Rheinfelden – Wasser ist in Nollingen mit seinen Bächen, Quellen und Gräben überall präsent; was einerseits für ein besonderes Flair sorgt, bereitet andererseits aber auch Sorge: Denn nördlich der Beuggener Straße stellen Anwohner immer wieder fest, das Grundwasser auf ihren Grundstücken austritt. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes hydrogeologisches Gutachten bestätigt die Problematik. Wer künftig in diesem Gebiet baut, wird wohl auf ein Untergeschoss verzichten müssen.

Worum geht es?

Seit 2017 arbeitet die Verwaltung an einem Bebauungsplan für den Ortskern Nollingen. Mit diesem soll der dörfliche Charakter zwischen Beuggener Straße und Oberer Dorfstraße erhalten werden. Bereits vor vier Jahren waren die besonderen topografischen und geologischen Gegebenheiten in der Muttergemeinde Rheinfeldens ein Thema. Nun stellten Walter Schnabel und Peter Druckenbrod vom Büro Geoterra aus Wehr die Ergebnisse ihrer hydrogeologischen Erkundungen dem Beirat vor.

Was sagen die Gutachter?

In dem Zeitraum von Oktober 2018 bis September 2019 hat das Büro an 13 Pegeln zwei Mal die Woche Messungen vorgenommen. Von den 13 Messstellen befanden sich zwölf nördlich der Beuggener Straße, eine südlich. „Wie sich das Grundwasser verhält, hängt von der Geologie und der Tektonik ab“, so Gutachter Peter Druckenbrod. Während im Westen des Untersuchungsgebiets Muschelkalk vorherrsche, habe man es im Osten mit sogenanntem Keuper, also Gesteinsschichten zu tun. Im Süden hingegen bestehe der Untergrund aus Schotter und Hangschutt. Jeder Untergrund hat andere Versickerungs- und Leitungsbeschaffenheiten.

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„Das Grundwasser fließt in Richtung Süd-Süd-Ost“, so Druckenbrod weiter. Ob dies auch für das Gebiet südlich der Beuggener Straße gilt, könne man nicht abschließend sagen. „Dazu wären weitere Bohrungen und weitere Gutachten notwendig“, so Schnabel auf Rückfrage aus dem Beirat. Die Untersuchungen hätten ergeben, dass im Planungsgebiet eigentlich alle Untergeschosse der bestehenden Gebäude bereits ins Grundwasser eingreifen – das illustrierte auch ein Wortbeitrag eines Anwohners. „Wir haben ja alle unsere Gräben im Keller.“ Da jedes Untergeschoss wie eine künstliche Barriere wirke, staue sich das Grundwasser auf, bis es – wie mehrfach von Bewohnern beobachtet – austritt.

Wasser gehört zum Ortsbild in Nollingen dazu, auch der Dorfbach.
Wasser gehört zum Ortsbild in Nollingen dazu, auch der Dorfbach. | Bild: Verena Pichler

Wie geht es weiter?

Als Konsequenz leiten die Gutachter ab, dass weitere Untergeschosse für weitere Störungen im Grundwasser sorgen können. Ein explizites Verbot von Kellern wollten sie jedoch nicht aussprechen. Denn was auf dem einen Flurstück gelte, könne einige Meter weiter schon anders aussehen. „Die Bauherren müssen in jedem Einzelfall nachweisen, dass ihr Keller keinen Effekt auf die Nachbarhäuser hat“, fasste Oberbürgermeister Klaus Eberhardt zusammen. Dennoch müsse man sich für die Bebauungsplanvorschriften schon fragen, ob man auf Keller nicht ganz verzichte. Für ihn sei das Gutachten der Beweis, dass es sich um ein hochsensibles Gebiet handle.

Was sagen die Nollinger?

Davon können die Nollinger, die am Montag zur Sitzung in den Bürgersaal gekommen waren, wohl mehr als ein Liedchen singen. Ein Anwohner wollte wissen, wie es denn mit der alten Uhrenfabrik weitergehe, sollte die Wohnbau entscheiden, dass Gebäude zu modernisieren und Wohnungen zu schaffen. „Eine Tiefgarage kommt unter diesen Umständen ja wohl nicht infrage.“ Dies bestätigte der OB. „Bei der Vorstellung hätte ich tatsächlich Grausen.“

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Allerdings sei das weitere Schicksal des historischen Gebäudes noch nicht geklärt. Dass Eingriffe ins Grundwasser und in Quellen Folgen haben, konnte auch Werner Merkt berichten. Sein Haus befinde sich unmittelbar neben der Dorfbachquelle. 1996 sei diese bei Kanalbauarbeiten „zerrissen“ worden, seither habe er mit Wasser unterm Haus zu kämpfen. Auch wenn sich dieser Umstand nicht mehr ändern lasse – die Bürger forderten die Verwaltung auf, sich dieses Problem gesondert anzuschauen.