Im Ortsteil Herten zeigen sich im Kleinen die Herausforderungen, mit denen der Bund im Großen zu tun hat: Einerseits wird dringend neuer Wohnraum benötigt, andererseits sollen so wenig Flächen wie möglich verbraucht werden, um das Klima zu schützen. Unter diesen Aspekten hat der Bau- und Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung das künftige Baugebiet „Römern“ diskutiert. Die Krux: Die Stadt kann nicht allein agieren, da ein Investor die Flächen gekauft hat.

Diesen Bogen spannte Oberbürgermeister Klaus Eberhardt in der Sitzung, in der über den Letter of Intent, also die Absichtserklärung, zwischen Stadt und Investor entschieden werden sollte. Er erinnerte daran, dass sich die Stadt um die Grundstücke bemüht habe. „Wir könnten zwar das Vorkaufsrecht ziehen, aber die Grundstückspreise, die da aufgerufen werden, sind für uns nicht realistisch.“ Und auch für den Investor sei die Kalkulation hart auf Kante.

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Deshalb wolle die Stadt dem Projektträger auch Mischformen in der Bebauung anbieten – was gegen den ursprünglichen Wunsch des Ortschaftsrates steht, der nur Geschosswohnungsbau wollte, wie Ortsvorsteher Frank-Michael Littwin in Erinnerung rief. Dies sei bei einem Workshop im Mai 2020 Konsens gewesen. Am Montag dann entschied das Hertener Gremium, dass auch andere Wohnformen in Ordnung wären, aber unter der Maßgabe, dass 35 Prozent aller Wohneinheiten sozial gefördert werden. Dies hat die Stadt dem Investor mitgeteilt.

Seine Antwort: Nur der Geschosswohnungsbau solle 30 bis 35 Prozent sozial gefördert werden, die geplanten Reihen-, Doppel- und Einzelhäuser von dieser Quote jedoch ausgenommen werden. „Nur dies ist wirtschaftlich darstellbar, alles andere würde die Projektrealisierung zu so einem frühen Zeitpunkt bereits in Frage stellen.“

Neben weitreichenden Vorgaben zum Klimaschutz wie Dachbegrünungen, hohe Energiestandards der Häuser sowie ein Nahwärmekonzept, gibt es laut Eberhardt weitere Faktoren, welche die Wirtschaftlichkeit minderten. „Gerade die Grundstücke an der Bahnlinie sind weniger wert.“ Auch werde das Gebiet von Hochspannungsleitungen durchzogen, so dass sich die bebaubare Fläche reduziere. „Wenn ich Herten folge, muss ich in ganz neue Verhandlungen gehen“, so Eberhardt. Gut möglich, dass der Investor dann zurückziehe. „Dann verschwindet dieses Projekt über Jahre.“

Karin Paulsen-Zenke (SPD) begrüßte den Hertener Vorstoß, nur Geschosswohnungsbau zu realisieren. So entstehe viel Wohnraum und es sei fürs Klima besser. „Was mich ärgert ist, dass wir uns jetzt schon wieder treiben lassen und Rücksicht nehmen müssen auf Investoren“, so Paulsen-Zenke. Eberhardt entgegnete, dass die Stadt nicht in den Grundstücksmarkt eingreifen dürfe. Von dem Verkauf habe weder die Stadtverwaltung noch der Ortschaftsrat etwas mitbekommen.

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Rainer Vierbaum (CDU) befand es hingegen als gut, dass nicht nur Geschosswohnungsbau entstehen wird. Er störte sich vielmehr daran, dass im Letter of Intent die Versorgung des Quartiers mit Nahwärme festgehalten wird. „Ich sehe die Gefahr, dass wir hier Verpflichtungen eingehen und die anderen Ortsteile schauen in die Röhre.“ Die Versorgung über Nahwärme sei für alten Baubestand wesentlich sinnvoller als für Neubaugebiete. In diesen gebe es andere Möglichkeiten der klimaneutralen Wärmeversorgung. „Ich würde mich schämen, wenn ich das nicht reingeschrieben hätte“, so Eberhardt. Denn kein künftiges Wohngebiet dürfe mehr mit individuellen Heizungen versehen werden. „Sonst erreichen wir unsere Klimaziele nie.“ Ob es denn wirklich Nahwärme werde, werde man sehen.

Jörg Moritz-Reinbach (Sören) schlug derweil ganz andere Töne an. „Warum sollten wir hier auf die Tube drücken?“ Ein solches Gebiet so zu entwickeln, könne man sich nicht mehr leisten, weder sozial noch ökologisch. Mit dem Letter of Intent wecke man gewisse Erwartungen. „Hier sollten wir authentisch bleiben.“

Das sah Dieter Meier (CDU) anders. Eile mit Weile sei hier nicht geboten. „Den Investor, der nur unserem politischen Willen nachkommt, muss man erstmal finden.“

Auch Heiner Lohmann (Grüne) befand, dass man sich jetzt nicht „hinsetzen und 20 Jahre warten kann“. Zwar wolle das Land Flächen einsparen, dem laufe dieses Vorhaben entgegen. Aber es sei gut, dass bereits jetzt die Absicht zur Klimaneutralität festgehalten worden sei.

Letztlich stimmte der Ausschuss für den Letter of Intent – mit der Korrektur, dass in dem Gebiet nur Geschosswohnungsbau und Reihenhäuser zulässig sein sollten.