Die katholische Kirchengemeinde Rheinfelden bereitet sich auf die bevorstehenden Umstellungen durch die Pastoralreform im Erzbistum Freiburg vor. Etwa 50 Mitglieder waren zur Pfarrversammlung gekommen. Matthias Wössner, Pastoralreferent und ebenfalls Dekanatsreferent, erläuterte grundlegende Veränderungen. „Im Jahr 2030 lässt es sich in der Erzdiözese Freiburg gut katholisch sein“, zitierte er Erzbischof Stephan Burger. Das heutige Dekanat Wiesental werde dann ein einziges Pfarramt sein. Das bedeute aber keinesfalls Rückzug aus der Fläche und Konzentration in wenige Zentren. Das heutige aktive Leben der Kirchengemeinden solle auf jeden Fall beibehalten werden. Nach den Vorberechnungen werden später für die nur noch 36 Pfarreien im Bistum durchschnittlich 23 Seelsorger zur Verfügung stehen. „Kirchlicher Alltag wird überall gewährleistet,“ versicherte Wössner. „Auch künftig sind alle Aktivitäten gefragt.“ Leider nahmen in den letzten Jahren nicht nur die Zahl der Kirchenmitglieder sondern auch der Besuch der Gottesdienste weiter ab. Mit einem weiteren Rückgang der Seelsorger und des Laienpersonals ist zu rechnen. Der ehrenamtlichen Betätigung komme deshalb wachsende Bedeutung zu. Gerade dies werde weiterhin die Vielfalt des kirchlichen Lebens ausmachen.

In Vorbereitung der Pastoralreform wurde im Dekanat Wiesental ein ehrenamtliches Projektteam gegründet, in dem aus der Kirchengemeinde Rheinfelden Richard Müller mitarbeitet. Zur heutigen Seelsorgeeinheit gehören sieben Kirchengemeinden. Udo Quass, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderates, stellte deren Besonderheiten vor.

So spielt in der Stadt vor allem die Ökumene eine besondere Rolle. In Minseln wird die Kirchenmusik gepflegt. Herten widmet sich Pilgerreisen, Eichsel der Wallfahrt, Warmbach gilt als Zentrum der neuen Musik und bietet mit seiner multifunktionalen Gestaltung Möglichkeiten für viele Nutzungen. In Karsau arbeiten Projektchöre, damit kann auch nach Auflösung des Kirchenchores Rheinfelden gesungen werden. Damit, so Quass, können alle Gemeindemitglieder ihre kirchliche Heimat finden. Abschiede, wie die vom Kirchenchor, seien auch Gelegenheit, um Neues zu finden.

Über die wirtschaftliche Situation sprach Dominik Zipfel von der Verrechnungsstelle. Der Seelsorgeeinheit stehen 13 Kirchen und Kapellen, sieben Gemeinde- und sieben Pfarrhäuser zur Verfügung. Allein für Kirche und Kapellen sind aktuelle Erhaltungskosten von mehr als 138.000 Euro erforderlich. Für die acht Kindertagesstätten wurden Sanierungskosten von 118.000 Euro kalkuliert, davon allerdings übernimmt die Stadt knapp 100.000 Euro.

Seit 2017 ging die Zahl der Katholiken in Rheinfelden um fast 14 Prozent auf 10.200 zurück. Auch dies sei Anlass, die künftige Finanzstrategie schon jetzt zu durchdenken, meinte Pfarrer Andreas Brüste. Er habe bereits jetzt sein Rücktrittsschreiben formuliert, denn ab Jahresbeginn 2026 gelte die Pastoralreform. Somit sei er der letzte Pfarrer in Rheinfelden. Allerdings bedeute dies nicht, dass hier kein Priester mehr tätig sei. Er warte schon, dass einige Immobilien verkauft werden müssten, aber überall dort, wo kirchliches Leben stattfindet, soll es auch weiterhin Räume dafür geben.

Zwar stellten die Besucher der Pfarrversammlung keine Fragen, doch kündigte Brüstle weitere Begegnungen zur Vorbereitung auf die Pastoralreform an. Kommunikation sei bis dahin eine der wichtigsten Aufgaben. Alle müssten künftig viel mehr über den eigenen Kirchturm hinaus denken, die Zusammenlegung zu einer Pfarrei bringe für das heutige Dekanat ein „größeres Wir.“ Die Pastoralreform bereitet alle Bereiche kirchlichen Lebens auf die Situation nach 2030 vor, also auch die Bildungseinrichtungen, karitative Arbeit und Verbände. Abläufe und Aufgabenverteilungen zischen den Ebenen werden neu zu ordnen sein. Andreas Brüstle beendete die Pfarrversammlung mit einem ausdrücklichen Dank an alle ehrenamtlich Tätigen.