Viele nutzen den heimischen Wald als Erholungsort oder Raum für Sport: Wanderer, Kletterer, Jogger, Reiter – und eben auch Mountainbiker. Damit Letztere nicht wild durchs Gestrüpp oder den Wanderern über die Füße fahren, setzen sich die organisierten Mountainbiker in Rheinfelden für legale Trails ein. Rainer Vierbaum ist nicht nur Stadtrat und Mitglied in verschiedenen Ausschüssen, sondern auch begeisterter Radfahrer und Sprecher der organisierten Mountainbiker. Er nimmt sich der Sache an.

Das Landeswaldgesetz

In Baden-Württemberg gilt laut Landeswaldgesetz eine Zwei-Meter-Regel: Radfahrer dürfen im Wald nur auf Wegen fahren, die breiter als zwei Meter sind. „Der ambitionierte Mountainbiker fährt aber auch gerne mal auf einem schmalen Pfad“, sagt Rainer Vierbaum. Warum? „Weil das einfach mehr Spaß macht, sich durch den Wald zu schlängeln.“

Rainer Vierbaum
Rainer Vierbaum | Bild: privat/Ringfoto Dockhorn

Deshalb fahren er und seine Fahrrad-Kollegen gerne in die Schweiz oder im Urlaub nach Italien oder Österreich, wo es mehrere legale Trails für Mountainbiker gibt. In Baden-Württemberg kennt Vierbaum solche bisher nur aus Baiersbronn und dem Raum Freiburg. Laut dem Stadtrat gab es schon einige Initiativen, um die Zwei-Meter-Regel generell zu kippen – bisher erfolglos.

Schlecht für den Wald

Aber ohne legale Trails erschaffen manche Mountainbiker ihre eigenen Wege – und das bringt Probleme. „Wild im Wald herumzufahren und illegale Trails zu bauen, ist schlecht für den Zustand des Waldes“, weiß Vierbaum. Deshalb setzt sich der 68-Jährige mit den organisierten Mountainbikern dafür ein, dass in Rheinfelden entsprechende Pfade für die Radfahrer genehmigt werden.

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Die Gruppe setzt sich aus den drei Vereinen Skizunft (in der auch Vierbaum ist), der Sport Gemeinschaft und dem Radsportverein zusammen. Insgesamt sind das rund 100 Mountainbiker in Rheinfelden. „Und wenn wir legale Trails hätten, kämen sicherlich noch einige von den vereinslosen Bikern hinzu“, ist sich Vierbaum sicher. Und: „So holt man die Mountainbiker weg von den Wanderwegen.“ Die Idee hatte auch der Verein Mountainbike Lörrach, der sich für legale Trails im Landkreis Lörrach einsetzt. Als eine Art Dachverband will der Verein für alle Mountainbike-Fahrer im Landkreis Ansprechpartner sein und bei der Umsetzung von Trail-Anträgen helfen.

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Momentan läuft in Lörrach ein Pilotprojekt, um einen Trail in der Region genehmigt zu bekommen. Beteiligt am Prozess seien nicht nur die Stadt und der Landkreis Lörrach, sondern unter anderem auch die Jägerschaft, Forst, Grund- und Waldbesitzer, so Vierbaum. Er setzte sich schon früh mit dem Lörracher Verein in Verbindung und wartet nun gespannt, ob der geplante Trail genehmigt wird. „Dann wissen wir, wie es geht und können die Trails nach diesem Vorbild auch in Rheinfelden beantragen.“ Über das Pilotprojekt wird am Freitag im Lörracher Gemeinderat abgestimmt. Die Mountainbiker seien optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird, so Vierbaum.

Vierbaum selbst hat schon einige Ideen, wo auch in Rheinfelden solche Pfade entstehen könnten. Verraten will er die Standorte aber nicht, weil er Sorge hat, dass andere Mountainbiker dort dann schon jetzt illegale Trails bauen. Aus demselben Grund ist die Strecke für den beantragten Trail in Lörrach geheim. Nur so viel verrät Vierbaum schon einmal: In Rheinfelden würden die organisierten Mountainbiker allerdings am liebsten zuerst einen Trail für Kinder auf flacherem Gelände bauen.

Förster haben Bedenken

Viele Förster blicken der Idee der Mountainbiker im Landkreis mit großem Bedenken entgegen. Gerade während der Pandemie drängen immer mehr Menschen in den Wald, weiß auch Vierbaum: „So entsteht die berechtigte Sorge, dass der Wald bezüglich seiner Erholungsfunktion irgendwann überfordert ist.“ Das Wild könne dadurch vertrieben und junge Pflanzen kaputt gemacht werden. „Deshalb bin ich voll dafür, dass wir das Projekt mit allen Beteiligten geregelt abstimmen“, sagt Vierbaum. Und es gebe auch Waldbesitzer, die von der Idee mit den Trails gar nicht abgeneigt seien. „Sicherlich ist allen lieber, wenn die Mountainbiker auf legal gebauten Pfaden fahren, anstatt kreuz und quer durch die Wälder zu radeln.“