Die St. Josefskirche in der Rheinfelder Innenstadt ist die größte katholische Kirche in Rheinfelden. Das Gotteshaus kann nur schwer einem Baustil zugeordnet werden, da Elemente des Neo-Barocks, Neo-Klassizismus und Empire-Stils vertreten sind.

  • Geschichte: In der Nähe des heutigen Gemeindezentrums St. Josef stand seit 1899 eine Notkirche bis zum Bau der katholischen St. Josefskirche. „Rheinfelden hat sich damals in einer gewaltigen Entwicklungsphase befunden“, sagt Paul Schmidle, der früher dem Pfarrgemeinderat angehörte. „Der Fachwerkbau erwies sich schnell als zu klein, so dass die Absicht entstand, eine große, geräumige Kirche zu erstellen.“
Das könnte Sie auch interessieren

Die St. Josefskirche wurde 1913 bis 1915 einschließlich Grundstück und Pfarrhaus für 335. 000 Mark gebaut und in Rheinfelden 1916 eine eigene Kirchengemeinde etabliert. Das neue Gotteshaus bot 600 Sitzplätze und 500 Stehplätze. Baulich gab es seither keine Veränderungen mehr an der Kirche, sagt Schmidle. Durch die Soleförderung in unmittelbarer Nähe der Kirche ab den 1940er Jahren kam es zu Senkungsschäden am Bauwerk und auch Teile des Stucks an der Decke lösten sich und fielen ins Kirchenschiff, daher kam es ab 1983 zu umfangreichen Renovierungsarbeiten.

Alltagsmotive auf dem Zelebrationsaltar.
Alltagsmotive auf dem Zelebrationsaltar. | Bild: Horatio Gollin
  • Architekten: Die Planung für die St. Josefskirche stammt vom Erzbischöflichen Oberbauinspektor Raimund Jeblinger, der verschiedene Vorplanungen vorlegte. Etwa auch eine Realisierung mit zwei weiteren Türmen über dem Haupteingang, die allerdings nicht realisiert wurden. „Der Baustil, das ist eine große Frage“, meint Schmidle. „Pauschal kann man es unter den Begriff Historistisch stecken. Es sind Anlehnungen an frühere Baustile.“
Das könnte Sie auch interessieren

Der Chor entspricht dem Neu-Barock, das Schiff eher dem Neo-Klassizismus, viele Dekorationen wiederum dem Empire-Stil. „Die Bezeichnung Jugendstil lehne ich aber ab“, sagt Schmidle. „Es ist zwar die Zeit des Jugendstils, aber Jugendstil-Kirchen unterscheiden sich total.“ Der Jugendstil findet sich nur in ein paar Dekorationselementen wieder. Als dominierende Grundform taucht in der Kirche immer wieder die aus dem Klassizismus stammende Ellipse auf.

  • Name der Kirche: „Schon die Notkirche war dem Heiligen Josef geweiht“, sagt Schmidle. „Die Gremien hatten sich damals auf seine Rolle als Zimmermann besonnen.“ Der Heilige Josef der Arbeiter wurde gewählt, um an die Einwohnerschaft der damals rasant wachsenden Gemeinde anzuknüpfen, die hauptsächlich der Industriearbeiterschaft angehörte. Bezüge auf den Namensgeber sind in der Kirche aber nur spärlich vertreten. Neben einer Darstellung am Hauptaltar gibt es nur noch eine Josefstatue mit Kind im Arm beim Kircheneingang, die auf den Namenspatron hinweist.
  • Besonderheiten: Der Hochaltar und die Seitenaltäre sind noch die Originalausstattung. Die Altaranlage wurde im Atelier der Gebrüder Metzger aus Überlingen geschaffen und die Altarbilder von dem Münchner Historienmaler Waldemar Kolmsperger gemalt, erklärt Schmidle. Das Bild über dem Hauptaltar zeigt die Darbringung Jesus im Tempel, wobei der Kirchenpatron Josef deutlich hervorgehoben wird.
Das könnte Sie auch interessieren

Der Hauptaltar wird von weißen Holzstatuen flankiert, die die Heiligen Simeon und Hanna darstellen. Der Zelebrationsaltar und der Ambo stammen aus der Hand des Künstlers Leonhard Eder und wurden in der Zeit von 1985 bis 1988 angeschafft. Der Zelebrationsaltar besteht aus Aluminium, als Motive sind Szenen des täglichen Lebens und Arbeitssituationen eingearbeitet. Auffällig sind auch die vom Offenburger Bildhauer Emil Sutor geschaffenen Stuck-Hochreliefs im Kirchenschiff, die Jesus als Gekreuzigten und als Auferstandenen zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Nutzung: „Die Josefskirche ist ein Ort des Gebets und der Gottesdienste“, sagt Pastoralreferent Matthias Wößner. Tagsüber steht das Rheinfelder Gotteshaus Gläubigen immer offen. Vor der Pandemie besuchten regelmäßig 200 Gläubige die Gottesdienste, an Feiertagen wie Weihnachten kamen auch mehrere Hundert. Derzeit hat es sich bei 150 Gottesdienstbesuchern eingependelt. „Die St. Josefskirche ist die größte katholische Kirche in Rheinfelden. Das ist für uns gerade in Corona-Zeiten wichtig“, sagt Wößner. Er hält fest: „Die St. Josefskirche ist ein Ort der Gemeinschaft, nicht nur der religiösen.“ So werden auch Konzerte in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt wie das jährliche Silvesterkonzert veranstaltet.