Schwester Mirjam Hinderberger vom Kloster Hegne hat vor fünf Jahren Textilkunst und Stickarbeiten im St. Josefshaus in Herten ausgestellt. In ihrer neuen Ausstellung im Verwaltungsgebäude der Einrichtung stellt sich die Ordensschwester als Malerin vor. 52 Bilder präsentiert sie auf zwei Stockwerken. Leuchtkräftige Farben, biblische Motive und spirituelle Botschaften kennzeichnen ihre ausdrucksstarken Gemälde.Am Samstag hat sie ihre Ausstellung aufgebaut, diese Zeitung durfte dabei sein.

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Die frühere Erzieherin, die seit fast 20 Jahren der Ordensgemeinschaft der „Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz“ angehört, hat ein halbes Jahr im St. Josefshaus gearbeitet. So freut sich die Atelier- und Werkstattpädagogin Christina Kuhn, Kuratorin der Ausstellungen im St. Josefshaus, dass Schwester Mirjam das Haus mit expressiven Bildern zu geistlich-religiösen Themen belebt. Eine Vernissage ist wegen der Corona-Situation derzeit nicht möglich, so kommen die Bilder vorerst Mitarbeitern und Bewohnern zugute.

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Die Ordensschwester, die eine Ausbildung zur Portamentenstickerin gemacht hat, lässt sich in Malkursen bei Veronika Olma von der Faszination der Farben, Formen und Strukturen inspirieren. Im ordenseigenen Haus in Hegne begleitet sie Mal-Exerzitien und hilft Menschen auf ihrer Weg-Suche.

Die Bilder von Schwester Mirjam entstehen in vielschichtiger Mischtechnik mit Eitempera, Strukturpaste und Materialien wie Sand oder Kaffeesatz. Mit Pinsel, Spachtel, Schwämmen und Lappen erzeugt die Malerin reliefhafte Strukturen auf der Leinwand. In der Serie „Urstoff“ veranschaulicht sie in dynamischer, farbexplosiver Kraft die Schöpfung, die Entstehung der Welt. Ein geheimnisvoller Farbkosmos tut sich auf in diesen Bildern voller Bewegung und gestischer Farbströme.

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Während Schwester Mirjam in der Handstickerei fein und präzise nach Entwürfen arbeitet, geht sie in ihrer großformatigen Malerei frei und intuitiv vor. Vieles entsteht während des malerischen Prozesses. Jeder Betrachter kann etwas Eigenes aus den Bildern herauslesen. In „Sturm auf dem See“ sieht man aufgewühlte Naturelemente, Wellen und stürmische Bewegung. „Liebe durchzieht alles“ heißt ein feuerrotes Bild, das von feinen Strukturen wie von Adern durchzogen ist.

Geistliche Themen

Geistliche Themen und Glaubensinhalte setzt Schwester Mirjam in dem Bild „Pfingsten“ in leuchtender gelb-roter Farbe um. Biblische Szenen zum Thema Begegnung greift sie in figürlichen Bildern wie „Jesus und seine Jünger“, „Am Jakobsbrunnen“ und Motiven von Elija auf dem Weg durch die Wüste auf. Auf einem Bild liegt Elija auf dem Boden, als er die Stimme hört: „Steh auf und iss!“ Etwas Meditatives strahlt die in sich gekehrte Figur mit der Kerze in dem Bild „Eintauchen in die Stille“ aus. Auch ein Engel in Blau hat eine besänftigende und tröstliche Wirkung auf den Betrachter.

Bilder zur Adventszeit

Passend zur kommenden Advents- und Weihnachtszeit hat Schwester Mirjam einige wunderschöne Bilder mitgebracht. Eines zeigt Hirten, die drei Könige, Engel, die Krippe, dargestellt in silhouettenhaften Figuren, die einen warmen Glanz und mystischen Zauber verbreiten. Auch zur „Menschwerdung“ hat Schwester Mirjam ein beeindruckendes Figurenbild mit leuchtend gelben Figuren auf tiefblauem Grund geschaffen. Ebenso eindrücklich ist ihre Darstellung des heiligen Franziskus vor der Stadt Assisi. Die abstrahierten Figuren, die farbliche Gestaltungskraft, die spirituelle Tiefe und Vielschichtigkeit der Bilder sprechen den Betrachter intensiv an.

Das gilt auch für das in leuchtkräftigen Rot-Tönen gehaltene „Osterfeuer“, das lichterfüllte Auferstehungsbild und das Bild „Ostermorgen“, das eine aufgehende Sonne über dem Meer zeigt. Gerade in diesen schweren Corona-Zeiten entfalten die Bilder von Schwester Mirjam eine aufbauende und stärkende Wirkung – die hoffentlich bald auch Besucher erleben können.

Die Ausstellung bleibt bis März 2021 im St. Josefshaus in Herten.