Wer je ein neues Auto gekauft hat, kennt das Phänomen: Zu Beginn ist die Liste der gewünschten Ausstattung lang. Der Blick auf die Kosten bringt einen dann dazu, das eine oder andere zu streichen. Diese Analogie benutzte OB Klaus Eberhardt im Bezug auf das neue Feuerwehrgerätehaus. Um den Kostenrahmen zu halten, wurden gemeinsam mit der Feuerwehr einige Wünsche wieder gestrichen. Höher soll aber der Energiestandard ausfallen.

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Das Millionenprojekt war Gegenstand der ersten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses nach der Corona-Pause im März. Wie schon tags zuvor der Hauptausschuss kam das Gremium im Bürgersaal zusammen, mit reichlich Abstand zwischen den Mitgliedern. Abstand zum Feuerwehrgerätehaus wird‘s wegen Corona jedoch nicht geben. Gleichwohl haben Verwaltung, Architekten und Feuerwehr in mehreren Runden Sparpotenzial ausgemacht.

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  1. .Worum geht es? Die Stadt plant auf einem Grundstück an der Römerstraße/Müßmattstraße ein zentrales Feuerwehrgerätehaus, die bisherigen vier Abteilungsstandorte werden dort zusammengelegt. Baustart soll im Frühjahr 2021 sein, Fertigstellung frühestens im Sommer 2022. Der Gemeinderat war im Oktober 2019 von einem ungefähren Kostenrahmen von knapp 14 Millionen Euro ausgegangen. Nachdem die ersten Vorplanungen im Januar dieses Jahres vorgestellt wurden, lagen die Kosten bereits bei 15 Millionen. Daher hatte die Verwaltung die Planer – das Architekturbüro Dasch Zürn + Partner – aufgefordert, Einsparungen vorzunehmen.
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  1. .Wo wird gespart? Das habe das Büro vorbildlich umgesetzt, betonte der OB, obwohl sich die niedrigeren Kosten auch auf deren Honorar auswirken. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, so Eberhardt. Ebenso engagiert hätte sich die Feuerwehr gezeigt und in mehreren Runden eigene Vorschläge eingebracht. So verzichten die Mitglieder bei Ausstattung und Gebäudetechnik, wie etwa Lüftungsanlagen in Schulungsräumen, die Küche wird abgespeckt, aber auch die Ladestation für E-Bikes oder E-Autos entfallen. Die Übungsanlage im Außenbereich wird verkleinert, auch die hauseigene Werkstatt wird angepasst. In Summe ergeben sich so Einsparungen von knapp 900.000 Euro. Gespart werden muss zwar, aber dennoch soll das Gerätehaus einen hohen Standard haben. „Es wäre schlimm, wenn es nachher nichts taugen würde“, so Eberhardt.
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  1. .WarumKfW-Standard 55? Einen höheren Standard als ursprünglich gedacht soll es bei der Energieeffizienz geben, um den Klimaschutzzielen der Stadt gerecht zu werden. Ursprünglich waren die Planer von einem Bau nach der Energieeinsparverordnung 2016 ausgegangen, legten nun einen Vorschlag nach KfW-Standard 55 vor. Damit wird der Bau zwar wieder teurer (Mehrkosten: rund 250.000 Euro); da aber Fördermittel in Höhe von 175.000 Euro zu erwarten sind, bleiben an der Stadt knapp 75.000 Euro totale Kostensteigerung hängen. „Durch den geringeren Energiebedarf sparen wir aber auch jährlich Kosten, so dass sich diese Summe innerhalb von 15 Jahren amortisiert hat“, so Sven Irmscher, kommissarischer Leiter des Gebäudemanagement. Verrechnet man die Einsparungen auf der einen Seite mit den Mehrkosten auf der anderen Seite, stehen nun 14,4 Millionen Euro geschätzte Gesamtkosten im Buch. „Der Vorentwurf nach der Leistungsphase drei wird eine verlässliche Kostenschätzung bringen“, so Irmscher.
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  1. .Was sagen die Mitglieder? Und genau der traut Rainer Vierbaum (CDU) nicht so ganz. „Die Kostensteigerung war zu befürchten und mal ganz ehrlich: Bekommen wir wirklich für diese Summe das Gerätehaus?“ Ähnlich ergeht es auch Heiner Lohmann (Grüne), der sich zwar über den hohen Energiestandard freute, aber auch Erinnerungen an den Campus hat, „die wohl jedem nachhängen“. Dort waren die Kosten davongelaufen und die Stadt musste eine Steigerung in Millionenhöhe hinnehmen. Karin Paulsen-Zenke (SPD) warnte indes davor, zu vieles zu streichen, denn Nachrüsten sei immer teurer.

Das höchste Risiko, so Eberhardt, sei die Marktentwicklung. Im Schnitt stiegen die Baukosten pro Jahr um fünf bis sieben Prozent. Darauf habe man keinen Einfluss, könne jedoch durch enge Projektsteuerung frühzeitig eingreifen. Wie berichtet, hat die Stadt dafür eine eigene Stelle geschaffen, Lena Gsellinger wird künftig ein Auge auf Großprojekte haben. Sie nahm ebenfalls an der Sitzung teil. Die Verwaltung werde den Gemeinderat quartalsweise über den Stand informieren. Optimistisch stimmt ihn außerdem, dass das Architekturbüro bereits Feuerwehrgerätehäuser im teueren Süden gebaut habe – und die Referenzhäuser nicht in „Anklam“ (Norddeutschland) stünden.

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