Die St.-Peter-und-Paul-Kirche in Minseln wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Der Innenraum wurde im 18. Jahrhundert im Rokoko-Stil gestaltet.

Baugeschichte

Das Dorf Minseln wird erstmals 754 in einer Urkunde des Klosters St.-Gallen erwähnt, im Rahmen von Schenkungen des Ritters Cauzbert an das Kloster. „Im Jahr 1275 hat schon eine Pfarrei bestanden“, sagt Messnerin Ilse Moser. „Das ist sicher belegt, aber ob da schon eine erste Kirche stand, weiß man nicht. Aber vor der jetzigen Kirche hat es schon mal eine Kirche gegeben.“ Die Vorgängerkirche erlitt im Schwedenkrieg 1632/33 Schäden und wurde in der Folge baufällig.

1685 wurde der Neubau beantragt und 1686 genehmigt. „Die neue Kirche wurde um die alte drumherum gebaut, erst danach die alte Kirche abgerissen und das Material rausgetragen“, erklärt Moser. Das diente dazu, dass für die Gläubigen keine Gottesdienste ausfallen mussten. Die Bevölkerung hat beim Bau helfen müssen und für den Kirchenbau Frondienste leisten müssen. Die Weihe der Kirche erfolgte 1691 durch den Weihbischof Johannes von Konstanz. Im gleichen Jahr wurde auch der Friedhof um die Kirche eingeweiht.

Architekt

Der Baumeister der Kirche war Anton Troger aus Rheinfelden, der als Entschädigung 1000 Pfund, 40 Florin, 50 Viernzel Korn und 11 Saum Wein erhielt. Die heutige Innenausstattung und die Innengestaltung wurden im Jahr 1762 beauftragt. Die Bemalung übernahm der Freskenmaler Gotthard Hilzinger aus Waldshut, der große Deckenfresken ausführte. „Die Stuckatur stammt von Johann Michael Hennevogel“, erklärt Hermann Voegele vom Pfarrgemeinderat. Der aus Bad Säckingen stammende Hennevogel gestaltete auch die Kanzel aus Stuckmarmor, die 1763 eingerichtet wurde. Moser weist auf die ähnliche Gestaltung des Säckinger Fridolinmünsters hin, wo Hennevogel zuvor tätig gewesen war. Der imposante Spät-Rokoko-Hochaltar stammt aus dem Jahr 1770 und wurde von Johann Michael Hartmann und F. J. Bekert angefertigt.

Name

Die Kirche steht unter dem Patronat der Apostelfürsten Peter und Paul, die zu den zwölf Jüngern Jesu gehörten. „Sie sind auch die Patrone von Minseln“, sagt Voegele und Moser verweist auf das Minselner Wappen mit Schlüssel und Schwert. Der Schlüssel steht symbolisch für Petrus und das Schwert für Paul. Laut der Bibel soll Jesus dem Apostel Petrus die Schlüssel des Himmelreichs übergeben und ihm damit die sakramentale Macht des Bindens und Lösens verliehen haben.

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Petrus ist auch als der erste Papst bekannt und soll in Rom den Märtyrertod gestorben sein. „Petrus wurde auf den Kopf gestellt gekreuzigt. Das ist auch auf Bildern in der Kirche abgebildet“, sagt Moser. Laut der Legende starb auch Paulus einen Märtyrertod und wurde auf Befehl des römischen Kaisers Nero mit dem Schwert geköpft. In der St.-Peter-und-Paul-Kirche sind die Symbole aller zwölf Apostel auf Apostelkreuzen dargestellt.

Besonderheiten

1686 war ein 28 Meter hoher Turm errichtet worden. 1826/27 wurde das Satteldach vom Turm abgenommen und unter Beifügung des obersten Turmgeschosses durch den heutigen Pyramidenhelm ersetzt. „Heute ist der Turm 33,8 Meter hoch und damit genauso hoch wie die Kirche lang ist“, sagt Moser. Voegele meint, dass es sich dabei aber wohl eher um einen Zufall als eine gewollte Planung handele. Die Uhr am Kirchturm wurde 1733 eingerichtet. Die innere Ausschmückung der Kirche ist so vielfältig, dass sich gar nicht alles aufzählen lässt.

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Die Stuckatur wurde mehrmals renoviert, zuletzt von 1972 bis 1977, wobei darauf geachtet wurde, die plastische Form und Farbigkeit von 1762 wiederherzustellen. Viele Schnitzfiguren aus verschiedenen Zeiten stehen in der Kirche. Der Taufstein gehört noch zur ersten Ausstattung der Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Die erste, aus einer aufgehobenen Dominikanerkirche in Konstanz stammende Orgel von 1809 wurde 1893 durch eine Orgel der Werkstatt Merklin aus Freiburg ersetzt.

Nutzung

Normalerweise finden in der St.-Peter-und-Paul-Kirche Hochzeiten und Taufen sowie alle religiösen Feste statt. 180 Gläubige haben Platz in der Minselner Pfarrkirche. Auch die Akustik der Kirche gilt als ausgezeichnet, sagt Voegele, und der Musikverein Minseln, der Gesangverein Minseln und der Kirchenchor haben schon Konzerte in der Kirche gegeben. Aufgrund von Rissen im Mauerwerk steht im Inneren momentan ein Gerüst und die Kirche ist bis zu ihrer neuerlichen Renovierung derzeit nicht richtig nutzbar, erklärt Moser.