Schon seit fast zwei Monaten müssen Fitnessstudios wegen der Auflagen zum Schutz gegen das Coronavirus geschlossen bleiben. Für viele Kunden, die gerade mehr Zeit zum Trainieren hätten denn je, ist das überaus ärgerlich. Für die Betreiber der Studios ist es mitunter existenzbedrohend. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Studios im Land vermutlich nach Pfingsten wieder öffnen können. Wann genau und unter welchen Bedingungen, ist aber weiter offen. Viele Betreiber fühlen sich im Stich gelassen.

  • Maxx und Fixx: „Wir Fitnessstudios kommen in der Diskussion um Lockerungen und auch in der Berichterstattung so gut wie nicht vor“, ärgert sich Norbert Merz, der das Maxx Gesundheitszentrum in der Römerstraße in Rheinfelden betreibt, zu dem auch das Fixx in der Ochsenmattstraße gehört. Die regionale Kette hat weitere Studios etwa in Grenzach-Wyhlen, Steinen und Freiburg. Zwar weiß er jetzt, dass er sein Studio nach Pfingsten wohl wieder wird öffnen können – mehr aber auch nicht. „In der Schweiz und in Nordrhein-Westfalen durften die Fitnessstudios unter Auflagen schon am 11. Mai öffnen. Für uns ist nicht verständlich, warum wir erst viel später dürfen“, so Merz. Tatsächlich waren am Montag die ersten Studios in Deutschland wieder offen.
Das könnte Sie auch interessieren

Schon seit 17. März ist Merz‚ Studio geschlossen. „Anfangs konnten wir das noch mit Urlauben und Überstunden abfangen.“ Seit April sind die 21 Mitarbeiter von Maxx und Fixx in Kurzarbeit. Zum Glück hätten wenige der insgesamt etwa 2300 Kunden die monatlichen Mitgliedsbeiträge zurückgebucht. „Etwa 90 Prozent sind sehr solidarisch“, berichtet Merz. Sie dürften die „verlorenen Monate“ am Ende ihrer Vertragslaufzeit anhängen oder ihr Guthabenkonto füllen. Falls viele Mitglieder auf diese Kompensation verzichten, möchte Merz den Betrag, der so anfällt, an eine soziale Einrichtung spenden.

Kontakt über Youtube

Über die Videoplattform Youtube im Internet hält das Team des Fitness-Studios seine Mitglieder über Neuheiten auf dem Laufenden und bietet Live-Sportkurse an. Aber auf Dauer kann es so nicht weitergehen, „schließlich laufen die normalen Kündigungen weiter, gleichzeitig bekommen wir aber keine neuen Mitglieder“, erklärt Merz. Er denkt auch an seine Kunden. Viele, gerade Ältere, bräuchten den Sport an Geräten, etwa für Rücken oder Knie, und hätten zunehmend Probleme. Für viele gehe es um ihre Gesundheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Damit alles schnell geht, wenn es soweit ist, haben Merz und sein Team bereits Trennwände zwischen den Laufbändern platziert, Sportgeräte auseinandergeschoben und einen Spuckschutz am Empfang angebracht. „Wir haben alles vorbereitet, aber wir haben nach wie vor keine Informationen, wie es weitergeht.“

  • Fitness-Treff: Darüber ärgert sich auch Mahmoud Andoulsi, Inhaber des Fitness-Treffs in Herten. „Ich bitte die Politik ganz dringend, Lösungen zu finden“, sagt er. Mit Trainern, Reinigungspersonal und Mini-Jobbern hat er etwa 20 Mitarbeiter. „Für alle habe ich von Anfang an Kurzarbeit beantragt.“ Auch er hat seine Mitglieder gebeten, die Beiträge nicht zurückzubuchen, woran sich viele gehalten hätten. Sie bekommen die Monate, in denen das Studio geschlossen ist ebenfalls gutgeschrieben. „Derzeit haben wir jedoch sehr viele Kündigungen von Mitgliedern, die eh nicht mehr oft gekommen sind und nun die Gelegenheit nutzen“, erzählt Andoulsi. Er sorgt sich, dass sich selbst dann, wenn er wieder öffnen darf, für eine lange Zeit erst mal keine neuen Mitglieder anmelden würden, weil die Menschen insgesamt vorsichtiger seien.
Das könnte Sie auch interessieren

Auch er hat sich schon Gedanken gemacht, wie die Öffnung unter Auflagen funktionieren könnte und richtet sich dabei nach Vorschlägen des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV). „Anfangs wären die Duschen, Umkleiden und die Sauna wohl erstmal zu“, sagt Andoulsi. Sollte etwa nur eine Person pro zehn Quadratmeter erlaubt werden, würde das im Fitness-Treff Herten mit 400 Quadratmetern bedeuten, dass nur 40 Menschen gleichzeitig trainieren können. „Ich könnte mir eine Zähluhr am Eingang vorstellen“, so Andoulsi. Welche Vorgaben er tatsächlich wird umsetzen müssen, weiß er aber auch noch nicht.

  • Trainingsstudio Mischke: Jürgen Mischke vom Trainingsstudio Mischke und sein kleines Team nutzen die Zeit, um das Studio in der Güterstraße komplett zu renovieren. Da alle Mitarbeiter im Einsatz sind, habe er keine Kurzarbeit anmelden müssen, so Jürgen Mischke. Viele seiner Mitglieder zahlten die Beiträge weiter, einige hätten ihre Beiträge aber auch zurückgefordert. „Das ist völlig in Ordnung“, sagt Mischke. Nicht in Ordnung findet er jedoch, dass manche sich in aggressiven Schreiben beschwert hätten, nun nicht mehr trainieren zu können. Mischke blickt dennoch positiv in die Zukunft und hofft einfach, „dass es bald für alle wieder weitergeht“.