Für Kirchenmusiker hat sich der Arbeitsalltag aufgrund der Corona-Pandemie stark verändert. Der Rheinfelder Kantor und Kirchenmusikdirektor Rainer Marbach muss in den Chorproben und im Unterricht der Orgelschüler neue digitale Wege gehen, da durch die Kontaktsperre keine direkte Kommunikation erlaubt ist.

Anders als sonst

Auch in der Passionszeit und an Ostern war für Marbach in diesem Jahr alles anders als sonst, da keine öffentlichen Gottesdienste und musikalischen Andachten möglich waren. Videoaufzeichnungen von Gottesdiensten in der leeren Kirche wie in anderen Städten wurden in der Christuskirche nicht gemacht. Aber Marbach hat eine Möglichkeit gefunden, um im Rahmen der Einschränkungen einen kleinen kirchenmusikalischen Beitrag einzubringen. So spielte er auf der abgeschlossenen Orgelempore an Karfreitag Passionschoräle und am Ostersonntag festliche Musik, die durch die offenen Kirchentüren nach draußen klangen. Die zufälligen Besucher und Passanten konnten im Vorübergehen innehalten und der Orgelmusik lauschen. „Andere Musiker spielen auf den Balkonen“, sagt Marbach.

Viele Online-Angebote

Die Homepage der evangelischen Kirchengemeinde wurde auf viele Online-Angebote umgestaltet. Das Team des Krabbelgottesdienstes in der Christuskirche hatte für Ostern einen Beitrag aufgezeichnet, der über die Homepage abgerufen werden konnte. Da die musikalische Karfreitagsandacht mit der Kantorei und der Cellistin Christina Meißner abgesagt werden musste, hat Kantor Marbach ein Zwei-Minuten-Video erstellt mit Fotografien der Künstlerin, die mit Kreuzmotiven zu tun haben. Dazu sind Meißners Celloklänge als Kreuz-Meditation zu hören.

Proben in der leeren Kirche

Die Arbeit von Rainer Marbach lief auch im weiteren Verlauf der Corona-Krise weiter, wobei er mehr Zeit am Computer verbringt als auf der Orgelbank. Marbach ist nach wie vor regelmäßig im Büro, hat viel administrative Arbeit zu erledigen durch die Konzertabsagen und Verschiebungen. „Im Büro hat man es hauptsächlich mit Abwicklungen zu tun und mit Gesprächen, wie es weitergehen soll.“ Außerdem übt Marbach an der Orgel in der leeren Kirche.

Den Orgelunterricht, die Probenarbeit mit den Chören und die Vorbereitungen auf Konzerte im Herbst versucht Marbach, auf digitalem Wege aufrecht zu erhalten. Jeden Dienstag macht er eine Videokonferenz mit den Young Voices. Er schickt den Sängerinnen und Sängern MP3-Dateien, auf denen die Stücke aufgeteilt sind in Abschnitte. Jede Stimme kriegt ihre eigene MP3. Damit können die Young Voices üben, damit sie bei den Proben, wenn diese wieder normal anlaufen können, „nicht bei Null anfangen müssen“.

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Auch mit der Kantorei arbeitet Marbach auf ähnliche Art. Noch ist unklar, ob das Konzert mit dem Jazz-Duo Lars Duppler (Klavier) und Stefan Karl Schmid (Saxophon) am 18. Juli stattfinden kann, bei dem die Kantorei mitwirken soll. Wie und in welcher Chorstärke der Auftritt gestaltet wird, muss abgewartet werden. Das hänge auch von den Proben ab. Würde die Probenzeit zu kurz, könnte die Kantorei etwas aus dem Repertoire singen oder eine Chorimprovisation machen.

Im November ist die Aufführung der geistlichen Kantaten „Ich hatte viel Bekümmernis“ und „Weinen, klagen, sorgen, zagen“ von Johann Sebastian Bach vorgesehen. Dafür laufen schon die Vorbereitungen. Marbach hat eine Einführung per Podcast erstellt, die Sänger erhalten digital Übe-Dateien und können sich so vorbereiten. „Man sitzt Stunden an so einem Schnipsel“, sagt Marbach zu dem großen Aufwand, diese Übe-Dateien mit Klangbeispielen zu erstellen. Die Sänger konnten nacheinander aus einer Kiste die Noten abholen und können nun, die Noten in der Hand, zu Hause mit den Klangdateien arbeiten. Auch Stimmbildnerin Eva Maria Hofheinz ist in dieses Üben auf digitalem Weg eingebunden und hat von Marbach eine Datei erhalten, auf der sie die schwierigen Koloraturen singt. Die Kantorei-Mitglieder kriegen das aufgeteilt geschickt und können sich quasi am Handy die Töne beibringen. „Wir müssen irgendetwas machen, damit die Zeit nicht vergeben ist“, so Marbach.

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