Herr Schwarz, Ihre Tage in der Verwaltung sind fast gezählt, haben Sie Ihr Büro schon aufgeräumt?

Nein, noch nicht. Heute findet nochmals ein Audit zum European Energy Award (EEA) statt. Dann fange ich an.

Der EEA hat Sie von Anfang an begleitet, 2007 begann die Stadt den Prozess.

Als ich drei Jahre später kam, sagte der damalige Oberbürgermeister Niethammer zu mir: Bevor ich nächstes Jahr gehe, möchte ich den Award in Händen halten (lacht). Der Druck war gleich groß, insbesondere, weil in den Jahren davor nicht wirklich etwas unternommen wurde. Aber es hat ja tatsächlich geklappt.

Energie sparen war das Thema von Michael Schwarz in Rheinfelden. Bild: Rainer Weisflog
Energie sparen war das Thema von Michael Schwarz in Rheinfelden. Bild: Rainer Weisflog | Bild: Rainer Weisflog

Bringen solche Auszeichnungen denn wirklich was oder sehen die nur medial gut aus?

Natürlich kann jede Kommune etwas für den Klimaschutz tun und Projekte anstoßen ohne diese Zertifizierung. Weil am Rhein ist da ein gutes Beispiel. Aber keiner erhält die Auszeichnung, wenn nicht wirklich etwas passiert und umgesetzt wird. Rheinfelden steht kurz vorm Gold-Status und in den vergangenen Jahren hat sich hier viel bewegt.

Als Energiemanager kam Ihnen dabei eine wichtige Rolle zu. Erinnern Sie sich noch an ihre ersten Wochen in der Verwaltung?

Das war tatsächlich eine spannende Zeit, weil ich mir meinen Arbeitsplatz selbst einrichten musste, es gab meine Stelle ja vorher nicht. Auch war es für mich eine Umstellung, aus der freien Wirtschaft in eine Behörde zu wechseln. So ein Verwaltungsapparat arbeitet dann doch anders.

Sie sind in das Amt für Gebäudemanagement integriert, das nach dem Weggang von Erik Fiss und dem kurzen Schauspiel seines Nachfolgers fast eineinhalb Jahre ohne Leitung war. Schlägt sich das auch in Ihrer „Erfolgsbilanz“ nieder – Stichwort Energiebericht samt Mängellisten an Gebäuden?

Sicher waren es neben Fragen der Finanzierung auch personelle Hindernisse, die Projekte blockierten. Aber das ärgert mich gar nicht so sehr oder nehme ich gar persönlich.

Klingt, als ärgert Sie dafür etwas anderes?

Wenn ich in eine Umkleide rein laufe und alle Fenster sperrangelweit aufstehen bei hochgedrehter Heizung und keiner da ist – das ärgert mich wirklich, das nehme ich sogar persönlich. Denn es ist genau dieses Nutzerverhalten auf das es ankommt, um etwas zu erreichen.

Auch im Rathaus ist dieses Verhalten zu beobachten, Ihr letzter Energiebericht benennt klar, dass die Einsparpotenziale durch die energetische Sanierung nicht ausgeschöpft wurden

Ja, das stimmt, auch damit bin ich nicht zufrieden. Aber: Mein Motto ist nicht der erhobene Zeigefinger, sondern mit den Menschen reden und erklären, gerne auch mit einem Augenzwinkern. Deshalb habe ich auch die Plakate im Cartoon-Stil gestalten lassen mit den häufigsten Nutzungsfehlern. Die hängen in den verschiedenen Abteilungen und jahreszeitlich angepasst auch in den Aufzügen. Auch den Energiebericht habe ich versucht, leserfreundlicher zu gestalten, mit mehr Bildern, Grafiken und Empfehlungen.

Neben dem kommunalen Energiemanagement waren Sie seit Beginn an auch Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger bei Fragen rund ums Energiesparen. Haben sich da die Bedürfnisse verändert?

Nein, nicht wirklich. Die Fragen drehen sich um den Energieverbrauch, Gebäudesanierungen oder was beim Austausch von Heizanlagen zu beachten ist. Immer, wenn ein Gesetz novelliert wurde, zieht das wieder an und die Menschen melden sich.

Werden Sie künftig auf Schwyzerdütsch beraten?

Nein, tatsächlich beschränkt sich mein neues Arbeitsfeld rein aufs kommunale Energiemanagement der Stadt Basel, die anderen Aufgaben, die ich hier hatte, fallen weg. Aber: Wie zu Beginn meiner Tätigkeit in Rheinfelden werde ich mir meinen Job selbst mitgestalten dürfen.

Eine Stadt wie Basel wird doch vorher ein Energiemanagement gehabt haben?

Ja, in Form von einer Person. Sie können sich vorstellen, dass allein der Gebäudebestand damit nicht zu managen ist. Nun hat der Kanton aber ein neues Gesetz erlassen, wonach kommunale Gebäude ab einer gewissen Größe energetisch optimiert werden müssen. Deshalb baut die Stadt eine neue Abteilung auf.

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Wenn Sie an die vergangenen elf Jahre zurückdenken, was würden Sie als Niederlage einstufen und was als Erfolg?

Niederlagen erlebt jeder im Beruf, aber daran will ich mich nicht erinnern, weil ich so viel Positives hier erlebt habe. Wenn ich etwas sagen muss, dann vielleicht, dass die bisherige Integration der Klimaschutzmanager irgendwie nicht so gut funktioniert hat. Das hat mich schon oft ins Grübeln gebracht, ob es vielleicht an mir lag, ich etwas anders hätte machen können. Als Erfolgserlebnis würde ich auf jeden Fall das Freibad nennen, das auf technischer Seite fast wie ein Neubau dasteht. An der Sanierung durfte ich eng mitarbeiten und beraten, das hat sich gelohnt.

Werden Sie den weiteren Werdegang von Rheinfelden im Blick behalten?

Sicherlich, ich lese ja Zeitung und möchte schon wissen, wie es hier weitergeht.