Ellen Kuhn, Mike Vormann und Pascale Felber haben mit dem No-Festival 20 ein Konzert mit Künstlern organisiert, das über Youtube, Facebook und Instagram als Stream gesendet wurde. Unser Mitarbeiter Horatio Gollin hat sich mit anderen das Konzert angeschaut – allein zu Hause.

Festival daheim: Unser Mitarbeiter Horatio Gollin mit Knabbereien und Laptop.
Festival daheim: Unser Mitarbeiter Horatio Gollin mit Knabbereien und Laptop. | Bild: Horatio Gollin
  • Das Festival: Sämtliche Veranstaltungen sind abgesagt, da versprach das No-Festival 20 mit neun Musikern und Bands im halbstündigen Wechsel eine Abwechslung. Das Konzert fand als Stream am heimischen Bildschirm statt. Da meine Familienmitglieder nicht zu bewegen waren, ein mehr als fünfstündiges Konzert anzuschauen, musste ich es mir mit meinem Laptop und Knabbereien alleine auf dem Gästebett bequem machen. Ein Countdown zählte die Minuten bis zum Beginn ab.
  • Die Organisatoren: Das Festival haben Ellen Kuhn, Mike Vormann und Pascale Felber organisiert. Mit Unterstützung des städtischen Kulturamtes, wo Kuhn ihr Freiwilliges Soziales Jahr macht. Sie suchten regionale Musiker, die von zu Hause aus ihr Können zeigen. Das mehr als fünfstündige Festival sollte den Charakter eines Livestreams haben, die Videos haben die Künstler aber im Vorfeld gedreht. Das Festival wurde auf gängigen Plattformen übertragen. Da ich keinen Instagram-Account habe und auf Facebook nicht kapiere, wie ich zum Stream komme, entscheide ich mich für Youtube.
  • Der Beginn: Den Auftakt macht Saskia Straub, die ihre Lieder auf Klavier und Ukulele begleitet. Man sieht nie ihr Gesicht, die Kamera blickt über ihre rechte Schulter. Der Auftritt mit den tiefgründigen bis traurigen Liedern macht trotzdem Spaß. Ein Countdown zählt zum nächsten Auftritt herunter. Jeremias Wendt entpuppt sich als Singer/Songwriter. Die Bildqualität bleibt gut und bei den meisten Auftritten ist der Klang so gut, wie es bei voll aufgedrehten Laptoplautsprechern möglich ist.
  • Polizei im Einsatz: Als nächstes treten The Forsythe vor einem Wohnhaus auf. Nach den zwei ruhigen Einlagen begeistert mich hier schon das erste Lied und auch die anderen Stücke kommen gut rüber. Zwischen zwei Stücken sagt der Gitarrist: „Wir wurden gerade ein bisschen von der Polizei gestört, aber ...“ Mit einem Schulterzucken geht es weiter. Es folgt Carla Freude, die in einem blau ausgeleuchteten Zimmer nachdenkliche Lieder zum Besten gibt, wie auch Valentina Zalbertus, die im Badezimmer mit Gastmusikern auftritt.
  • Gäste am Gästebett: Nach so viel Herzschmerz ist Ape Academy eine Offenbarung. Hier tritt mit vier Musikern eine ganze Band auf, die sich nach einer Kreuzung aus Red Hot Chili Peppers und Incubus mit einer Beimischung von Pink Floyd anhört. Plötzlich schauen auch meine Frau und mein Sohn ins Zimmer und loben den coolen Sound. Auf Effo Schepps, der im Grünen spielt, folgt Thomas Damager in kurzen Shorts auf seiner Couch. Der Auftritt macht mir Riesenspaß mit seiner Verballhornung des Gangsta-Rapper-Images. Zum Abschluss legt DJ Posh auf. Auf die harten Beats habe ich allerdings keine Lust mehr und klappe den Laptop zu.
  • Das Fazit: Die Zuschauerzahlen auf Youtube schwankten während des Konzerts zwischen 30 und 60. Am Folgetag listet Youtube 1025 Aufrufe. Am Telefon berichtet Kuhn, dass auf Instagram im Schnitt zwischen 20 und 30 Zuschauer und auf Facebook durchschnittlich nur zehn Zuschauer das Konzert verfolgt haben. „Wir sind ziemlich zufrieden. Es hat uns extrem viel Spaß gemacht, das Projekt aufzuziehen“, sagt Kuhn. Als Reaktion haben sie viele nette Kommentare und Nachrichten bekommen, sogar aus Israel, Mexiko und Kanada. „Für uns war es ein tolles Erlebnis. Wir können uns vorstellen, das Festival in anderer Form nochmal zu veranstalten“, sagt Kuhn. Mir hat es auf jeden Fall richtig Spaß gemacht.

Das Festival zum Nachschauen gibt es hier.