Der Stadtseniorenrat (SSR) bietet weiterhin Beratungen zur Patientenverfügung und zur Vorsorgevollmacht an. Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden könnte bald ein Ende haben, hat die stellvertretende Vorsitzende Karin Schwarz-Marty angekündigt.

Aufgrund der Pandemie konnte der SSR seit März 2020 keine besucherstarken Veranstaltungen mehr durchführen, aber zweimal im Monat finden noch die Beratungen im Bürgertreffpunkt Gambrinus statt. „Wir haben da eine Zeit lang auch etwas weniger gemacht“, sagt Karin Schwarz-Marty. Auch im zweiten Lockdown sind jeden zweiten Dienstag des Monats die Rechtsanwältin und ein weiterer Berater vor Ort. Am letzten Dienstag eines Monats ist ein weiteres Beraterteam im Einsatz.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Anzahl der Berater derzeit auf zwei begrenzt. Damit die zu beratenden Personen den Mund-Nasenschutz ablegen können, wurden Plexiglasscheiben aufgestellt. „Es sind meist die Älteren, die froh darüber sind“, meint Schwarz-Marty. Nach jedem Beratungstermin wird richtig durchgelüftet und die Plätze desinfiziert.

Hauptsächlich beraten wird über die Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Eine Beratung dauert etwa 15 Minuten. „Manchmal sind es auch nur fünf Minuten, andere haben einen größeren Redebedarf, dann dauert es auch etwas länger“, erklärt Schwarz-Marty. „Die Leute sind oft nicht informiert genug und bei uns bekommen sie Auskunft.“ Sie schafft an einem Dienstag drei bis fünf Termine. Die Kollegen helfen hauptsächlich beim Ausfüllen der Patientenverfügung oder der Vorsorgevollmacht. Das Internet stellt keine Alternative dar.

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„Die meisten sind weit über 70 Jahre alt und kennen sich mit dem Internet nicht unbedingt aus“, sagt Schwarz-Marty. „Ich frage auch mal nach, dann heißt es: Wir haben gar keinen Computer.“ Im Vorstand finden sie es wichtig, dass die Leute richtig beraten werden und bei der Patientenverfügung oder der Vorsorgevollmacht nicht irgendetwas ankreuzen, ohne es zu verstehen. Entsprechend hat der Vorstand beschlossen, dass die Vorsorgemappen nicht online abrufbar sind.

Vorsorgemappen gibt es zur Patientenverfügung und zur Vorsorgevollmacht. „Die Patientenverfügung ist eine Handlungsanweisung an den Arzt“, erklärt Schwarz-Marty. Durch klare medizinische Anweisungen können insbesondere Angehörige entlastet werden, etwa im Endstadium einer tödlich verlaufenden Krankheit, bei einer schweren Hirnschädigung, im Komafall oder bei Demenzerkrankungen im Endstadium.

Die Vorsorgevollmacht ist wichtig, da Ehepartner oder andere Angehörige ohne sie gar keine Entscheidungen treffen dürfen und Ärzte ihnen gegenüber sogar Schweigepflicht haben. Schwarz-Marty rät auch zu einer bankinternen Vollmacht, die für finanzielle Angelegenheiten benötigt wird und eine günstigere Alternative zu notariell beglaubigten Vollmachten darstellt.

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Vermehrt werden in den Beratungen Fragen zum Erbrecht gestellt. Der SSR bietet inzwischen eine Erbschaftsmappe an, obgleich er nicht tiefgehend zu dem Thema beraten darf, sondern nur Hinweise und Tipps geben kann. „Die Generation, die viel aufgebaut hat, wird jetzt 80 Jahre alt wird. Da gibt es viele Menschen, die viel zu vererben haben und sich jetzt Gedanken macht“, meint Schwarz-Marty. Meist geht es darum, den überlebenden Ehepartner gut abzusichern, gerade wenn das Verhältnis mit den Kindern nicht so gut ist.

Seit dem Tod des langjährigen Vorsitzenden Eckhard Mikuszies am 24. Mai 2020 hat der 170 Mitglieder starke Verein keinen Vorsitzenden. Laut Schwarz-Marty könne bald ein Nachfolger benannt werden. Der SSR hatte mit drei Personen Gespräche geführt. Ein Kandidat steht in Aussicht. „Ich bin zuversichtlich, dass es klappt. Aber er bat uns, den Namen erst bei seiner Zusage zu nennen“, erklärt Schwarz-Marty. Sie hoffe zudem, dass der SSR im Sommer, wenn sich die Pandemie-Situation bessern wird, wieder mit Veranstaltungen oder Rollatoren-Kursen anfangen kann. Schwarz-Marty sagt: „Die Beratungstermine werden wir, solange es uns erlaubt ist, aufrecht erhalten.“