Wie möchten die Rheinfelder miteinander leben und von welchen Werten ist das Miteinander geprägt? Die Antwort: Solidarität, Toleranz, Respekt, Verantwortung, Meinungsfreiheit und Offenheit. Diese sechs zentralen Werte sind das Ergebnis des Wertejahrs, dessen Abschlussbericht nun in einem Pressegespräch vorgestellt wurde.

Als 2015 das Konzept 2025 für Integration und Teilhabe erarbeitet wurde, hat die Stadt nicht nur das Integrationsmanagement gegründet, sondern es kam auch der Wunsch auf, sich mit dem Thema Werte zu beschäftigen, erinnerte Klaus Eberhardt. Heraus kam das Projekt Wertejahr. Dass das Landessozialministerium das Projekt mit 40.000 Euro gefördert hat (plus 8000 Euro Eigenanteil der Stadt), zeige dessen „außergewöhnliche Bedeutung“, so der Oberbürgermeister. Angesichts der gesellschaftlichen Lage Deutschlands, die auch mit Blick auf den Fachkräftemangel mit dem Thema Integration zu tun habe, passe das Projekt auch gut in die Zeit. In der Stadt sollen die Ergebnisse des Wertejahrs in der weiteren Arbeit berücksichtigt werden.

Das betonte auch Elif Avcik, kommissarische Leiterin der Stabsstelle Integration und Flüchtlinge, die das Projekt übernommen hat, als ihr Vorgänger Dario Rago Kulturamtschef wurde. „Wir haben einen breit angelegten Diskurs geführt – der sich nicht abschließen lässt.“ Eine Lenkungsgruppe der Stadt hat das Rahmenprogramm und damit wichtige Impulse gestellt, erklärte Stefanie Franosz, Leiterin Bürgerschaftliches Engagement. Die Projekte, mehr als 20, kamen aus der Zivilgesellschaft. „Das ist sehr gut gelungen, wir haben viel umgesetzt“: Fotoaktion, Filmprojekt, Gottesdienste, Kulturküche, Fortbildungen zu Hasskriminalität, Einkaufshilfe oder Maskennähen.

Die Beteiligung der Zivilgesellschaft sei besonders stark in Rheinfelden, so Franosz: „Es gibt viele Ideen und Akteure und manchmal braucht es nur einen kleinen Schubs, damit etwas realisiert wird.“ So habe man viele Menschen in vielen Bereichen erreicht, sogar neue Ehrenamtliche gewonnen. „Das kann nicht aus dem Rathaus kommen, da haben die Menschen eine Hemmschwelle“, sagte OB Klaus Eberhardt. Es brauche Partner wie das Familienzentrum oder die Freundeskreise – sie gelte es, zu unterstützen.

Etwas ausgebremst wurde das Projekt von der Corona-Pandemie. Grade als man richtig loslegen wollte, im Frühjahr 2020, kam der erste Lockdown, erinnerte Franosz. Einige Ideen, wie ein gemeinsames Sportturnier aller Schulen, seien bislang nicht realisierbar gewesen. Aber letztlich sei sie „tief beeindruckt, was trotz Pandemie alles gelaufen ist“. Das Wertejahr sei für sie auch eine gute Möglichkeit gewesen, Kontakt zu den Menschen zu halten.

So geht es weiter

Was bleibt, sind für Avcik zum einen die theoretischen Werte rund um Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Zusammenleben, etwa dass man beim Thema Integration nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund meint. Und zum anderen konkrete Projekte, von denen einige weiterlaufen werden, davon sind Avcik und Franosz überzeugt: etwa das Alleinerziehenden-Café oder das Teilen von Gemüse aus dem Stadtgärtle. Allerdings müssten dafür auch immer wieder neu Impulse gesetzt werden, ergänzte der OB. Sowohl inhaltlich als auch konzeptionell schließt sich nun das Folgeprojekt „Demokratische Verantwortung stärken“ an, das ebenfalls vom Sozialministerium gefördert wird.