Die Christuskirche in Rheinfelden wurde als eine von mehr als zwei Dutzend evangelischen Kirchen in Baden in der Zeit des Nationalsozialismus gebaut. Heute wird das Gebäude vielfältig genutzt, auch von der koreanischen Gemeinde aus Basel.

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  • Geschichte: Die evangelische Gemeinde in der jungen Stadt Rheinfelden wurde 1899 gegründet und 1914 war schon ein Kirchenbau geplant, der aber wegen des Ersten Weltkriegs nicht vollzogen werden konnte. „Nach 20-jähriger Planung, und weil die zunächst evangelisch genutzte Adelberg-Kirche zu klein wurde für die wachsende Stadt mit deren zunehmender evangelischer Bevölkerung, wurde die Christuskirche von 1935 bis 1937 erbaut“, erklärt Pfarrer Joachim Kruse.
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Der erste Spatenstich erfolgte am 8. Juli 1935 und am 22. September 1935 wurde der Grundstein gelegt. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die für mehr als 300.000 Reichsmark errichtete Kirche am 10. Oktober 1937 eingeweiht. Der Bau wurde vom nationalsozialistischen Regime mit 30.000 Reichsmark unterstützt.

  • Architekten: Beim Architektenwettbewerb Anfang der 1930er wurde der Entwurf der Architekten Preschany aus Efringen-Kirchen und Adler aus Weil am Rhein für die Bauausführung ausgewählt.
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„Man entschied sich für den eher konservativen Entwurf. Dieser wurde 1935 bis 37 so umgesetzt und hat teilweise deutliche Spuren der damals auch von NS-Architekten gestalteten und gebauten herrschaftlichen, neuklassizistischen Bauten“, sagt Kruse, der vermutet, dass die Bewilligung zum Bau der Kirche erleichtert wurde, weil das Reichspropagandaministerium dies für die Machthaber ausnutzen konnte. „Vielleicht war dies ein vom Ältestenkreis und der Kirchenleitung akzeptierter Kompromiss, um endlich ein der wachsenden Gemeinde entsprechendes Gotteshaus zu bauen“, sagt Kruse.

  • Name der Kirche: Seine Anhänger gaben Jesus von Nazareth schon zu seinen Lebzeiten den Namen Christos. Christos bedeutet im Griechischen Erlöser oder Retter. „Nach Ostern, seiner geglaubten Auferstehung vom Tod, wurde dies der Name seiner Jüngerschaft. Sie nannten sich Christen“, erklärt Kruse. Ab dem 4. Jahrhundert nahmen Menschen persönlichen Bezug zu Jesus und es entstanden Namen wie Christian, Christiane oder Christopher.
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Zugleich wurde auch begonnen, Gemeinden nach Jesus zu benennen. „Christuskirche bezieht sich also auf den Religionsgründer des Christentums“, sagt Kruse. „Neben der NS-Baugeschichte sind die überall im Kirchenraum gestalteten Bezüge zum Leben und Wirken Jesu charakteristisch – an den Buntglasfenstern, den Mosaiken hinter dem Altar und an der Kanzel, den Inschriften auf den Dachbalken sowie links vom Eingang die Christusfigur selbst.“

  • Besonderheiten: Die Christuskirche ist eine Hallenkirche mit nur angedeutetem Chorraum, daher rührt ihre ausgezeichnete Akustik. Aus Dokumenten zu drei Ausstellungen über Rheinfelder Kirchen, die im Stadtarchiv aufbewahrt werden, geht hervor, dass die Balkeninschriften, Mosaiken und Glasfenster von Rudolf Yelin aus Stuttgart angefertigt wurden, der als Mitglied der Bekennenden Kirche nichts von dem NS-Zuschuss wusste. Der Stil der Bilder greift den Nazarenerstil des 19. Jahrhunderts auf.
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Manche der Motive werden auch als kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus mit seinem Führerkult erachtet, etwa wenn die Bildunterschrift lautet: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes.“ Die Christusstatue von Otto Schneider aus Karlsruhe hat einen männlich herben und harten Charakter und es gab Bestrebungen, sie an einem anderen Ort zu platzieren. Die ursprüngliche Orgel wurde 1980 durch eine Richard-Rensch-Orgel ersetzt.

  • Nutzung: Im Kirchenschiff können sich 460 Personen auf den Sitzbänken niederlassen. Insgesamt bietet die Christuskirche Platz für 700 Personen. Die Kirche hat auch mehrere Gruppenräume, eine Küche und Toiletten, womit sie auch die Funktion eines Treffpunkts für das gemeindliche Leben übernimmt.

Die Christuskirche wird für religiöse Feiern und Gottesdienste, für Konzerte und Marktmusiken, für Versammlungen und Diskussionen, für Chorproben und Gemeindegruppen genutzt, zählt Kruse auf. Täglich trifft sich das Café mittenr(h)ein des Diakonischen Werkes für psychisch belastete Menschen, wöchentlich eine Yoga-Gruppe und monatlich der Freundeskreis Asyl. Sonntäglich feiert auch die koreanische Gemeinde aus Basel in der Christuskirche.