Im 1898 erbauten Gasthaus „Zum Wasserturm“ erblickte Franziska geborene Gretsch am 25. Juli 1924 als drittes Kind das Licht der Welt. Bereits um 1905 kam ihre Mutter mit zwei Schwestern aus dem Schwabenland nach Rheinfelden. Die jungen Frauen fanden hier nicht nur feste Arbeitsstellen sondern auch privates Glück. Die eine Schwester heiratete Hermann Sucher und wurde Wirtin im Oberrheinischen Hof, die andere heiratete den Malermeister Sigrist und Franziskas Mutter lernte bei der Brauerei Lasser in Lörrach den aus der Oberpfalz stammenden Bierbrauer Josef Gretsch kennen und heiratete ebenfalls.

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1909 übernahm das junge Paar den Gasthof „Zum Wasserturm“ mit seinem schattigen Biergarten, wo schöne Konzerte stattfanden und führte die beliebte Gaststätte in bester Lage mit Fremdenzimmern und vielen Gästen. Damals gab es in der Industrie noch keine Kantinen, so ließen sich hier auch Fabrikarbeiter, Direktoren oder Geschäftsreisende gerne bewirten. Wer aber am Monatsende mit dem neuen Arbeitslohn zu tief ins Glas schauen wollte, der wurde schon mal von einer nervösen Ehefrau vor der Wirtshaustür abgefangen. Mutter Fanny kochte am Kohleherd nach alten Familienrezepten und war berühmt für ihre Kutteln und saure Leber. Aus dem eigenen Gartengemüse wurde leckeres Tomatenpüree gekocht, sonntags gab es Braten. Vater Josef kümmerte sich fachmännisch um die Spirituosen.

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Franziska verbrachte im Rheinfelder Wirtshaus mit ihren beiden Brüdern eine schöne Kindheit. Im Sommer konnte sie mit den Nachbarskindern am Rhein spielen und im Winter Schlittenfahren am Adelberg. Besonders schöne Erinnerungen hat sie an ihren umtriebigen Onkel Hermann Sucher, der den Oberrheinischen Hof zum kulturellen Zentrum machte. Große Bälle, Kino, Theateraufführungen, bei denen Franziska als kleines Mädchen auch mal mitwirken durfte und kam dort mit ihrer ersten Operette in Berührung. Der feine Gesang klingt ihr bis heute in den Ohren. Hermann Sucher war ein kreativer Mann, der allerdings wegen seiner piepsigen Stimme nicht immer ganz ernst genommen wurde. Später ging sie auf die höhere Handelsschule in Säckingen.

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Dann kam der Zweite Weltkrieg und sie wurde zum Kriegshilfsdienst nach Bayern und später Mannheim verpflichtet. Dort ereignete sich bei Kriegsende die unglaubliche Geschichte von ein jungen Kanadier, der mit seinem Fallschirm mitten in ihrer Stellung landete und den Franziska und ihre Kameradinnen vor dem drohenden Abschuss bewahrten. Mit einer List konnten die jungen Frauen den seidenen Fallschirm des jungen Soldaten verstecken und sich daraus schöne Kleider nähen. Nach Kriegsende kehrte sie wohlbehalten nach Rheinfelden zurück. Im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern, die in Russland ihr Leben ließen.

Unter den ersten Heimkehrern war ihr ehemaliger Schulkamerad Kurt Gottstein, der während des Krieges eine Pilotenausbildung machte. Später baute er sich sogar ein eigenes flugtaugliches Leichtflugzeug. Die Beiden heirateten 1949 und bekamen zwei Söhne. 1954 übernahmen Franziska und Kurt Gottstein das Gasthaus „Zum Wasserturm“ der Eltern und führten die Wirtschaft bis in die 1980er Jahre. Seitdem ist das traditionsreiche Haus verpachtet aber noch immer im Besitz der Familie. Franziska Gottstein lebt heute in Nollingen.