Die meiste Zeit des Jahres ist Sabine Streule Ehefrau, Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Verwaltungsfachangestellte. Doch manchmal wird sie zum Berggeist. Schon mit 17 Jahren, als sie den Nachbarn im Kostüm der Berggeister gesehen hat, wusste sie, dass sie Teil dieser Clique werden möchte. Und noch heute, 33 Jahre später, freut sie sich, wenn sie das Häs anzieht, über die Schönheit dieses Kostüms.

Blätter-Fleckle und eine knorrige Maske prägen das Berggeist-Häs.
Blätter-Fleckle und eine knorrige Maske prägen das Berggeist-Häs. | Bild: Leony Stabla

„Das Häs tragen wir in der Fastnachtszeit aber oft“, erklärt die heute 50-Jährige, „zum Berggeist werde ich da noch nicht, erst wenn ich die Maske aufsetze, tauche ich in die Rolle.“

Das gehe ganz automatisch, sagt sie. Macht sie mit den Zuschauern am Umzugsrand – wenn es einen geben kann – Späßchen, versucht sie, der Rolle des Geistes gerecht zu werden. „Ich verstelle sogar meine Stimme und mache Grimassen, obwohl das unter der Maske gar niemand hören oder sehen kann“, meint sie. Die Clique ist für Sabine Streule eine zweite Familie. Dort hat sie auch ihren Mann kennengelernt, beide Kinder sind von Geburt an dabei. Zehn Jahre lang war sie die erste Vorsitzende und auch einige andere Posten hatte sie bereits inne. Da wächst einem das Häs ans Herz und man lernt auch die Natur des Berggeists zu verstehen, macht sie deutlich.

Sich von hinten anschleichen und den Menschen einen kleinen Schrecken versetzen, mit dem Bängel durch die Haare wuscheln oder Konfetti werfen – ein bisschen Schabernack eben, das sei das Wesen des Geistes, keine bösartigen Sachen. „Das ist ein schönes Gefühl“, schwärmt Streule, „da achte ich dann auch wenig auf anderes.“ Außer natürlich auf die Reaktion der Menschen. Die meisten reagierten auf derlei Sachen positiv, Ausnahmen gebe es aber auch immer wieder. Kinder bekämen zum Beispiel manchmal Angst. „Da hebe ich dann aber meine Maske an, damit sie sehen, dass da ein Mensch daruntersteckt.“ Besonders, wenn sie dann auch noch eine Frau sehen, seien die meisten Kinder dann wieder beruhigt.

Häs der Berggeister

Das Häs der Berggeister wirkt mit den vielen Blätter-Fleckle recht bullig und auch das Baumgesicht scheint eher männlich. Dies merke man auch gelegentlich bei den Reaktionen mancher Männer, wenn sie von den Scherzen nicht begeistert seien. „Die packen dann schon instinktiv zu, als hätten sie einen Mann vor sich.“ Manche Menschen fühlen sich auch schnell angegriffen, wenn man zum Beispiel einen Kinderwagen anrempelt, weiß Streule zu erzählen. „Dabei ist das ja nicht böse gemeint, wir haben wirklich ein stark eingeschränktes Sichtfeld unter der Maske, das unterschätzen viele“, erklärt sie.

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Trotzdem würde sie nie ohne ihre Maske losziehen. „Ohne Maske geht man nicht so aus sich heraus“, sagt Sabine Streule, erst mit ihr könne sie die Figur ausfüllen. Wenn sie die Maske wieder ausziehe, sei sie aber wieder ganz Sabine.