Vermutlich wäre die Namensgebung heute nicht mehr politisch korrekt. In den 70 er Jahren machte man sich in Warmbach darüber noch keine Gedanken: Die Siedlung nördlich des Bahngleises wird noch immer von Alteingesessenen „Klein-Mexiko“ genannt, wegen der vielen ausländischen Arbeiter der großen Rheinfelder Betriebe, die hier ihr Zuhause fanden. Damit, erzählt das langjährige Mitglied Hanspeter Häusel (66), sei der Name auf der Hand gelegen, den Franz Stoll, Benno Häusel, Manfred Gräve, Gerhard Henn und Christian Proprender bei ihrer Gründung 1971 im damaligen „Hirschen“, heute „Rosengarten“, gewählt hätten: die Mexikaner Warmbach.

Kostüme aus dem Großhandel

Die Kostüme kaufte die junge Clique im Großhandel, wie sich Häusel erinnert. Jeder der anfangs 15 Mexikaner musste seines selbst bezahlen; Larven oder Schminke waren allerdings nie ein Thema. Der Narrenruf der Mexikaner war einfach nachzuvollziehen „Wer isch do? – Mexiko!“. Mitglieder waren vor allem ganze Familien aus „Klein-Mexiko“, so auch Häusels Stiefbruder Albert Carmelini, in dessen Schrebergarten der 1974 entstandene Fanfarenzug der Mexikaner probte.

Einen Original-Sombrero der Mexikaner aus Warmbach zeigt Hanspeter Häusel.
Einen Original-Sombrero der Mexikaner aus Warmbach zeigt Hanspeter Häusel. | Bild: Boris Burckhardt

Häusel spielte Fanfare und leitete die zunächst nur fünfköpfige Musiktruppe als Tambourmajor. Zum Einmarsch spielte die Gruppe gerne „Fiesta Mexicana“ von Rex Gildo. „Später wurden es mehr Musiker; und wir brachten auch den Frauen das Trommeln bei“, erinnert sich Häusel. Sein Neffe Dieter brachte Erfahrung aus seiner Band mit. Die Musik der Mexikaner blieb ein Fanfarenzug, wie es laut Häusel lange Zeit auch die zweite Fasnachtsmusik in Warmbach, die der Schmugglergilde, war.

Um 1981 hatten die Mexikaner mit rund 30 Mitgliedern ihre maximale Größe erreicht. Damals gab es auch ein neues Kostüm. Die Clique war an Fasnachtsumzügen bis in die Ortenau unterwegs, wenn die Narrenzunft Rheinfelden dorthin eingeladen war. Wegen der Kinder blieben die Mexikaner aber normalerweise in der Nähe, in Warmbach und Rheinfelden, im Schweizer Rheinfelden und in Möhlin. Die Mexikaner-Musik war allerdings auch außerhalb der Fasnacht gefragt, so etwa im Elsass oder im Schweizer Rheinfelden.

Nur zwei Bälle

Während der Fasnacht veranstalteten die Mexikaner nur zweimal einen Ball: Der Dienstag, der ihnen zugeteilt war, stellte sich laut Häusel nach den feierwütigen Tagen zuvor als nicht mehr stark nachgefragt heraus. Im Sommer war dafür das Sommernachtsfest eine über das Dorf hinaus verankerte Größe. 500 bis 600 Besucher empfingen die Mexikaner jährlich von Freitag bis Sonntag in einem großen Zelt auf den Äckern nördlich Warmbachs. Häusel erinnert sich an den Frühschoppen am Sonntag – sogar mit Gottesdienst, wie er betont: „Damals gab es in Warmbach noch einen Pfarrer.“ Die Kinderfasnacht auf dem Spielplatz in der Hertener Straße mit Umzug organisierten die Mexikaner jedoch über die ganze Zeit ihrer Existenz, oft mit anderen Gruppen wie der Minsler Mohren-Clique oder der Rheinfelder Draischiibe zusammen.

Idee mit Pferdewagen

Die Mexikaner blieben eine Fußgruppe. Häusel erinnert sich, dass die Clique einmal den Umzug mit einem Pferdewagen organisiert hatte: „Die Pferde fielen aber kurzfristig aus, sodass doch zwei von uns den Wagen ziehen mussten.“ Die Mexikaner erklärten den Zuschauern die merkwürdige Situation mit dem Schild „Pferd krank“.

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1980 hatte Hanspeter Häusel das Amt des Vereinsvorsitzenden mehr oder weniger freiwillig übernommen: „Ich war damals Kassierer; und der restliche Vorstand legte mir eines Tages einfach alle Akten vor die Haustüre.“ Sechs Jahre später sei ihm der Zeitaufwand aber definitiv zu groß geworden und er habe den Vorsitz seinem Bruder Werner Häusel übergeben. Bereits 1988 lösten sich die Mexikaner dann mangels Interesse auf. Wenn Hanspeter Häusel heute auf die Fasnacht geht, trägt er verschiedene Kostüme. Das Mexikaner-Häs hat er nicht mehr. Zu seinem 60. Geburtstag bekam er allerdings einen der damaligen Sombreros geschenkt.