Judith Metzger wurde am 15. Mai 1883 in Müllheim (Baden) geboren und verbrachte ihre Kindheit und Schulzeit in Südbaden. Später absolvierte sie eine Hauswirtschaftslehre in Basel. Mit dem Bau des Rheinkraftwerks in Rheinfelden erfuhr diese Region einen enormen Aufschwung und das wird wahrscheinlich der Grund gewesen sein, warum der junge Maurerpolier Karl Metzger sich Anfang des vergangenen Jahrhunderts mit seiner Ehefrau Judith hier niederließ.

Zunächst als Angestellter beim Baugeschäft Schröter, machte sich das jung verheiratete Paar selbstständig und gründete ein Bauunternehmen, das sich durch Können, Fleiß und eisernen Willen schnell einen guten Namen erarbeitete und sich zum größten Baugeschäft der Stadt entwickelte. In der noch jungen Stadt herrschte damals eine rege Bautätigkeit. Unzählige Industriebauten, Wohnhäuser und öffentliche Bauwerke sind von der Firma Metzger errichtet worden. Mit Fabrikbauten an der Aluminium und Dynamit, am Gymnasium, Hallenbad, der damaligen Anstalt in Herten, dem repräsentativen Hotel „Eden“ im schweizerischen Rheinfelden sowie dortigen Wohnhäusern hatte die Firma großen Anteil in der hiesigen Stadtentwicklung.

Mit der Firmengründung 1909 und gerade einmal zehn Mann auf der Lohnliste, stieg die Belegschaft in kurzer Zeit auf 500 Arbeiter. 1910 errichtete die Firma für den Flaschenbierhändler Sucher das Wohn – und Geschäftshaus an der Nollinger Straße. Dieses erwarb die Familie Metzger später selbst.

Der sogenannte „Traum vom Ruhrgebiet des Südens“ hielt bis zum Ersten Weltkrieg. 1912 wurde die Tochter Elfriede geboren und zwei Jahre später folgte der Sohn Walter. Aber 1914 begann der Erste Weltkrieg, der Feldwebel Metzger wurde eingezogen und von den Träumen des jungen Ehepaars blieben nur die Sorgen.

Judith Metzger führte das Unternehmen mit der Hilfe von Frage-Antwort-Briefen mit ihrem Ehemann, fern der Familie, tapfer weiter. Für eine Frau in der damaligen Zeit war das bestimmt keine leichte Aufgabe. Karl Metzger kam unversehrt aus dem Krieg zurück und es ging wieder aufwärts.

Das Ehepaar engagierte sich im städtischen Gemeinwesen. Judith Metzger war in der evangelischen Kirchengemeinde eine der ersten Kirchengemeinderätinnen. Karl Metzger war im Gemeinderat aktiv. Die Firma florierte. Doch im Jahr 1939 mussten der Sohn und der Schwiegersohn in den Zweiten Weltkrieg und nur ein Jahr später starb Karl Metzger unerwartet mit nur 57 Jahren. Judith Metzger musste abermals die Firma alleine führen. Mittlerweile war sie aber vertraut mit den Geschäftsvorgängen und hatte personelle Unterstützung. Ihr Sohn Walter verlor im Krieg sein Leben, aber glücklicherweise kehrte 1945 ihr Schwiegersohn Hans Schönith aus Russland zurück. Mit ihm führte die tapfere Frau das Unternehmen bis 1963. Judith Metzger war der beste „Geselle“ ihres Mannes und über Jahrzehnte alleine für den gesamten Betrieb verantwortlich – eine enorme kaufmännische Leistung.

Sie starb am 3. Oktober 1963 in Rheinfelden. Noch bis wenige Wochen vor ihrem Tod war sie unermüdlich im Büro tätig. Auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Metzger-Grube hat die Stadt Rheinfelden ein naturnahes Grünflächenprojekt mit verschiedenen Aktivitäten für die Bevölkerung geschaffen.