„Gerade jetzt, wo man nicht so richtig verreisen kann, ist es schon eine Wohltat, wenn man seinen Garten hat“, freut sich Ronald Döhnert. Der Vorsitzende des Kleingartenvereins Wühlmäuse-Herten ist froh um sein kleines Stück Gartenglück. Dass manche noch nicht einmal einen Balkon haben, ist für den Gartenfreund kaum vorstellbar.

Die Pandemie mit ihren Restriktionen hat auch bei den Wühlmäusen die Anfragen nach Gartengrundstücken in die Höhe schnellen lassen. Die meisten, die sich um eine Gartengrundstück bewerben haben Pech: Die Warteliste ist voll. Zwölf Namen stehen aktuell darauf. Auch der Eintrag auf der Homepage des Gartenvereins macht wenig Hoffnung.

Das könnte Sie auch interessieren

Es sei mit einer Wartezeit von bis zu fünf Jahren zu rechnen, ist dort nachzulesen. „Es ist schwer vorauszusagen, wann wieder was frei wird“, sagt Döhnert. Wer sich einmal seinen Garten eingerichtet hat, so die Erfahrung des Kleingartenvereinsvorsitzenden, bleibt gerne länger. Die 59 Gartengrundstücke mit Flächen zwischen zwei bis 3,5 Ar – also 200 bis 350 Quadratmetern – bieten auch Platz für ein Hüttchen. Wer glaubt, das Gartenrefugium sei ein Ort, der nur der Erholung dient, irrt.

Garten bedeutet auch viel Arbeit

Denn laut Vereinsstatuten ist immerhin ein Drittel der Gartenfläche für den Anbau von Gemüse und Obst vorgesehen. Zudem kümmern sich die Mitglieder in mindestens dreizehn Pflichtstunden im Jahr um die Pflege des Areals. Und um anfallende Reparaturen. „Wir machen soviel wir können selbst“, betont Döhnert. Dass Garten auch Arbeit bedeutet, scheint die meisten Menschen, die sich einen solchen wünschen, auch nicht zu verschrecken. Im Gegenteil. Buddeln, Trimmen, Pflanzen und Ernten scheinen der eigentliche Reiz einer Parzelle im Grünen zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Davon zumindest zeugen die Gesuchsanzeigen in der Rubrik „Gartengrundstücke“ auf der Internetverkaufsplattform Ebay. Für Rheinfelden und Umgebung gibt es hier einige Treffer. Gesucht werden Garten- und Freizeitgrundstücke, vornehmlich zur Pacht. Aber auch zum Kauf. Die Interessenten wollen, wie sie in der Mehrzahl schreiben, Obst und Gemüse für den eigenen Bedarf anbauen. Auch Flächen für die Kleintierhaltung von Hühnern und Ziegen sind gefragt. Viele suchen aber vor allem einen Ort in der Nähe, der eine „Auszeit vom Alltag“ ermöglicht.

Gesuche übersteigen das Angebot

Doch die Gartenlust droht schnell in Gartenfrust umzuschlagen, denn die Gesuche übersteigen das Angebot. Garten- und Freizeitgrundstücke sind rar. Und sie werden mit zunehmendem Siedlungsdruck weiter an Seltenheit gewinnen. Zuletzt sind 30 Kleingärten im Baugebiet Kappellenbach-Ost in Grenzach-Wyhlen verschwunden. Die Eigentümer sollen zwar Ersatz erhalten, dennoch hat die Schaffung von Wohnraum zunächst Vorrang.

Das könnte Sie auch interessieren

Insgesamt verpachtet die Doppelgemeinde aktuell 57 Gartenflächen an private Nutzer. Dabei handelt es sich aber nicht um offizielle Kleingärten, wie die Verwaltung auf Nachfrage betont. Und auch hier ist die Warteliste lang. 85 Interessenten hoffen derzeit darauf, dass eine der begehrten Flächen frei wird. Doch Pächterwechsel fänden recht selten statt, teilt die zuständige Sachbearbeiterin mit. Dafür ist die Gartenpacht auf kommunalem Grund mit Preisen ab 50 Euro recht erschwinglich. Die Stadt Rheinfelden hingegen hat derzeit überhaupt keine Kleingärten zur Verpachtung im Angebot, wie sie auf Nachfrage mitteilt.

Aber es gibt auch Alternativen. Im Gemeinschaftsgarten „Stadtgärtle“ in Rheinfelden etwa können Interessierte mit anpacken. Der nach Permakulturgrundsätzen gepflegte Garten an der Karl-Metzgergrube ist zwar keine private Gartenidylle, aber schön grün ist es auch da. Zudem gibt es dort die fachkundige Begleitung durch einen Gärtnermeister und eine Gartengemeinschaft, die sich über Unterstützung freut. Wer sich hingegen „nur“ für die Ernte interessiert, kann etwas später im Jahr auch bei der IG Dinkelberg anfragen, die eine Streuobstbörse betreut und Standorte zum Selber-Ernten vermittelt.