Am Freitag sind die Abiturprüfungen im Land mit dem Fach Latein offiziell zu Ende gegangen. Für die Schüler der Gymnasien in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen war bereits am Donnerstag Schluss. Die Redaktion hat sich bei den Schuleitern und den Abiturienten umgehört, wie sie die besondere Situation erlebt haben.

Lise-Meitner-Gymnasium

Am Lise-Meitner-Gymnasium (LMG) in Grenzach-Wyhlen gab es in diesem Schuljahr 42 Abiturienten. Die meisten haben die verschobenen Haupttermine ab dem 18. Mai in Anspruch genommen. Die letzten schrieben am Donnerstag ihre Prüfungen in Kernfächern wie Biologie, Chemie oder Geschichte. Nur einige wenige haben laut Schulleiter Frank Schührer von der Ausnahmeregel Gebrauch gemacht, ohne Angaben von Gründen den Nachtermin nach den Pfingstferien in Anspruch nehmen zu können. „Es war schon anders dieses Jahr, die Prüfungen fanden im Musikpavillon statt, in dem alle Abstand voneinander halten konnten“, erzählt Schührer. „Meines Erachtens hat alles gut geklappt.“

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Die Schüler selbst bewerten das „besondere Abitur“ ganz unterschiedlich. Für Alessia Cortazzo (17) hat sich die Verschiebung des Abiturs gelohnt. „Die zusätzliche Zeit war von Vorteil, denn man konnte sich intensiv auf die Prüfungen vorbereiten – Ich habe drei Monate lang gelernt.“ Abgesehen von den Hygienevorschriften habe sich das Abitur „ganz normal“ angefühlt. Antonio Di Pasquale (18) findet, dass die Hygiene-Maßnahmen in manchen Bereichen an ihre Grenzen stießen. „Wir haben die Prüfungen im Musikpavillon geschrieben, allerdings ist der Eingang recht schmal; der Abstand konnte nicht immer eingehalten werden, da nicht alle die gleiche Einstellung zum Virus haben. Im Gebäude selbst hatte jeder einen Doppeltisch, die im Abstand von 1,5 Metern aufgestellt wurden.“

Abiturientin Alessia Cortazzo
Abiturientin Alessia Cortazzo | Bild: privat

„Wir hatten in den ersten Wochen wenige Videokonferenzen und in meinen Fächern gab es kaum Hausaufgaben, die Pflicht waren, was einen eventuell motiviert hätte, sie zu machen“, erzählt der 18-jährige Max Oppermann. „Außerdem gehöre ich zu den Menschen, denen das Lernen Zuhause oftmals schwerfällt.“ So ging es auch Georg Schmidt, ebenfalls 18. „An sich fand ich die verlängerte Vorbereitungszeit gut, man ist zu Hause jedoch unproduktiver als in der Schule.“ Er findet es außerdem schade, dass es keine Möglichkeit gibt, einen richtigen Abiball zu veranstalten, worauf er sich „jahrelang“ gefreut habe. Laut Frank Schührer werde nach den Pfingstferien besprochen, wie ein Abschied für die Abiturienten aussehen könnte.

Georg-Büchner-Gymnasium

Am Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) in Rheinfelden haben 47 Schüler ihre Abiturprüfungen bereits hinter sich gebracht, eine Schülerin wird laut Rektor Volker Habermaier den Nachtermin nutzen. Auch am GBG ist in diesem Jahr vieles anders gelaufen als sonst. „Normalerweise gönnen wir uns den Luxus, dass die Abiturprüfungen in Klassenzimmern geschrieben werden“, sagt Habermaier. „In diesem Jahr wurden die Prüfungen in die Mensa verlegt. Dort sei genügend Platz und man habe eine Aufsichtsperson weniger gebraucht. Habermaier ist mit dem Ablauf der Prüfungen zufrieden.

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Wie sich die Abiturienten selbst in der besonderen Situation gefühlt haben, hat er in vielen Gesprächen versucht herauszufinden. „Auf der einen Seite haben die Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr gute Voraussetzungen“, sagt Habermaier. Dank Homeschooling sei kaum Unterricht ausgefallen, aber wegen der verschobenen Abitermine hätten sie mehr Zeit zum Lernen gehabt. Zudem wurde das Korrekturverfahren der Prüfungen geändert, diese werden nun ausschließlich, natürlich anonym, von Lehrern der eigenen Schule korrigiert. Die Fremdkorrektur fällt weg. Darüber hinaus habe Kultusministerin Susanne Eisenmann beteuert, dass die Abiturprüfungen im Vorfeld „entschärft“ worden seien. Das ist die eine Seite.

Ergebnisse eher besser als schlechter

„Natürlich gab es bei den Schülerinnen und Schülern viele Unsicherheiten, die Lähmung des Shutdowns, Unsicherheiten in den Familien, vielleicht kleine Geschwister, die betreut werden mussten oder Eltern, die nicht weiterwussten.“ Nach dem Ende der Prüfungen habe Habermaier die Schüler aber erlebt, wie er sie kennt. „Viele fanden es zu schwierig, aber ich denke, dass die Ergebnisse in diesem Jahr eher besser werden als schlechter.“ Dass es keinen klassischen Abiball geben kann, ist auch hier klar, doch Habermaier verspricht, dass es „nicht nichts“ geben wird.

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„Ich denke, dieser Jahrgang kommt besser durch, um die nachfolgenden mache ich mir eher Sorgen“, sagt er. Wegen Corona habe sich viel verändert, gerade für die zehnten bis zwölften Klassen sei das relevant. Es werde eine große Herausforderung, die Bildungspläne so zu überarbeiten, dass der Abistoff vermittelt werden kann, so Habermaier. „Das wird uns die nächsten Jahre beschäftigen.“ Auch die, die in der Phase des Homeschoolings abgehängt wurden, müssten wieder aufgefangen werden. Den Begriff der „verlorenen Generation“ hält der Schulleiter zwar für übertrieben, er ist sich aber sicher, dass viele mehr „Fürsorge“ brauchen werden als bisher.

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