Seit gut einem Jahr steht die Kulturszene still. Keine Proben, keine Auftritte. Viele hoffen, spätestens im Herbst wieder auf der Bühne stehen zu dürfen. Dazu gehört auch die Volkskunstbühne Rheinfelden. Für die Aufführung des Kindertheaterstücks „An der Arche um Acht“ von Ulrich Hub muss bereits geprobt werden – und das geht gerade nur digital. Die Schauspieler und Regisseur Dietmar Fulde zeigten der Autorin, wie diese etwas anderen Proben derzeit ablaufen.

Passend zum Spielort des Stücks, dem Südpol, haben die vier Darsteller und Regisseur Dietmar Fulde sich mit einer Schneelandschaft als Video-Hintergrund für ihre Proben ausgestattet. Seit 20. Januar finden diese nun schon digital über die Plattform Zoom statt. „Es ist besser, als ich es befürchtet hatte“, erzählt Fulde. „Obwohl die Bühne fehlt, finde ich, dass die Emotionen des Stücks gut rüberkommen.“ Damit sich die Schauspieler besser in ihre Rollen einfühlen können, hat er sich eine Besonderheit für das digitale Proben ausgedacht: Schauspielern mit geschlossenen Augen. So können sich die Darsteller in die Szene hineindenken – und eben auch fühlen. „Außerdem kann ich so kontrollieren, wie gut der Text schon sitzt“, sagt Fulde und lacht.

Hineinfinden in die Szenerie

Nachdem die Stimme aufgewärmt wurde, geht es in die eigentlichen Proben. Die Darsteller schließen die Augen und beginnen mit dem Stück. Fulde liest die szenischen Beschreibungen und gibt Hilfestellungen, wenn es beim Text doch noch irgendwo hakt. Er selbst wird am Ende des Stückes die Rolle des Noah übernehmen. Schon nach kurzer Zeit wird klar: Mit dem Hineinfühlen in die Szene haben die Schauspieler keine Probleme. Es scheint, als ob jeder in seiner eigenen kleinen Südpolwelt das Stück rezitiert. Die Schauspieler haben Spaß und diese gute Laune wird durch die komödiantischen Parts des Stücks auf den Zuschauer übertragen – auch digital, mit manchmal stockender Verbindung und ganz ohne Bühne.

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Ein großer Teil der guten Laune wird durch die Geschichte des Stücks übermittelt. Die drei Pinguine, gespielt von Pia Durandi, Hermann Seidel und Angelo Castriotta, langweilen sich. Am Südpol sind sie umgeben von Schnee und Eis. Nichts Spannendes passiert. So bleibt viel Zeit, darüber nachzudenken, warum Pinguine Vögel sind, aber nicht fliegen können und dafür nach Fisch riechen. Doch auch ernste Fragen wie: „Gibt es einen Gott?“, oder: „Was ist Freundschaft?“, finden ihren Platz.

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Wegen einer plötzlich eintretenden Sintflut müssen die Pinguine auf der Arche unterkommen, die allerdings nur Platz für zwei der drei Pinguine bietet. Eine Taube, gespielt von Karin Castriotta, begleitet sie auf ihrem Weg. Ulrich Hubs Stück schafft es, Komödie mit ernsten Fragen des Lebens zu verbinden. Das kommt auch bei den Kindern gut an, sagt Durandi, die das Stück schon in den Theaterkursen an den Musikschulen Liestal und Pratteln aufgeführt hat. Das liegt auch an den Liedern, die im Stück integriert sind und die Durandi als musikalische Leitung für die Aufführungen vertonen darf. Dafür lernt die Pianistin gerade fleißig Akkordeon.

Viel Spaß

„Ich glaube, das Stück macht uns allen Spaß“, sagt Fulde. Der Text mache Freude, man amüsiere sich bei den Proben. Die Schauspieler nicken zustimmend. „Ich hatte erst Bedenken, dass es in die missionarische Richtung geht, weil viel von Gott die Rede ist. Aber wenn man den ganzen Text liest, merkt man, dass das nicht so ist und auch andere Fragen angesprochen werden“, erzählt Seidel. Etwas über eine Stunde wird das gesamte Stück dauern. Kinder von sechs bis zwölf Jahren sollen das Kernpublikum bilden. Doch alle sind sich sicher, dass auch Erwachsene oder kleinere Kinder von der Thematik des Stücks unterhalten werden. Sechs Auftritte im Tutti Kiesi sind geplant. Unterstützt wird die Volkskunstbühne dabei vom Rheinfelder Kulturamt.

Hoffen auf baldige reale Proben

Als Vorbereitung eignen sich die digitalen Proben. Dennoch muss irgendwann auch real geprobt werden. „Es ist, als ob man zwei Teile auseinandernimmt. Der Schauspieler auf der Bühne ist mit dem ganzen Körper und dem Text dabei. Jetzt ist nur der Text da. Das ist zwar irgendwie spannend, aber ich bin auch gespannt, wie das ist, wenn wir in der Aktion sind. Das macht bestimmt einen Unterschied“, sagt Durandi. „Es ist ein Experiment“, stimmt Fulde zu. Er und die Schauspieler hoffen, dass sie sich als kleine Gruppe von insgesamt fünf Personen bald wieder zum richtigen Proben treffen dürfen. Wie der Umstieg auf die Bühne ablaufen wird und wie gut der Text noch sitzt, wenn auf einmal die Bewegung auf der Bühne dazu kommt, wird für die Schauspieler wohl eine Überraschung werden.