es die Behindertenhilfe wird, hat sich dann ergeben“, sagt Huber. An dieser Arbeit begeistert sie, dass man die Entwicklung der Menschen sehen kann. Es gefällt ihr, wie motiviert die Beschäftigen sind und wie bei der Zusammenarbeit ganz natürlich Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen stattfinden. Dabei lernt sie auch selbst etwas von den Menschen mit Behinderung. „Direktheit, Offenheit, Herzlichkeit und einfach einen anderen Blick auf die Dinge.“