Derzeit gilt in der Gastronomie in Baden-Württemberg in Innenräumen die 3G-Regel: Zutritt haben nur gegen Corona Geimpfte, Genesene und negativ Getestete. Sollte die Hospitalisierungsinzidenz weiter steigen und die Warnstufe ausgerufen werden, brauchen Getestete einen PCR-Test, in der Alarmstufe gilt 2G. Doch schon über die seit Wochen geltende 3-G-Regel herrscht Unsicherheit in der Gastronomie. Immer wieder gebe es Gäste, die sich beschweren, wenn sie kontrolliert werden, sagen zwei Rheinfelder Gastronominnen, die nicht namentlich genannt werden wollen. Sie werde bereits angefeindet, sagt eine von ihnen, weil ihr Restaurant als besonders konsequent bei der Kontrolle gelte. Deshalb will sie lieber anonym bleiben.

Zeitaufwand und Diskussionen

Gäste beschwerten sich über die Kontrolle, schimpften oder beleidigten die Wirtin. Manche wüssten nichts von der 3G-Regel. Vergangene Woche habe sie vier Mal jemanden ohne Zertifikat weggeschickt. Auch ein gefälschtes Zertifikat sei ihr schon untergekommen. „Das ist für mich Stress pur.“ Ihre Kollegin sagt: „Das macht mich richtig wütend.“ Hinzu komme der Zeitaufwand der Kontrollen – und der Diskussionen.

Das Problem sehen die Gastronominnen darin, dass nicht alle Kollegen kontrollierten, sagen sie. „Wenn sich alle daran halten würden, wären die Leute nicht so überrascht.“ Viele seien konsequent, ergänzt Alexandra Mußler vom Hotel „Storchen“ in Riedmatt, die dem Verband für Hotellerie und Gastronomie Dehoga im Kreis vorsteht. Aber eben nicht alle.

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Das Ordnungsamt ist darüber im Bilde, sagt Amtsleiter Dominic Rago gegenüber Mußler. Der Ordnungsdienst habe bereits kontrolliert, „wir werden verstärkt Wert darauf legen“. Sie habe irgendwo auch Verständnis für die Gastronomen, denen der Umsatz wichtiger sei als die Kontrolle, gerade nach dem langen Lockdown, sagt Mußler. „Wenn man jemanden wegschickt, bleibt der Platz leer. Und man braucht den Umsatz.“ Viel verdiene man sonst mit betrieblichen Weihnachtsfeiern, da seien die Firmen derzeit auch noch zurückhaltend.

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Und die Nachlässigkeit der Gastronomen führe eben zu Unverständnis bei den Gästen. Natürlich kontrolliere man nicht gern, betont Mußler. Aber das Land gebe diese Regeln nun einmal vor. „Wir wollen nur verhindern, dass wieder ein Lockdown kommt.“ Auch dass es den Gastronomen in der Basisstufe freisteht, ob sie statt 3G 2G einführen, kritisiert die Dehoga-Kreisvorsitzende. „Wir sind die Buhmänner, wir müssen das entscheiden – dabei dürfen wir unsere Mitarbeiter nicht fragen, ob sie geimpft sind.“ 2G funktioniere doch nur, wenn auch die Mitarbeitenden geimpft oder genesen sind. „Aber wenn wir mit denen beim Kollegen was trinken gehen, darf der sie fragen.“

Einzelne Gastronomen in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen hätten sich trotzdem für 2G entschieden, auch weil es dann keine Masken mehr braucht. Oliver Börner vom Landgasthaus „Maien“ in Obereichsel sagt: „Ich würde liebend gerne 2G einführen.“ Immer wieder habe er Ärger mit denen, die sich testen lassen müssten – von zwei Tage alten Selbsttests bis hin zu schlechten Online-Bewertungen. Auch dass anderswo nicht kontrolliert werde, höre er oft. Überwiegen würden aber die Gäste, die die Kontrollen lobten und sagten, sie fühlen sich damit sicherer. „Die würden 2G auch begrüßen.“

Bislang bleibe er aber bei 3G, weil bei ihm viele Sitzungen etwa von Vereinen stattfänden, die oft schon lang im Voraus vereinbart waren, und zwar mit 3G. „Da kann ich nicht kurzfristig auf 2G umstellen.“ Würde das Land 2G verbindlich machen, er wäre glücklich, sagt Börner. Jeden Tag spüre sie den Frust der Gastronomen, sagt Mußler. Deshalb bittet sie alle Kollegen: „Macht mit“ – und alle Gäste: „Diskutiert nicht“.