Jeden Tag werden in der Kranken- wie auch in der Altenpflege große Mengen an Bettwäsche, Handtüchern und Berufskleidung benötigt. Sowohl die Caritas als auch die Diakonie wollen hier nachhaltige Textil-Alternativen finden. Hierfür haben die beiden Verbände im September 2020 eine gemeinsame Absichtserklärung unterschrieben. Derzeit ist auch die Caritas Hochrhein auf der Suche nach Alternativen. Doch ganz so einfach ist das Vorhaben nicht umzusetzen.

Die Zuständigkeit

„Vor vielen Jahren war es die klassische betriebswirtschaftliche Lösung, die Kleidung des günstigsten Anbieters zu kaufen“, sagt Peter Schwander. Er ist Geschäftsbereichsleiter Gesundheits- und Altenhilfe der Caritas Sozialstation Hochrhein. Ihm unterstehen sechs Stationen in Rheinfelden, Bad Säckingen, Waldshut, St. Blasien, Bonndorf und Laufenburg sowie der Intensivpflegedienst Caritas Young Care für Kinder und Jugendliche mit rund 260 Mitarbeitern. Seit zwei Monaten kümmert er sich zusätzlich um das Thema nachhaltige Berufskleidung.

Zeit für die Recherche knapp

Man habe die Kleidung damals Probe getragen und sie sei nicht unbequem gewesen, daher habe man sich dafür entschieden. Nun soll aber nicht mehr der Preis entscheiden. „Jetzt wollen wir eine Veränderung und schauen, wie wir das nachhaltig auf die Beine stellen können“, erzählt Schwander. Vorbild hierfür sei der Caritasverband in Osnabrück. Derzeit steckt Schwander mitten in der Recherche, welche Möglichkeiten es hier für die Caritas Hochrhein gibt. Derzeit fehle aber oft die Zeit, sich umfassend zu informieren. „Wir müssen derzeit regelmäßig die neuen Verordnungen umsetzen und das normale Business läuft ja auch noch weiter. Aber ich bin zuversichtlich“, sagt Schwander. Bis zum Sommer soll eine Lösung her.

Die Menge

Je nach Arbeitsumfang stehen den Mitarbeitern unterschiedlich viele Garnituren an Kleidung zur Verfügung. Knapp 17.000 Kasacks seien derzeit allein in den Sozialstationen der Caritas Hochrhein im Umlauf, sagt Schwander. „Es muss immer Wechselkleidung da sein und ein Teil ist ja auch immer in der Wäscherei oder auf der Straße“, erklärt der Geschäftsbereichsleiter. Zur Nachhaltigkeit gehöre aber nicht nur das Material der Kleidung, sondern auch, wo diese wie gewaschen und wie sie transportiert wird, gibt Schwander zu bedenken. „Unser großes Ziel ist es, das für die Sozialstation der Caritas am Hochrhein exemplarisch durchzuexerzieren und über die großen Verbände der Caritas und der Diakonie Rahmenverträge abzuschließen, sodass es für weitere Sozialstationen ein Einfaches wäre, sich anzuschließen“, sagt Schwander.

Siegel teilweise nicht reell

Seit die Zustände in den Nähereien von Bangladesch oder Indien weltweit für Aufsehen gesorgt haben, wächst der Markt für öko-faire Mode. „Die Arbeitsbedingungen dort sind sehr schlecht, aber das ist mittlerweile ja bekannt“, sagt Frank Scheer, Textilingenieur bei Geiger Textil in Bad Säckingen. Davon will man mit nachhaltiger Mode Abstand gewinnen. Nicht immer aber halten Siegel oder Kampagnen, was sie versprechen, sondern gaukeln Nachhaltigkeit vor. Das bestätigt auch Scheer. „Teilweise wird das unter den selben Arbeitsbedingungen in den gleichen Fabriken hergestellt, aber dann eben anders etikettiert“, sagt er.

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Wie also stellt man sicher, dass das nicht passiert? Verhindert werden könne das nur, indem man in Deutschland produziere und nicht mehr im Ausland, sagt Scheers Chef Jochen Geiger. „Nur so kann man das kontrollieren“, betont er. Jochen Geiger und sein Bruder Thomas leiten das Familienunternehmen in der dritten Generation. Geiger Textil vermietet und reinigt Textilien für Kliniken, Pflegeheime, Pharma- und Lebensmittelbetriebe im Dreiländereck und bundesweit.

Die Materialien

Doch welche nachhaltigen Materialien eignen sich überhaupt für Berufskleidung, die oft gewaschen wird? „Bio-Baumwolle schon mal nicht, die würde zu sehr einlaufen und auch ihre Farbe verlieren“, sagt Scheer. Auch die Cellulose-Faser Tencel aus Eukalyptusholz halte er für ungeeignet, da für ihre Herstellung viel Wasser benötigt werde. „Das ist quasi die Avocado in der Textilindustrie“, erklärt er. Denkbar wäre ein Mischgewebe aus Bio-Baumwolle und Polyester, so Geiger.

Mundschutz

Noch sei die Nachfrage nach nachhaltiger Kleidung in der Pflege gering, sagt der Geschäftsführer. Bestrebungen, wie es sie bei der Caritas Hochrhein gebe, seien derzeit noch selten. In der ersten Corona-Welle bot das Unternehmen waschbare Mundschutzmasken und Kittel an, die in Deutschland hergestellt worden waren. Damals rissen die Kunden sie dem Unternehmen förmlich aus der Hand. Die übliche Einwegware war aufgrund der Lieferverzögerungen durch die geschlossenen Grenzen knapp. „Jetzt will das niemand mehr“, sagt Geiger.

Umdenken

Damit mehr Nachhaltigkeit möglich sei, müsse ein Umdenken stattfinden. Das Gefühl für den Wert der Kleidung sei mittlerweile verloren gegangen. Hier sei auch die Politik gefragt, zu handeln, sagt Geiger. „Wir sind verwöhnt von billigen Preisen. Der Kunde muss bereit sein, mehr zu bezahlen“, gibt er zu bedenken. Allein die Lohnkosten in Deutschland seien sechs- bis siebenmal so hoch, sagt Scheer.