Mit zwei Unterschriften haben die Stadt Rheinfelden und Evonik fünf Jahre nach den ersten Gesprächen die künftige Abwärmenutzung des Spezialchemieunternehmens unter Dach und Fach gebracht. Von Mitte 2021 an können 1300 Wohnungen mit industrieller Abwärme geheizt werden. „Das ist eine Unterschrift, die ich gerne setze“, sagte Oberbürgermeister Klaus Eberhardt beim Pressegespräch. Er sei überrascht gewesen, wie schnell und zielstrebig Standortleiter Olaf Breuer nach seinem Antritt in Rheinfelden das Projekt vorangetrieben habe.

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Dieser Meinung schloss sich auch Daniel Weiß an, Betriebsleiter des städtischen Wärmenetzes. „Wenn wir vor vier, fünf Jahren öffentlich gesagt hätten, wir verlegen Wärmeleitungen quer durch die Innenstadt, man hätte uns für verrückt gehalten“, so der Projektverantwortliche auf städtischer Seite.

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„Geistiger Vater“ seitens Evonik ist Energiebetriebsleiter Stefan Rumpel. Die Idee, industrielle Abwärme zu nutzen, sei nicht neu. Es habe sogar schon einmal Überlegungen gegeben, selbst als Fernwärmelieferant aufzutreten. Dies wäre wirtschaftlich aber nicht vertretbar gewesen. „Jetzt liefern wir nicht, sondern lassen abholen.“

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Um die Abwärme vom Abhitzekessel auf dem Werksgelände nutzen zu können, muss dort ein sogenannter Wärmetauscher gebaut werden. Fürs Bereitstellen der Wärme erhält Evonik laut Standortleiter Breuer einen Aufwandspreis, die eigentliche Abwärme aber stellt das Unternehmen kostenlos zur Verfügung. „Dieses Projekt passt in unsere Nachhaltigkeitsstrategie“, so Breuer. Aktuell wird das städtische Wärmenetz auf einer Länge von rund vier Kilometern aus sechs Abnahmepunkten mit Nahwärme versorgt. Die Evonik wird als siebter Punkt angeschlossen. „70 bis 90 Prozent kommen dann von Evonik“, erläutert Weiß. Stand heute werden bis zu 700 Wohneinheiten übers städtische Netz versorgt, bis in 15 Jahren, so Weiß, könnten es 4000 werden.

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2021 soll das Wärmenetz über die Schillerstraße bis zum Seidenweberareal am Bahnhof ausgebaut werden. Im Norden verläuft das Netz über die Müßmattstraße bis zur Römerstraße und versorgt künftig das zentrale Feuerwehrhaus. Bereits in Vorbereitung ist der Anschluss des Baugebiets „Grendelmatt III“. „Hier wird es für künftige Bauherren einen Anschlusszwang geben“, so Eberhardt.

Für die anderen Eigentümer müssen wirtschaftliche Argumente überzeugen. „So günstig wie jetzt kommt man nicht mehr an den Hausanschluss“, so Weiß, der diesen mit rund 3000 Euro beziffert. Ein weiterer Vorteil sei, dass mit dem Anschluss alle gesetzlichen Auflagen bei der Modernisierung von Heizanlagen in einem Aufwasch erledigt seien. Der Preis für die Wärme belaufe sich auf etwa 6,5 Cent pro Kilowattstunde Wärme, hinzu komme ein Grundpreis von 15 bis 20 Prozent.

Mittelfristig wollen die Stadtwerke Rheinfelden in den kommenden fünf Jahren ihren Wärmeabsatz im Gesamtnetz auf 15.000 Megawattstunden (MWh) steigern (Stand heute: 5020 MWh). Das bedeutet laut Stadt eine Reduktion der CO2 Emissionen um 4000 Tonnen – oder, umgerechnet auf Öl, eine Einsparung von einer Million Liter Heizöl. Für Betriebsleiter Weiß ist dieser Schritt längst überfällig. „Wenn wir über Klimaschutz reden, müssen wir über Wärme reden.“