Dr. Helge-Maria Umbreit wurde am 28. April 1934 in Berlin geboren. Sie war zeitlebens der Ansicht, dass Bildung und Emanzipation der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben seien und setzte sich für die Rechte der Frauen ein. Es ging ihr immer darum, dass Frauen Berufe ausüben und trotzdem Ehefrau und Mutter sein können. Sie sagte: „Immer politisch, ich kann gar nicht anders denken.“ Die gesellschaftliche Stellung der Frau war ihr ein Anliegen, hatte sie doch selbst schreckliche Kriegszeiten erlebt.

Ihr Vater ist im Krieg gefallen und ihre Mutter blieb mit drei Töchtern allein. Mit viel Wagemut und Durchhaltevermögen versorgte die Mutter ihre Mädchen. Das war nicht leicht damals, denn der Druck der Gesellschaft für eine Frau ohne Mann in jenen Zeiten lastete schwer. Der Umgang mit den Kriegswitwen bezeichnete Umbreit als infam. Die Nichtbewältigung dieser großen gesellschaftlichen Aufgabe habe die Demokratie geschwächt.

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Nach diesen Erlebnissen war der jungen Helge-Mari Umbreit schon früh klar, dass sie studieren muss, wenn sie vorwärts kommen will. Sie wollte heraus aus der Armut und war sehr fleißig. Nach dem Abitur nahm sie das Studium an der Freien Universität in Berlin in Deutsch und Geschichte auf. Aufgrund einer schönen Abbildung des Freiburger Münsters zog es sie nach Süddeutschland. Sie beendete ihr Studium mit der Promotion.

Das gesamte Studium finanzierte sie sich selbst, teilweise mit einem Stipendium und mit Nachhilfe. Dabei sammelte sie bereits pädagogische Erfahrungen. Die erste Lehranstellung folgte 1964 in Rheinfelden. Sie unterrichtete Deutsch, Geschichte, Englisch und Gemeinschaftskunde. Lehrer wurden in der Industriestadt gebraucht, aber es gab keine Wohnungen. Nach einer tristen Unterkunft folgte der Umzug in eine Wohngemeinschaft mit zwei Lehrerkolleginnen am Friedrichplatz, die von einem männlichen Kollegen mit ironischem Unterton als die „Drachenburg“ bezeichnet wurde. Dies und auch die Zurechtweisung, dass sie während der Schulzeiten keine Hosen tragen durfte, erinnerte sie mit Wohlwollen. Schließlich zog sie 1966 in ihre eigene Wohnung in der Müßmattstraße, in der sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2019 lebte.

Ihr Leben lang hatte sie sich für die Belange der Frauen eingesetzt. Sie kandidierte 1970 und war 18 Jahre lang in der Kommunalpolitik aktiv. Mitte der 80er Jahre pflegte sie ihre betagte Mutter, die sie von Berlin nach Rheinfelden holte. Da blieb nicht mehr viel Zeit für die Politik, aber zu diesem Zeitpunkt trat sie in den Ruhestand.

Umbreit war noch mit 85 Jahren eine vielseitig interessierte, umtriebige und auf die Weltpolitik gerichtete Aktivistin. Eine Frau, die ihre Spuren nicht nur in der Realschule und im Gemeinderat hinterlassen hat, sondern auch bei ihren Schülerinnen und Schülern, bei denen ihre mahnenden Worte gegen weibliche Unterdrückung und vehementen Ermutigungen zum Lernen für das Leben bis heute nachhallen mögen.