Mit großem Aufwand haben Rektor Volker Koch und seine Kollegen an der Eichendorffschule in den vergangenen Wochen versucht, ihre Schüler mit Lehrmaterialien zu versorgen und die Kinder und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf zu unterstützen. Nun ist das Kollegium langsam am Limit und Koch hofft auf ein wenig Entspannung in den Pfingstferien. Eines aber hat für den Sonderpädagogen oberste Priorität: Keiner der Schüler soll wegen Corona den Anschluss verlieren.

Der Weg zu Volker Kochs Büro führt vorbei an Hinweisschildern: „Abstand halten“ steht auf dem einen. „Viren sind überall. Nicht anfassen“, auf einem anderen. „Es ist nicht einfach, unseren Schülern die Notwendigkeit dieser Regeln zu erklären“, sagt Koch. Zurück im Präsenzunterricht sind die Klassenstufen 9 und 8. Unterteilt in kleine Gruppen, haben die Schüler unterschiedliche Anfangszeiten, unterschiedliche Pausenzeiten und auch der Gang zur Toilette ist geplant. „Ein Lehrer läuft immer mit und wartet vor der Tür.“

Volker Koch leitet die Eichendorffschule.
Volker Koch leitet die Eichendorffschule. | Bild: Verena Pichler

In beiden Stufen sind es zehn Jugendliche, die einer Risikogruppe angehören. Sie werden, wie die übrigen Schüler, seit Wochen zu Hause betreut – mit einem riesigen Aufwand. Die Lehrer bringen das Unterrichtsmaterial zu den Schülern nach Hause und holen fertige Aufgaben dort wieder ab. Es gibt Telefonkonferenzen und ganz zu Beginn der Corona-Krise haben zwei Lehrer quasi über Nacht die digitale Lernplattform Moodle zum Laufen gebracht. In vielen Fällen hätten die Lehrkräfte den Schülern den Umgang mit Moodle per Telefon erklärt. „Wir haben die kompletten Osterferien durchgearbeitet“, sagt Koch. Jetzt seien alle am Limit. „Ich hoffe, dass wir die Pfingstferien wirklich frei haben.“ Denn Koch ist zerrissen: Auf der einen Seite ist er Sonderpädagoge, der die besonderen Bedürfnisse seiner Schüler im Blick haben muss. Auf der anderen Seite hat er aber auch eine Fürsorgepflicht gegenüber seinem Team.

Lernen für das Leben

Die Eichendorffschule vermittelt ihren Schülern neben Kernfächern wie Mathematik und Deutsch insbesondere lebensnahe Inhalte. „Aktiv zur eigenen Stärke“ lautet das Schulmotto. Ein Schwerpunkt in der Oberstufe ist Berufsorientierung. Dazu gehört für Koch mehr als die Wahl der Ausbildung. „Da geht es auch um Fragen, wie man sich ein Konto einrichtet.“ Nach der 9. Klasse wechseln die Schüler in die Gewerbeschule, um dort nach Möglichkeit in der zehnten Klasse ihren Hauptschulabschluss abzulegen. Abschlussprüfungen gibt es an der Eichendorffschule nicht. „Für uns steht der Anschluss im Vordergrund“, sagt Koch.

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Was Koch in diesen schwierigen Zeiten besonders freut, ist die große Unterstützung der Stadt. „Sei es bei den aufwendigen Reinigungsarbeiten oder auch bei der Notfallbetreuung, wo externe Kräfte von der Awo oder der Kaltenbach Stiftung einspringen.“ Denn von den 14 Lehrkräften stehen Koch derzeit nur zehn zur Verfügung. „Müssten wir das alleine stemmen, würde alles irgendwann auseinanderfallen.“

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Skeptisch ist Koch hingegen, was die Digitalisierungspläne des Landes angeht. „Meine Horrorvorstellung ist, dass die uns den Schulhof mit I-Pads vollkippen“, sagt der 50-Jährige mit Bezug auf die Pläne des Kultusministeriums, den Schülern mobile Endgeräte zur Verfügung zu stellen. Denn mit den Tablets ohne Tastatur oder Maus könnten seine Schüler wenig anfangen. Wenn Koch jemand fragte, was seine Schüler wirklich brauchen, würde er empfehlen, zehn einfache Laptops anzuschaffen und diese dann auch von externer Seite einzurichten. „Wenn wir das machen müssten, frisst das zu viel Zeit.“

Zu Hause nicht gut ausgestattet

Und er gibt zu bedenken, dass seine Schüler zu Hause häufig nicht die digitale Infrastruktur hätten, die eine sinnvolle Nutzung der Geräte bräuchte. „In manchen Familien gibt es keinen Internetanschluss, sondern Prepaid-Karten.“ Ist das Datenvolumen aufgebraucht, können auch keine Unterrichtsmaterialien heruntergeladen werden. Angst, einen Schüler während der Corona-Krise zu verlieren, hat Koch nicht. „Wir geben niemanden auf.“

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