Als christlicher Theologe sprach Reinhold Bernhardt, Dekan der Theologischen Fakultät an der Universität Basel, und als islamischer Jörg Imran Schröter von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Initiiert wurde die Gesprächsrunde von Pfarrer Jörg Hinderer, Kirchenbezirksbeauftragter für Flucht und Migration, der als fachkundige und hochkarätige Moderatorin Elisabeth Hartlieb aus Karlsruhe gewonnen hatte. Sie ist landeskirchliche Beauftragte für das christlich-islamische Gespräch und hat maßgeblich die Erklärung, die dann von der evangelischen Landeskirche von 60 auf drei Seiten konzentriert wurde, vorbereitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Neben dem CIVH zählten zum Kreis der Veranstalter auch die kirchliche Erwachsenenbildung Rheinfelden, der Rhein Bildungs- und Kulturverein, der Runde Tisch Mitgemischt und die Volkshochschule (VHS) Rheinfelden. Unter dem Titel „Brauchen wir mehr Mut? Eine Diskussion zum christlich-islamischen Gespräch“ hatten zunächst die geladenen Referenten ihre Sicht der Dinge erörtert.

Kritik am Plagiatsvorwurf

Schröters Feedback aus einer muslimischen Perspektive bezüglich der synodalen Erklärung kritisierte den Plagiatsvorwurf, den die Erklärung enthält: „Ihr habt im Koran die Bibel abgeschrieben! Es klingt wie eben der alte Vorwurf immer schon war!“, bedauerte er. Er hatte, sehr hilfreich für das Publikum, den Originaltext der evangelischen Erklärung in Großformat auf die Leinwand projiziert. So las man unter Punkt 18: „… Wir sehen, dass der Islam im Koran an vielen Stellen biblische Überlieferungen aufnimmt. Dies … ist in vielem für uns Christ‘innen fremd…“

Moschee und Kirche nebeneinander? Das Bild aus Mannheim legt nahe, dass es möglich ist – doch die Veranstaltung in Rheinfelden zeigte, wie viele Missverständnisse es zwischen den Religionen noch auszuräumen gilt.
Moschee und Kirche nebeneinander? Das Bild aus Mannheim legt nahe, dass es möglich ist – doch die Veranstaltung in Rheinfelden zeigte, wie viele Missverständnisse es zwischen den Religionen noch auszuräumen gilt. | Bild: dpa

Professor Reinhold Bernhardt aus Basel sah diese Formulierung ebenfalls kritisch und riet: „Dies wäre ein wichtiger Punkt für die interreligiöse Zusammenarbeit.“ Der Basler Theologe war insgesamt enttäuscht von der synodalen Erklärung. „Für mich ist das heute schon ein Papier von gestern. Mit dem gehe ich nicht in die Zukunft“, bemängelte er. Er riet dazu, aufzuhören, von Mutter- und Tochterreligion zu reden: „Bestreiten wir, dass die drei Religionen – Juden, Christen und Islam – an den gleichen Gott glauben? Gibt es dann mehrere Götter? Oder ist es im Islam Götzendienst?“ Er monierte wie Schröter auch das „diffuse Drumherumgerede“ in der Erklärung, wie zum Beispiel bei „die Weggemeinschaft mit dem Volk Israel“.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch Moderatorin Hartlieb störte sich am Punkt 16: „Die grundlegende Verbundenheit mit dem Judentum gehört zu unserer christlichen Identität.“ Ein Gerichtsprozess von 1984 habe hier in der badischen Landeskirche die Wende eingeleitet, sagte Hartlieb: „Davor hatten die Protestanten eine sehr antisemitische, problematische Vergangenheit – jahrhundertelang!“ In den anschließenden Stimmen aus dem Publikum las ein Mann Auszüge aus einer bekannten türkischen Tageszeitung, die ins Deutsche übersetzt nichts Gutes ahnen ließen und auch sein wenig wohlwollender Auszug aus der Herderkorrespondenz, wo von einem „reformbedürftigen Islam“ die Rede war, belegte, wie notwendig ein christlich-islamischer Dialog ist.

Die Reaktionen

Moderatorin Hartlieb sagte dazu: „Ihr türkischer Zeitungsauszug zeigt, wie Religion politisch instrumentalisiert wird.“ Ein anderer Mann aus dem Publikum gestand: „Wir gaben früher noch handfeste Katholikenklatschen!“ Ihn störte im Papier „diese vereinnahmende Wir-Form der Kirche, dieses ,Wir sind die besten‘.“ Die Kirche wolle Macht über die Menschen. Für Professor Schröter war das „Wir“ der Landeskirche ausgrenzend gegenüber Muslimen: „Mein in Deutschland erfahrener antimuslimischer Rassismus macht mich sehr betroffen“, gestand er und riet: „Wir müssen miteinander und nicht übereinander reden!“