Seit zehn Jahren vertreibt Thomas Ide nun seine eigene Abfüllung. Seine Flaschen mit Single Malt Whisky hat er sogar schon in einem schottischen Pub entdeckt. In Thomas Ides Arbeitszimmer stehen hinter einem Ledersofa in einem Regal schwere Flaschen, in denen die bernsteinfarbene Edelspirituose ruht. Das Kaminfeuer und die nebelverhangene Landschaft muss man sich dazu denken. Denn „The Whisky Chamber“ – so nennt sich Thomas Ides Abfüllung – wird nicht von einem schottischen Landsitz aus vertrieben, sondern aus einem Wohnhaus in Rheinfelden-Minseln. Draußen auf der Terrasse scheint die Sonne. Blauer Himmel. Mehr Toskana als Highlands. Ide selbst ist ein waschechter Hamburger, dritte Generation, wie er betont. Den bundesrepublikanischen Süden mag er, nicht nur wegen des Klimas. Kulinarisch geht hier viel, das gefällt dem Whisky-Kenner, der auch bei Wein ein Faible für starke Aromen hat und auch sonst dem Wohlgeschmack nicht abgeneigt ist.

Rauchig oder mit einer Zitrusnote: Nicht nur am heutigen Welt-Whiskytag lässt sich Thomas Ide die Aromen schmecken – sein ungeschlagener Liebling bis heute ist ein Talisker von 1955.
Rauchig oder mit einer Zitrusnote: Nicht nur am heutigen Welt-Whiskytag lässt sich Thomas Ide die Aromen schmecken – sein ungeschlagener Liebling bis heute ist ein Talisker von 1955. | Bild: Julia Jacob

Der Whiskey-Vertrieb ist Ides Ruhestandsprojekt. Früher hat er bei der BASF als Lebensmittelchemiker gearbeitet, erst in Ludwigshafen, dann für einige Jahre in Sibirien. Anschließend lebte er mit seiner Frau in Moskau. Ide ist viel rumgekommen. Eine seiner Reisen in den 1980er Jahren führte ihn nach Schottland. Für Single Malt interessierte er sich damals schon. Die Rundreise im VW-Bus mit einem Freund führte auch zu zwei Destillerien. Und in einige Bars. Dort testeten die beiden Freunde, führten Buch und erwarben sich somit eine erste Wissensbasis in Sachen Whisky. Ide kaufte seine ersten Raritäten. Immer drei Flaschen aufs Mal: eine zum Trinken, eine zum Sammeln und eine zum Verkaufen.

Investition in Fässer

Um die Jahrtausendwende begann Ide dann richtig mit dem Sammeln. Statt in einzelne Flaschen investierte er nun in ganze Fässer. „Das war noch vor dem großen Whisky-Hype“, betont er. In schottischen Lagerhäusern testete er das hochprozentige Getränk – und kaufte, wenn er es für vielversprechend hielt. Heute nennt er 350 Fässer sein eigen. 200 Liter fasst das Standardbarrel.

Seit 2006 vertreibt Ide Einzelfass-Abfüllungen unter seinem eigenen Label, mit 4500 bis 5000 Flaschen im Jahr. Jeweils im Frühjahr und Herbst sucht er sieben bis neun Whiskys aus, nicht immer kommen sie sofort in die Flasche, manchmal müssen sie auch noch etwas reifen. „Als unabhängiger Abfüller habe ich ein recht breites Portfolio“, sagt Ide.

Einzigartige Aromen

Seit Whisky zum Kultgetränk avanciert ist, hat sich vieles geändert. Ide kauft seine Fässer bei Brokern, mit denen er – auch schon vor Corona – vorzugsweise am Telefon verhandelt oder per E-Mail. In jedem Fall aber von Minseln aus. 50 Prozent des Markts werden mittlerweile von zwei großen Playern beherrscht, sagt er. Überdies ist der Single-Malt-Markt auf überschaubare acht Prozent geschrumpft, 92 Prozent der Whiskyproduktion gehen heutzutage in Blends, also Mischungen. Dabei gehen einzigartige Aromen zugunsten eines Geschmacks, den man wiedererkennt, zusehends verloren, findet der Kenner aus Minseln.

Brexit macht alles teurer

Mindestens so wichtig wie die Qualität des Whiskys ist für Thomas Ide das richtige Fass für die Lagerung. Dieses muss gebraucht sein. Anders als beim Wein will man im Whisky keine Tanine, die eine bittere Note abgeben. Am besten eignen sich Burbonfässer, „weil sie den jeweiligen Brennereicharakter gut erhalten“, wie Thomas Ide sagt. Doch weil der Kunde zusehends auf eine dunkle Farbe Wert legt, reift die Spirituose seit einigen Jahren vorwiegend in Sherry- und Portweinfässern. Ide kauft seine Fässer in Spanien oder Italien, meist bei kleineren Betrieben. Die Halbliterflaschen, in die er den Whisky in Schottland abfüllt, kommen aus der Pfalz. „Die liegen auch noch gut in der Hand, wenn sie nicht mehr ganz voll sind“, sagt Ide. Nur: „Der Brexit macht alles zehn Prozent teurer“, stöhnt er.

Whiskey-Seminar zum Vormerken

Anfängern, die in die Welt des Whiskys einmal reinschnuppern wollen, empfiehlt Thomas Ide, an Tastings, also Proben, teilzunehmen und so den Geschmack zu schulen. „Dazu immer ausreichend Wasser trinken“, betont er. Er selbst wird am 29. November bei der VHS Grenzach-Wyhlen ein Whiskey-Seminar geben.