Die Maria-Schnee-Kapelle am Hertener Friedhof war nicht immer eine Friedhofskapelle. Um die frühere Wallfahrtskapelle ranken sich Legenden.

  • Baugeschichte: Die heutige Kapelle am Rand des Hertener Friedhofs wurde 1715 erbaut, davor dürfte dort ein Vorgänger gestanden haben, sagt Gertrud Heggenberger vom Pfarrgemeinderat. Aufzeichnungen aus dem Pfarrarchiv belegen, dass der Konstanzer Weihbischof Franz Anton von Sirgenstein die Maria-Schnee-Kapelle 1738 eingeweiht hat, sagt Alt-Pfarrer Albin Blümel.

Er verweist auf eine Legende, nach der eine Vorgängerkapelle schon im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) zerstört wurde. Ein schwedischer Soldat soll ein junges Dorfmädchen verfolgt haben, das den Rabenfels hinabsprang und unversehrt unten ankam, während der Soldat sich beim Sturz tödlich verletzte. Da sich das Mädchen um den Sterbenden kümmerte, soll er ihr reumütig sein Geld hinterlassen haben, das für den Aufbau der zerstörten Kapelle genutzt wurde. Da die heutige Kapelle 1715 erbaut wurde, würde das bedeuten, dass die Kapelle ein zweites Mal zerstört wurde.

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  • Architekt: Weder der Architekt der Kapelle noch die der Vorgängerkapellen sind überliefert. Die Entstehungslegende reicht bis 1146 zurück, erklärt Blümel. Ein Ritter von Hertenberg war dem Aufruf zum Kreuzzug ins Heilige Land gefolgt. Auf der Rückreise soll er in einen Hinterhalt geraten sein und zur Mutter Gottes gebetet haben, ihr eine Kapelle in der Heimat zu errichten, wenn ihm nichts geschehe.
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Er kam mit dem Leben davon, wusste aber nicht, wo er die Kapelle errichten sollte. Im Traum erschien ihm Maria und sagte ihm, die Kapelle auf dem Hügel zu errichten, wo am nächsten Tag Schnee läge. So fand der Ritter den Standort am nächsten Tag, einem 5. August. Allerdings gibt es keinen Beleg dafür, dass die Maria-Schnee-Kapelle so alt ist.

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  • Name: „Der Name ist ziemlich leicht erklärt“, meint Blümel. Die ursprünglich aus Italien stammende Legende um die Gründung der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom verbreitete sich im Mittelalter durch Pilger in ganz Europa. Die Basilika soll auf einem Hügel erbaut worden sein, wo es ebenso an einem 5. August zu einem Schneewunder kam. Zahlreiche Kirchen oder Kapellen tragen einen Namen, der Bezug zu dieser Legende hat. „Diese Legende hat sich überall verbreitet und das war der einzige Hügel hier in der Gegend“, meint Blümel.
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Er berichtet über noch eine Begebenheit aus der Zeit des nationalsozialistischen Regimes. Als die Glocken der Pfarrkirche St. Urban abgeholt wurden, hängten Berthold Witzig und Walter Löffler die Glocke in der Maria-Schnee-Kapelle ab und in der Pfarrkirche wieder auf, damit dort wenigstens eine Glocke schlagen konnte.

  • Besonderheit: In der Kapelle hat der Maler Dominik Weber 1887 einen Totentanz mit zwölf Bildern auf Betreiben von Karl Rolfus geschaffen, erzählt Heggenberger. Webers Gestaltung entspricht dem Vorbild des Totentanzes der Friedhofskapelle am Alten Friedhof in Freiburg, diese wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört. Blümel erklärt, dass mit dem Totentanz dargestellt wird, dass der Tod keine Unterschiede zwischen Herkunft oder Alter der Menschen macht.
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Das Altarbild nimmt Bezug auf die Gründungslegende und stellt die Rettung des Ritters von Hertenberg durch Maria dar. Das Altarbild wurde von Weber restauriert. Der Erschaffer ist nicht bekannt. Blümel meint, dass der Altar noch aus der Anfangszeit der Kapelle stammt. Es ist auch nicht mehr bekannt, welche Heiligen die dortigen Figuren verkörpern. Unter dem Vordach der Kapelle befinden sich weitere Fresken Webers, die ebenfalls die Thematik des Totentanzes aufgreifen.

  • Nutzung: „Die Maria-Schnee-Kapelle steht jeden Tag den Menschen offen, die zur Ruhe kommen möchten“, sagt Heggenberger. Im Sommer finden wöchentlich Rosenkranzgebete statt. Jährlich am 5. August feiern die Gemeindemitglieder ein Fest für die Kapelle in Erinnerung an die Gründungslegende. In der Kapelle finden auf den Bänken etwa 25 Personen Platz. „Bis vor 15 Jahren wurde immer noch das Glöcklein geschlagen, aber das hat aufgehört“, erinnert sich Blümel.