Bernhard Meier ist in Degerfelden für sein ökologisches Engagement bekannt. Am vergangenen Samstag lud er zu einem Spaziergang durch sein privates Waldgebiet ein. Dazu spazierte er mit den interessierten Teilnehmen auf den Westhang des Dinkelbergs hinauf. Gleich hinter den letzten Häusern beginnt sein Revier.

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Direkt am Waldrand verwies Meier auf einen trockenen Graben. Der kleine Bach sei früher nur am Ende des Sommers mal trocken gewesen. Doch nun fließt schon seit drei Jahren überhaupt kein Wasser mehr, er bewerte dies als ein sicheres Zeichen für die Auswirkungen des Klimawandels. Zwar gebe die Quelle weiter oben am Hang immer noch Wasser, doch durch die anhaltende Sommertrockenheit entstehen in der Tiefe große leere Hohlräume. Bis diese gefüllt sind, beginnt schon die nächste Trockenperiode.

Mehr Licht im Wald

Seit etwa 20 Jahren baut Meier nach und nach seine fünf Hektar Wald um. Nieder- und Mittelwald anstelle von Hochwald ist sein Ziel. Sein ständiger Partner ist dabei Revierförster Gerd Fricker. In Abstimmung mit ihm und unter Nutzung von dessen Erfahrungen dünnt er seinen Wald aus.

„Frühzeitig Platz schaffen, damit sich junge Bäume nicht gegenseitig bedrängen, sorgt für besseren Wuchs, die Bäume bleiben robust und wachsen gerade“, erklärte er. „Auch müssen wir im Wald immer wieder für Licht sorgen, weil eben die Ansprüche der Bäume recht unterschiedlich sind.“

Ein Drittel Stamm, zwei Drittel Krone

Wenn Meier Bäume aus dem Bestand herausnimmt, schneidet er sie nicht dicht über dem Boden, sondern etwas höher ab. Dann treiben meist kleine Zweige an den Reststämmen aus. Das verhindert den Rehfraß und sorgt für Bodenbeschattung. Gut gewachsen sei ein Baum dann, wenn der Stamm ein Drittel der Höhe ausmacht, zwei Drittel auf die Krone entfallen.

Ein anderer Grundsatz, den er umsetzt, ist die Vielfalt im Bestand. Eiche, Maroni und Lärchen bevorzugt er am Hang, weil sie durch ihre Tiefenwurzeln den Hang festigen. Gerade in Degerfelden kommen Bewohner immer wieder in Widerspruch mit dem Wald am Hang. Einerseits beschatten hohe Bäume die Siedlungsbereiche oftmals mehr als gewünscht, anderseits kommt ihnen zur Hangfestigung hohe Bedeutung zu. Bei Starkregenfällen sei dies wichtig.

Holunder als Nahrung für Vögel

Mehrfach sprach Meier über die Beziehungen zwischen Pflanzen und Tieren im Wald. Vielfalt sei schon deswegen erforderlich, um möglichst vielen Vögeln, Insekten und Kleintieren Nahrung zu geben. Oftmals beseitigen Waldbesitzer den wuchernden schwarzen Holunder, doch genau dies sei falsch.

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Holunderbeeren dienten der Ernährung von 62 Vogelarten, deshalb seien sie unverzichtbar. Ohnehin sei dichter Mittel- und Niederwald für Singvögel viel schützender, weil Greifvögel kaum anfliegen können. Wirtschaftlich gesehen sei Mittelwald einem Hochwald gleich gestellt. Ein gut gewachsener Nussbaum bringe nach Jahrzehnten den gleichen Ertrag wie etwa acht Buchen. „Ich denke seit Jahren nicht gewinnorientiert im Wald, sondern ökologisch“, sagte er.

Großes Interesse an Baumschädlingen

Die sehr interessierten Teilnehmer des Rundganges stellten viele Fragen, die von Sachkunde zeugten. Vor allem über Krankheiten und Schädlinge wollten sie vieles wissen. Meier wies darauf hin, dass es eben ratsam sei, wenn etwa eine Jungbuche von der braunen Blattfäule befallen ist, sie schnell zu entfernen. Zu retten sei sie dann ohnehin nicht mehr.

Vor sechs Jahren, als Rheinfelden an der Entente florale teilnahm, ging Meier erstmals mit seinem Waldumbau an die Öffentlichkeit. Damals gestaltete er gemeinsam mit Förster Fricker ein Programm für Grundschüler. Begeistert seien die Kinder gewesen und hätten vieles entdeckt, was sie eben im Klassenzimmer nicht sehen können. Die Waldführung am Samstag war die erste öffentliche. Sie war kostenlos und eingeordnet in die Woche des bürgerschaftlichen Engagements.

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