„Das Haus war ein Schandfleck, das kann man sagen“, sagt Tina Feldmann. Sie spricht von der Liegenschaft an der Fröschweid 9. Während vieler Jahrzehnte wurde an diesem historischen Gebäude, das den Namen „zum Wolfangel“ trägt, kaum etwas gemacht. Entsprechend baufällig präsentierte sich das Haus.

Feldmann hat 2012 im Erdgeschoss des Gebäudes ihren Blumenladen „Flora Tina“ eröffnet. „Das ist eine sehr gute Lage“, sagt sie. Aus der Einfrau-Firma hat sich im Laufe der Jahre ein florierender Betrieb mit drei Mitarbeiterinnen und zwei Lernenden entwickelt. „Als ich vor ein paar Jahren hörte, dass die Liegenschaft verkauft werden soll, brach für mich eine Welt zusammen“, erzählt sie.

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Nach einigem Hin und Her entschied sie sich schließlich mit ihrem Mann Tobias, den Schritt zu wagen und die große Liegenschaft zu kaufen. „Die Planung der Umbauarbeiten war kompliziert und dauerte mehrere Jahre“, berichtet sie. Im September 2019 konnten schließlich die Bauarbeiten beginnen.

„Wir mussten das ganze Haus aushöhlen, vom Laden im Erdgeschoss bis hinauf unters Dach. Während vieler Jahrzehnte ist das Haus verfallen, die Statik war nicht mehr verlässlich.“ Tobias Feldmann ist Schreiner, zusammen mit seiner Frau erbrachte er viel Eigenleistung. Während der Bauzeit zog Tina Feldmann mit ihren Blumenladen ins „Viererlei“ an die Marktgasse 67 um.

Mittlerweile sind die Bauarbeiten planmäßig abgeschlossen. Am vergangenen Samstag konnte sie deswegen ihren Blumenladen am bisherigen Standort wiedereröffnen. „Wir haben sehr viele positive Reaktionen erhalten“, freut sich die Floristin. Die Verkaufsfläche ist jetzt größer, da im ersten Obergeschoss ein Arbeitsraum eingerichtet werden konnte.

Haus mit einer langen Geschichte

Daneben befinden sich zwei Mietwohnungen im Gebäude, zudem wohnen Tina und Tobias Feldmann ebenfalls in der historischen Liegenschaft. Dank der Sanierung und Modernisierung des Hauses bietet sich den Passanten in der Fröschweid, diesem westlichen Eingang in die Altstadt, nun ein erfreuliches Bild. Besonders ins Auge stechen die holzverkleidete Fassade und die Terrassen im hinteren Teil. Dort befand sich früher ein Schopf, der mit Efeu überwuchert war.

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Im Rahmen der Planung für den Umbau hat sich Tina Feldmann mit der Geschichte ihres Hauses beschäftigt. Diese reicht weit zurück. So gab es bereits im 18. Jahrhundert ein Haus „zum Wolfangel“ an der Fröschweid. Dieses wurde aber – wie das westlich benachbarte Gebäude von Scharfrichter Mengis – im Jahr 1813 abgebrochen, doch im Gegensatz zu diesem später wieder neu erstellt.

Der Neubau erfolgte 1817, offenbar durch Schmied Joseph Senger, Besitzer des östlich benachbarten Hauses „zum Amboss“. Das neue Gebäude erbte den Namen „zum Wolfangel“ und wurde zum Eckgebäude, weil man auf den Wiederaufbau des Scharfrichter-Hauses verzichtete.

Für Tina und Tobias Feldmann sind der Kauf und die Sanierung des Gebäudes eine große Investition und auch ein Risiko. Sie blicken aber zuversichtlich in die Zukunft.

Wegen der aktuellen Unsicherheit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verzichtet sie allerdings auf die Adventsveranstaltung, die jeweils an einem Wochenende durchgeführt wurde und sehr viele Leute anzog.

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„Das Risiko ist zu groß. Die Gesundheit geht vor. Es wird aber während der ganzen Adventszeit eine schöne Ausstellung im Laden geben. Die Zeit von November bis Ende Jahr ist normalerweise die umsatzstärkste für uns. Wir müssen flexibel sein.“

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