Herr Günther, vor sechs Monaten haben Sie das Stadtmarketing übernommen. Ist der Start so verlaufen wie gedacht?

Ja. Ich bin sehr zufrieden. Ich hatte eine tolle Einarbeitung von Gabriele Zissel. Und ich habe viele Leute kennengelernt. So ein gutes Netzwerk ist viel wert – ich fange nicht bei null an.

Bislang waren Stadtmarketing und Tourismus bei Gabriele Zissel angesiedelt. Was bringt die Trennung?

Die Themen sind auf zwei Menschen verteilt, damit können wir noch fokussierter und tiefer in die Themen hineingehen. City-Management ist ja nicht nur Marketing, sondern auch Vernetzung, für Einzelhandels-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe Ansprechpartner und Unterstützer sein, auch besonders jetzt in der Krise.

Bei Ihrer Vorstellung im Herbst haben Sie gesagt, Rheinfelden habe „großes Potenzial“. Was haben Sie schon erreicht in den sechs Monaten?

Wir sind zum Beispiel bei der Einkaufsplattform weitergekommen, inhaltlich und gestalterisch. Auch Händler haben Ideen – da bin ich sehr dankbar, dass man mir Vertrauen schenkt und mit mir spricht. Wir können die tollsten Konzepte entwickeln, aber es geht nur, wenn es für den Einzelhandel und die Gastronomie auch machbar ist und einen Mehrwert bietet.

Und die Plattform hat ein neues Logo.

Genau. Die Plattform ist ein derart langfristiges und wichtiges Projekt, dass wir ein eigenes Logo gemacht haben: Zu sehen sind eine Tasche, für den Einzelhandel, und eine Gabel, für die Gastronomie. Darüber eine blaue Welle, für den Rhein – die lokale Verbundenheit, aber auch die Dynamik und Kraft des Rheins. Eingerahmt wird das Element von zwei Ecken – wie das Schaufenster, in das man digital hineinschauen kann.

Steffen Günther blickt zufrieden auf seinen Start in Rheinfelden.
Steffen Günther blickt zufrieden auf seinen Start in Rheinfelden. | Bild: Dora Schöls

Hat denn die Plattform den gewünschten Effekt?

Ja, sie bringt ihren Nutzen – und trotzdem sind wir natürlich nicht am Ende der Fahnenstange. Die Plattform ist etabliert, rund 220 Händler und Gastronomen sind eingetragen. Auch die steigenden Besucherzahlen freuen uns. Als nächstes werden wir eine Online-Terminreservierung einbauen.

Die Einkaufsplattform ist nur ein Schaufenster, kein Shop. Braucht es einen lokalen Online-Shop?

Ich denke, dass es keinen zentralen, lokalen Online-Shop braucht. Mir ist wichtiger, dass durch die Verzahnung von analogen und digitalen Elementen ein weiterhin attraktives, lokales Kauferlebnis geboten wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Aber jetzt im Lockdown gibt es dieses Kauferlebnis nicht und der Gewinn geht stattdessen an Amazon und Co.

Was ich beobachte, auch bei den Corona-Angeboten: Jeder Händler organisiert sich auf den Kanälen, über die er seine Zielgruppe erreicht. Das ist voraussichtlich erfolgreicher als ein Service für alle. Es gibt auch Unternehmer, die sagen: Für mich macht ein Online-Shop keinen Sinn. Die Einkaufsplattform hat den Vorteil, dass jeder Händler sein Profil individuell gestalten kann. Wir bündeln die verschiedenen Angebote. Damit repräsentieren wir den Standort als Ganzes und gleichzeitig bleibt das Individuelle bestehen – was ja den Einzelhandel in Rheinfelden mit den vielen inhabergeführten Geschäften auch auszeichnet.

Das neue Logo der Einkaufsplattform.
Das neue Logo der Einkaufsplattform. | Bild: Wst

Was halten Sie von digitalen Gutscheinen für lokale Läden wie etwa die Bärenschecks in Grenzach-Wyhlen?

Es gibt hier ja den Löwenstark-Gutschein vom Gewerbeverein. Die Weiterentwicklung liegt in deren Händen.

Im Herbst haben Sie gesagt, Sie wollen die Vernetzung unter den Unternehmern stärken. Wie gehen Sie das an?

Mit gemeinsamen Marketing-Aktionen, Veranstaltungen und Programmpunkten für den Einzelhandel und die Gastronomie. Durch die Planung, Koordinierung und Durchführung wachsen Netzwerke. Wir haben zum Beispiel die Digitale Woche organisiert, da hatten wir vier Vorträge mit je 25 bis 35 Teilnehmern.

Das könnte Sie auch interessieren

Als zweiten Schwerpunkt nannten Sie die Entwicklung der Innenstadt.

Da sich Projekte während der Corona-Pandemie nur sehr eingeschränkt planen lassen, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Auskunft zu konkreten Maßnahmen geben. Aber wir nutzen die Zeit, um Strategien und Konzepte für eine lebendige Innenstadt nach Lockung und Ende der Corona-Maßnahmen zu entwickeln.

Sie wollten auch das Profil der Stadt anhand der Marke „Stadt, Land, Fluss erleben“ schärfen. Was haben Sie da vor?

Unser Ziel ist es, den Standort als Gesamtes digital stärker zu vermarkten. Dabei sollen Themen des Stadtmarketings und des Tourismus‘ gemeinsam beworben werden – denn ein Tourist ist auch ein Kunde und ein Kunde wünscht sich auch Naherholung. Hier sind wir gerade im Aufbau eines Projekts.