Der Rottehauweg geht vom Rührbergweg in Verlängerung der Rührbergstraße ab. Es ist ruhig, nur die Vögel kann man zwitschern hören. Man steht mitten im Naherholungsgebiet Wald, in der freien Natur, abseits von der Hektik und dem Lärm der Stadt. Die Stimmung wird allerdings getrübt und ein Ehepaar aus Herten will einen Umweltfrevel ausgemacht haben. Revierförster Gerd Fricker spricht von normalem Rückschnitt.

Gebüsch und Gestrüpp am Wegesrand sind bis zum Untergrund abgehauen, von Bäumen wurden größere Äste abgenommen. Auch ein Baum scheint erst jüngst bis auf den Stumpf entfernt worden zu sein. Auf einer Länge von rund 200 Meter nimmt der Niederschnitt entlang des Rottehauwegs teilweise eine Breite von bis zu sechs Metern ein, auch einen steil zu erkletternden Hang hinauf. An mehreren Stellen häuft sich Kies, der zuvor noch Teil des Weges war, teilweise liegen noch Reste des zurück geschnittenen Gestrüpps am Wegesrand.

In der Zeitung wollen die Eheleute nicht namentlich genannt werden. Die beiden Hertener sind entsetzt, seit 45 Jahren spazieren sie regelmäßig, beinahe täglich in dem Gebiet. So einen massiven Rückschnitt haben sie in all den Jahren am Rottehauweg noch nicht gesehen. Sie kritisieren, die Büsche hätten Nistplätze für die Vögel dargestellt und auch Deckung für andere Wildtiere. Spuren von Rehen entdecken sie dort immer wieder beim Spazieren.

Sie können die Dimension des Rückschnitts nicht verstehen. „Hier fahren keine Lkw“, sagt der Mann gegenüber der Zeitung. Auch der Weg befindet sich nach ihrem Empfinden in einem schlechteren Zustand als vorher. Sie konnten beim Forst niemanden erreichen und haben mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen, dort wurde ihnen gesagt, dass zu dieser Jahreszeit nicht gemäht werden dürfe.

„Da lief nichts falsch“, widerspricht Forstrevierleiter Gerd Fricker. Gesetzlich sei es erlaubt, an Wegen im Freiland und auch im Wald zurück zu mähen. Die Maßnahme sei notwendig gewesen, da das Gestrüpp in das Sichtraumprofil gewachsen sei und dort auch Fahrzeuge durchfahren, denen Beschädigung drohte. Beim Rückschnitt gilt es, Rücksicht auf blühende oder schützenswerte Pflanzen zu nehmen, aber davon gebe es am Rottehauweg nichts.

„Das wird dort seit Jahren so gemacht, wie auch auf anderen Wege“, meint Fricker. An einer steilere Böschung muss mehr gemäht werden, zumal auf der ganzen Länge auch Kulturpflanzen stehen, die auch frei geschnitten werden. „Da kann man nicht zwischen Weg und Forstkultur einen kleinen Streifen stehen lassen. Das funktioniert nicht“, erklärt Fricker. „Die Kulturpflanzen kosten viel Geld und müssen sich gegen den Bewuchs durchsetzen. Die kann man nicht zuwachsen lassen, da sonst Schäden entstehen.“ Fricker war für zwei Wochen in Urlaub und daher nicht erreichbar gewesen. Den Rottehauweg hat er sofort nach dem Urlaub angeschaut.

„Ich habe keine Stelle gefunden, wo man nicht vernünftig laufen kann“, meint er. Der Weg ist problematisch, da er vor Jahrzehnten, vor Frickers Zeit, mit Flusskies gemacht wurde. Die runden Steine sind für den Wegebau ungeeignet. „Gebrochenes Material ist besser geeignet, das lässt sich verdichten“, sagt Fricker. Den Weg ordentlich herzustellen, würde nach seiner Schätzung auf 750 Meter 100.000 Euro kosten: „Das ist eine utopische Summe.“ Ein weiteres Problem ist, dass es auch Wasser aus dem Hang drückt. „Daher wird sich der Weg nie richtig befestigen lassen.“

Im Wald ist der Förster zuständig und die Leute sollten sich an ihn wenden, wenn sie Fragen haben, meint Fricker. „Ich bin immer bereit, mit den Leuten in direkten Dialog zu treten.“ Es kommt immer wieder vor, dass Bürger sich bei ihm melden, weil sie meinten, das Landschaftsbild werde zerstört. Andere wiederum beschweren sich, weil die Wege zugewachsen seien. Da gibt es regelrechte Hotspots, wo Leute vermehrt unterwegs sind, die ihm immer wieder gemeldet werden.

„Es gibt immer vermeintliche Gründe, dass wird von den Leuten subjektiv wahrgenommen. Jeder betrachtet die Dinge unterschiedlich. Aber sachlich beurteilt kann ich hier nichts finden, was nicht in Ordnung wäre“, sagt Fricker zum Rottehauweg.