Es ist eine Besonderheit in Rheinfelden/Schweiz, dass die Glocke beim Obertor nicht zur vollen Stunde, sondern immer sieben Minuten früher schlägt. Die volle Stunde zur Mittagszeit wird also bereits um 11.53 Uhr angezeigt. Das ist kein Fehler oder Defekt, sondern Absicht. Laut Überlieferung soll dies einst als Serviceleistung für die Bauern eingeführt worden sein, die außerhalb der Stadtmauern auf ihren Feldern arbeiteten. Denn wer abends, wenn die Tore geschlossen wurden, nicht pünktlich in der Stadt war, musste die Nacht draußen verbringen. Man sprach deswegen auch von „Torschlusspanik“. Wenn die Bauern also die Glocke hörten, hatten sie noch sieben Minuten Zeit, um rechtzeitig zurückzukehren.

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Diese Tradition wird bis heute gepflegt – und gehört zur überlieferten Stadtgeschichte. Allerdings ist das Läuten der Obertorglocke in den vergangenen Jahren von einigen Bürgern als unangenehm empfunden worden. Und das hat einen Grund: „Das Läutwerk der Obertorturm-Glocke wurde im Jahr 2000 umgebaut. Seither wird der Glockenklang durch einen Innenhammer erzeugt, was das Scheppern des Glockenklangs verursacht“, schildert Markus Klemm von der Stiftung Roniger. Ursprünglich sei man sogar davon ausgegangen, dass die Glocke, die aus dem Jahr 1605 stammt und vom Basler Glockengießer Sebald Hoffmann hergestellt wurde, gesprungen sei.

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Doch die Ursache war nicht eine beschädigte Glocke, sondern der Innenhammer: „Das tönte nicht schön“, erklärt auch Andreas Sägesser, Projektleiter bei der Firma Muribaer Kirchentechnik. Er hat im Auftrag der Stiftung Roniger nun das Problem gelöst: Er revidierte dazu den alten Außenhammer und nahm ihn wieder in Betrieb. Der Innenhammer wurde hingegen demontiert, damit sich eine „schöne Tonentfaltung“ ergeben kann.

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„Die Glocke ist für ihr Alter in einem sehr guten Zustand. Sie wurde nie geläutet, sie ist immer als Schlagglocke benutzt worden“, führt der Fachmann aus. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: „Der Klang ist gut hörbar besser. Ich habe mich dessen vergewissert.“ Sägesser regt zudem an, das kleine Glockentürmchen auf dem Obertor mit einem Vogelschutz zu versehen, damit die Glocke und die ganze Anlage nicht mehr wie bisher so stark verschmutzt werden. Ein Nylonnetz tue da gute Dienste.

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Die Kosten für die Arbeiten an der Glocke belaufen sich auf einen vierstelligen Betrag, wie Markus Klemm erklärt. Die Stiftung Roniger übernimmt die Finanzierung. Und so erklingt die alte Glocke wieder wohltönender – und wie bisher sieben Minuten zu früh.