In der Römerstraße ist das Gebäude des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Ortsverein Rheinfelden, mit der Fahrzeughalle und den Bereitschaftsräumen angesiedelt. Der Ortsverein hat 1600 Mitglieder, gehört zum DRK Kreisverband Säckingen, aber zur Leitstelle Lörrach. Diese Situation zwischen den Fronten ist nicht einfach, doch für das Gesundheitsfachpersonal gibt es drängendere Probleme.

Rettungsdienstleiter Alex Gutmann hatte sich an den CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster gewandt, um die unbefriedigende rechtliche Situation der Notfallsanitäter zu schildern. Armin Schuster reagierte schnell und kam nach Rheinfelden.

Seit 2014 gibt es in Deutschland den Beruf des Notfallsanitäters, eine Bezeichnung für gut ausgebildetes Fachpersonal zur Erstversorgung von Patienten. Matthias Nobs, Leiter des Rettungsdienstes, schilderte das Dilemma. Notfallsanitäter am Einsatzort wissen, was zu machen ist. Doch sie müssen warten, bis der Notarzt da ist. „Müssen sie dann sagen – sorry, aber wir dürfen nicht?“, fragt Nobs. Das kann unterlassene Hilfeleistung sein, zum Beispiel, wenn ein Patient unterzuckert ist und sofortige Hilfe braucht.

Die Notfallsanitäter haben eine mehrjährige Lehre und viel Berufserfahrung, sie wüssten genau, welche Maßnahmen für schnelle Hilfe notwendig sind. Bei schweren Schmerzen, zum Beispiel nach einem Sturz, können starke Schmerzmittel erforderlich sein. Solche fallen in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz (BTM) und sind für Nichtärzte nicht erlaubt. Sie sind aber in allen Rettungswagen vorhanden.

In anderen Ländern gibt es einen Telenotarzt, wenn dieser die Zustimmung erteilt, ist für das Handeln der Notfallsanitäter ebenfalls im grünen Bereich. „In unserer Region ist es unrealistisch, dass erforderliche Daten elektronisch irgendwohin transportiert werden“, sagte Alex Gutmann. Engagierten Notfallsanitätern bleibt nur der „rechtfertigende Notstand“, um zügig helfen zu können.

Notfallsanitäter Julian Bellmann informierte Armin Schuster, dass der Notarzt eben nur für ganz kritische Fälle eingesetzt werden müsste, denn die Notfallsanitäter bringen die Patienten sofort ins Krankenhaus. Babette Jansen (Ärztliche Leitung des Rettungsdienstes des Ortsvereines) forderte, auch das Betäubungsmittelgesetz an solche Situationen anzupassen.

Die Forderung des Ortsvereins an Armin Schuster lautete, den Notfallsanitätern die komplette Anwendung der erlaubten Notfallversorgungsmaßnahmen zu ermöglichen. Dazu braucht es eine Gesetzesänderung, die von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden müsste. Der Deutsche Berufsverband Rettungsdienst und viele Rettungsdienste, darunter Rheinfelden, drängen auf Rechtssicherheit für die Einsatzkräfte und möchten die absurde Situation gesetzlich regeln lassen. In Rheinfelden kommt erschwerend hinzu, dass der Ortsverein die gut ausgebildeten Leute verliert, weil sie in der Schweiz arbeiten. Dort erhalten sie mehr Lohn und rechtlichen Schutz. Die Vorsitzende des Ortsvereines, Irene Knauber, und Geschäftsführer Manfred Gollin führten den Politiker durch das Gebäude. Knauber betonte, dass durch den Ortsverein im Rücken die Arbeit der Rettungswache ermöglicht werde. „Der Verein hilft über die roten Zahlen hinweg. Dieses Jahr haben wir durch die Covid-19-Pandemie erheblich mehr Kosten, ohne den starken Verein würde alles schwierig.“