Die städtische Wohnbau Rheinfelden verzeichnet für das Jahr 2021 einen Bilanzgewinn von rund 2,8 Millionen Euro. Dieser Überschuss soll aber nicht auf die hohe Kante gelegt werden, sondern in den Bau neuer Wohnungen fließen. Dass diese dringend in Rheinfelden gebraucht werden, zeigt die Nachfrage von rund 850 Interessenten, die die Wohnungsbaugesellschaft in ihrer Kartei führt.

Geschäftsführer Markus Schwamm und Oberbürgermeister Klaus Eberhardt der qua Amt auch Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnbau ist, stellten in einer Pressekonferenz die Bilanz des kommunalen Wohnbauunternehmens vor. „Die Leistung der Wohnbau ist mehr als lobenswert“, lautete das Fazit von Klaus Eberhardt über die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2021. Corona-Krise und Ukraine-Krieg sind – so scheint es bisher – spurlos an der Wohnbau vorbeigegangen. „Auch wir haben mit Lieferknappheit und Materialmangel zu kämpfen, aber wir wirken dem entgegen durch vorausschauendes Management und eine dauerhafte Bindung der regionalen Handwerkerschaft“, erklärte Schwamm.

Geschäftsführer der städtischen Wohnbau Rheinfelden ist Markus Schwamm.
Geschäftsführer der städtischen Wohnbau Rheinfelden ist Markus Schwamm. | Bild: PresseCompany GmbH – Thomas Kiehl

Der Erfolg der Wohnbau lässt sich nüchtern an den Zahlen ablesen, die für das Geschäftsjahr 2021 vorliegen. Die Bilanzsumme stieg 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 11,2 Millionen Euro auf 98,4 Millionen Euro – in der 70-jährigen Unternehmensgeschichte ein Rekord. Bei einem leichten Rückgang von 1,3 Prozentpunkten zeigt sich die Eigenkapitalquote der Wohnbau mit 35,1 Prozent solide. In Neubauprojekte und Modernisierung von Altbeständen pumpte die Wohnbau satte 19,7 Millionen Euro. Diese Zahl erscheint vor allem mit Blick auf die zurückliegenden Jahre enorm: 2018 investierte die Wohnbau noch 6,03 Millionen Euro, 2019 waren es 7,21 Millionen Euro, 2020 verdoppelte die städtische Wohnbau die Investitionen auf 15,6 Millionen Euro innerhalb eines Jahres. Für das laufende Geschäftsjahr sind Investitionen von weit mehr als 20 Millionen Euro geplant, womit das Unternehmen an seiner „absoluten Kapazitätsgrenze“ angekommen ist, wie es in der Bilanz heißt.

Für Geschäftsführer Schwamm ist damit klar, dass im Jahr 2023 Prioritäten gesetzt werden müssen: „Wir werden schauen, dass wir das Level, auf dem wir uns jetzt befinden, halten können.“ Bei einer personellen Ausstattung mit lediglich 20 Köpfen sei ein Wachstum, wie in den vergangenen wenigen Jahren, nicht aufrecht zu erhalten. Im vergangenen Geschäftsjahr agierte die Wohnbau auf zehn Baustellen gleichzeitig. 106 neue Wohnungen sind so in den vergangenen zwei Jahren entstanden – 40 weitere werden im Jahr 2023 fertiggestellt. 60 der Wohnungen werden unterhalb des üblichen Marktpreises vergeben und stehen damit wirtschaftlich schwächeren Bürgern zur Verfügung.

Wirft man einen Blick auf die Anfrageliste des Unternehmens, wird deutlich, dass die Wohnbau noch weit mehr Wohnraum schaffen könnte – wenn ihre Kapazitäten mit 20 Mitarbeitern es zuließen. Denn rund 850 Interessenten sind derzeit auf der Warteliste vermerkt. Personal aufstocken? „Das würden wir gerne“, so Schwamm. Aber, „Wir haben bei uns nur Spezialisten und die zu bekommen, ist hier im Grenzgebiet besonders schwer“, sagt Schwamm.

Der Mietpreis

In den rund 2000 Wohnobjekten, die die Wohnbau verwaltet, gebe es jährlich einen Mieterwechsel bei 60 bis 80 Wohnungen. Karteileichen habe die Wohnbau deshalb keine. „Wir verwalten einen Mangel“, macht Schwamm deutlich. Die Durchschnittsmiete pro Quadratmeter im Jahr 2021 hat bei der Wohnbau 6,91 Euro betragen – im Vorjahr waren es noch 6,68 Euro. „Auf dem freien Markt ist kaum etwas unter zehn Euro zu finden“, so Schwamm. Für Oberbürgermeister Klaus Eberhardt ist klar, dass ohne die Wohnbau der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt in der Stadt Rheinfelden um ein Vielfaches problematischer wäre: „Gebe es die Wohnbau nicht, wäre die Situation für uns als Stadt viel umständlicher und mit einem erheblichen Effizienzverlust verbunden.“