Herr Wößner, Herr Burster-Hake, wie hat sich die Arbeit für Sie wegen der Corona-Ausbreitung verändert?

Wößner: Sie hat sich sehr verändert. Wir sind ja unterwegs mit Menschen und dabei ist der direkte Kontakt der Normalfall. Jetzt spielen E-Mail und vor allem Telefon die entscheidende Rolle. Dass Gottesdienste nicht mehr physisch anwesend gemeinsam gefeiert werden können, trifft den Lebensnerv von uns als Kirche.

Burster-Hake: Als Doppelspitze koordinieren wir gemeinsam die neuen Aufgaben des Seelsorge-Teams. Die Kreativität, wie wir in dieser ungewohnten Situation pastorale Angebote gestalten können, ist sehr groß. Wir merken, auf welche tollen Ideen wir kommen, wenn das eigentliche Kerngeschäft in dieser Zeit mal ruht. So haben wir zum Beispiel für die Kar- und Ostertage „Ostertüten“ für unterschiedliche Zielgruppen entworfen und freuen uns, dass fast 250 Stück bestellt wurden. Außerdem fungieren wir als Bindeglied zwischen unserer Kirche vor Ort, der Erzdiözese sowie der Stadt Rheinfelden.

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Wie reagieren die Mitglieder der Seelsorgeeinheit Rheinfelden auf die Krise?

Wößner: Unterschiedlich. In Sorge, um die Gesundheit von Familie und Freunden und die eigene. In Angst, um den Arbeitsplatz angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise. Verständnisvoll, umsichtig, was die notwendigen, aber eben einschränkenden Maßnahmen betrifft. Traurig, mit Blick auf die Gottesdienste, und herausgefordert, was andere Formen des gemeinsamen Gottesdienstfeierns betrifft. Auf das Osterfest hin ist für viele nach wie vor surreal, es nicht in der gewohnten Art und Weise feiern zu können. Der Kopf sagt klar, dass es gerade einfach nicht geht, aber das Herz muss eben auch mitkommen.

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Burster-Hake: Die meisten Gläubigen gehen mit der Corona-Krise und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten, Änderungen und Verboten sehr verständnisvoll und den Umständen entsprechend recht gelassen um. Viele Ehrenamtliche erklären ihre Bereitschaft, in verschiedenen Bereichen mitzuarbeiten, zum Beispiel beim Einkaufsdienst für Senioren.

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Wie halten Sie Kontakt zu den Gemeinden, um seelischen Beistand zu gewähren?

Burster-Hake: Leider beschränkt sich der persönliche Kontakt wirklich nur auf Telefonate oder E-Mail, außer bei Sterbe- und Todesfällen. Per Brief versuchen wir etwa auch, Kontakt zu den Bewohnern der Altenheime zu halten und ihnen spirituelle Impulse zukommen zu lassen. Großflächig versuchen wir, mit unseren Gemeinden über das Internet in Kontakt zu bleiben, unsere Homepage wird regelmäßig aktualisiert. Zudem versenden wir auch einen Newsletter. Dafür kann man sich auf der Homepage anmelden.

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Wößner: Wir haben auch ein Sorgentelefon eingerichtet für seelsorgerliche Gespräche. Dazu gehört ausdrücklich, dass man anrufen darf, wenn man einfach nur jemanden zum Reden braucht. Das gesamte Seelsorgeteam steht hier bereit.

Was sind die Fragen, die Gemeindemitglieder an Sie haben?

Burster-Hake: Die Fragen der Mitglieder haben sich gewandelt. Anfangs waren es noch rein organisatorische Fragen, jetzt kommen auch seelsorgerliche Probleme ins Gespräch. Stark beschäftigt viele, wie sie die Feiertage gestalten können.

Wößner: Fragen nach individueller Unterstützung kommen nach und nach. Auch der Bedarf nach seelsorgerlichen Gesprächen wird in den Kar- und Ostertagen sicher zunehmen.

Wie bietet der Glaube an Gott Unterstützung in solchen Zeiten?

Wößner: Der emeritierte Papst Benedikt hat einmal gesagt: Wer glaubt, ist nie allein. Das ist die Botschaft. Gott ist da, gerade auch in Krisenzeiten. Das gibt Halt. Wir haben als Seelsorgeeinheit eine Mailadresse eingerichtet, an die man seine Anliegen schicken kann. Unsere Schwestern im St. Josefshaus nehmen diese dann in ihren Gebetszeiten mit ins Gebet. Vikar Cerff feiert täglich eine nichtöffentliche Eucharistiefeier mit den Anliegen der Seelsorgeeinheit und der Stadt. Und unsere Ostertütenaktion verbindet ebenso im Glauben. Im Satz des Papstes steckt auch die Botschaft, sich gegenseitig zu unterstützen. Solidarität ist jetzt gefordert von allen, egal ob gläubig oder nicht, um die Krise gemeinsam zu bestehen.

Burster-Hake: Der Glaube an Gott stellt sich für uns als Kirchen auch im Schwerpunkt der tätigen Nächstenliebe dar. Und gerade der Aspekt der gelebten Caritas zeigt vielen auf, dass wir als Glaubende gerade in solchen extremen Notsituationen füreinander da sind. Auch im persönlichen Gebet und Fürbittgebet für andere ist Gemeinschaft spürbar.

Woran finden Sie persönlich Halt?

Burster-Hake: Ich erlebe momentan eine sehr erfreuliche Solidarität. Das tut gut, wie wir als Kirchen gemeinsam eine neue Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen. Natürlich finde ich auch Halt in meinem Glauben an diesen Gott des Lebens, auch wenn ich in der jetzigen Situation Anfragen an ihn habe.

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Wößner: In der Solidarität in unserer Stadt und in der Familie. Und wir gehen auf das Osterfest zu. Wir feiern Ostern, wenn auch anders als gewohnt. Die Osterbotschaft ist eine Hoffnungsbotschaft. Hilde Domin dichtet: Ich setzte den Fuß in die Luft, und sie trug.

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