Wer von Magden Richtung Schweizer Rheinfelden wandert, sieht im Gebiet „Enge“ linker Hand ein altes Holztor im Felsen. Tritt der Wanderer näher, spürt er, dass aus den beiden vergitterten Fensterchen ein kalter Luftzug zieht. Was mag wohl dahinter versteckt sein? Das Tor bleibt meistens geschlossen, doch an diesem Tag öffnet es Gaby Gerber von der Brauerei Feldschlösschen mit einem großen Schlüssel. Sie gibt damit den Blick frei auf einen imposanten Gewölbekeller, der rund hundert Quadratmeter Grundfläche aufweist und teilweise drei Meter hoch ist. Im Innern ist es kalt, etwa acht Grad misst die Temperatur sowohl im Sommer wie im Winter.

Eng mit Geschichte der Brauerei verknüpft

„Das ist der Gotthard der Brauerei Feldschlösschen“, sagt Gerber mit einem Lachen. „Ich werde immer ganz emotional, wenn ich über diesen Felsenkeller spreche, denn er ist eng mit der Geschichte der Brauerei verknüpft“, ergänzt sie.

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Erbaut hat den Keller die Familie des späteren Feldschlösschen-Mitgründers Theophil Roniger. 1868, also acht Jahre vor der Gründung von Feldschlösschen, wurde das Bauwerk in den Felsen gehauen und gesprengt. Theophil Roniger braute damals im väterlichen „Restaurant zur Sonne“ in Magden Bier. Dies war aber nur in den kalten Monaten möglich. Um auch im Sommer Bier herstellen zu können, brauchte er einen Felsenkeller, der im Winter mit Eisblöcken von den nahe gelegenen Weihern gefüllt werden konnte.

Mit der Ortsbürgergemeinde Magden, der das Land gehört, wurde eine Konzessionsgebühr von fünf Franken pro Jahr vereinbart. Als die Gemeindeversammlung 1872 die Erweiterung des Kellers bewilligte, machte sie die Auflage, dass „jedem Eisbedürftigen im Notfall gegen Entschädigung Eis verabfolgt werden muss.“

Große Investition für Unternehmer

Der Keller war für den jungen Unternehmer eine große Investition. „Das Geld, das ich damals erwarb, habe ich in der Enge vergraben“, soll Roniger später einmal gesagt haben. Mindestens bis 1882 war der Felsenkeller als Eis- und Bierlager in Betrieb, dann schaffte Feldschlösschen die erste Eismaschine an. Während vieler Jahrzehnte stand er danach leer.

Keller wurde saniert

„Nur noch ein paar Feldschlösschen-Mitarbeiter aus Magden lagerten darin ihre Äpfel über den Winter“, erzählt Gerber. Der Zahn der Zeit nagte an dem Bauwerk. „Immer mehr Steine fielen herunter. Es wurde langsam gefährlich, den Keller zu betreten.“ 2005 hat sich die Brauerei entschieden, den Keller zu sanieren und somit für die Nachwelt zu erhalten. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Magden und der kantonalen Ortsbildpflege konnte dieses Projekt umgesetzt werden. Weil die Schäden aber bereits sehr groß waren, musste im vorderen Teil des Kellers Spritzbeton eingesetzt werden. Der hintere Bereich, tiefer im Berg, zeigt sich heute hingegen noch fast im Originalzustand. Dort sieht man auch den Lüftungsschacht, der den Keller mit Frischluft versorgt.

Bei der Einweihung das sanierten Kellers im Jahr 2006 konnte eine alte Schuld beglichen werden: Die Verantwortlichen von Feldschlösschen übergaben den Vertretern der Gemeinde Magden einen Beutel mit der geschuldeten Konzessionsgebühr der vergangenen Jahrzehnte.

Öffnung für besondere Führungen

Seit der Erneuerung wird der historische Felsenkeller hin und wieder für besondere Führungen geöffnet, und das „Bierculinarium“ des Sportclubs Feldschlösschen hat hier schon Station gemacht. Auch ein Werbespot wurde darin schon gedreht. Für Gaby Gerber ist der Keller ein Symbol für den Pioniergeist des Feldschlösschen-Gründers. Es ist daher kein Zufall, dass Anfang Jahr die neue Bierkreation „Feldschlösschen 1876“, die Bezug auf das Gründungsjahr der Brauerei in Rheinfelden nimmt, im Felsenkeller in Magden lanciert wurde.