Frau Keßner, den Weltladen in Rheinfelden gibt es seit mittlerweile 40 Jahren. Am 28. November 1981 öffnete das Geschäft für fairen Handel erstmals seine Türen, damals noch an der Kapuzinerstraße. Seit den 1980er Jahren hat sich aber wohl nicht nur der Standort des Weltladens geändert, oder?

Nein, das Angebot ist heute ein ganz anderes. Angefangen hat alles mit Kaffee aus Nicaragua. Heute haben wir ein vielfältigeres und auch wesentlich größeres Sortiment. Hätte ich die fünffache Verkaufsfläche zur Verfügung, könnte ich diese noch immer mit Produkten aus fairem Handel bestücken.

Sie gehörten ja zu den 15 Gründungsmitgliedern des Vereins Vamos Caminando (bedeutet so viel wie: Machen wir uns auf den Weg), der speziell für die Eröffnung des Rheinfelder Weltladens ins Leben gerufen wurde. Welches Ziel verfolgten Sie damals?

Wir wollten informieren und den fairen Handel mit Produzenten der südlichen Hemisphäre stärken. Ich und weitere gehörten der christlichen Arbeiterjugend und der Gewerkschaftsjugend an. Wir interessierten uns für Entwicklungspolitik, internationale Konzerne und Folgen für Arbeitnehmer. Anlass zur Gründung gab uns ein Partnerschaftsaustausch mit der Christlichen Arbeiterjugend in Peru.

Das Angebot des Weltladens ist in 40 Jahren größer und vielfältiger geworden.
Das Angebot des Weltladens ist in 40 Jahren größer und vielfältiger geworden. | Bild: Erika Bader

Wenn Sie auf den Eröffnungstag zurückblicken, woran erinnern Sie sich dann?

Es kamen etwa 20 Jugendliche, später auch Bekannte und Menschen zwischen 30 und 40 Jahren, die in ähnlichen Gruppierungen unterwegs waren wie wir. Umweltschutz, globale Verknüpfungen und die Friedensbewegung beschäftigten die Menschen, die zu uns kamen.

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Würden Sie diese ersten Kunden überwiegend der politischen Linken zuordnen?

Das wäre zu eng gefasst. Es ging nicht so sehr um politische Interessen, sondern, wofür sich Menschen engagiert haben.

Wie sieht es denn aus Ihrer Sicht mit dem Engagement vor allem bei der Jugend von heute aus?

Die jungen Leute engagieren sich zwar, aber wenn sie dann anschließend drei T-Shirts für fünf Euro kaufen, kann das nicht funktionieren.

Manch ein Unternehmen schreibt sich ja heutzutage auf die Fahne, besonders nachhaltig, verantwortungsbewusst oder umweltfreundlich zu produzieren – Stichwort Greenwashing. Was halten Sie davon?

Es ist zwar schön, dass diese Unternehmen es versuchen, aber halten sie es auch ein? Die Weltläden handeln nach festen Grundsätzen wie beispielsweise Transparenz bei Lieferwegen, faire Handelsbeziehungen und keine Kinderarbeit. Manche global agierenden Konzerne sind hingegen nicht einmal bereit, ihre Lieferketten transparent zu machen.

Der Verein Vamos Caminando eröffnete 1981 den Laden für fairen Handel.
Der Verein Vamos Caminando eröffnete 1981 den Laden für fairen Handel. | Bild: Erika Bader

Geben sich Kunden heutzutage mit einem Label zufrieden, ohne wirklich die Produktionsbedingungen der Ware zu hinterfragen?

Teils, teils – wenn die Unternehmen ihre eigenen Label kreieren, weiß man als Konsument gar nicht mehr, was dahinter steckt. Auf diese Werbewirkung von Labeln verlassen sich dann manche Unternehmen.

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Sie sind seit 40 Jahren für den Weltladen engagiert – denken Sie daran, ihn in andere Hände zu übergeben?

Wir sind als Verein organisiert und könnten durchaus neue Mitglieder vertragen. Es wäre nett, wenn die Jüngeren eines Tages die Verantwortung für den Laden übernehmen könnten. Für das Ehrenamt braucht es aber Zeit.