Etwas Besonderes hat sich die Musikschule Rheinfelden einfallen lassen: Bei einem „Wandelkonzert“ wurden die Zuhörer am Samstag in Gruppen von Raum zu Raum geführt und bekamen wechselnde Kurzkonzerte von Lehrkräften und Musikschülern in verschiedensten Besetzungen zu hören. Ein Klangerlebnis, bei dem die Besucher im Minuten-Takt neue vielfältige Facetten von Klassik bis Jazz erlebten.

16 Lehrkräfte und Musikschüler waren beteiligt an diesem musikalischen Rundgang, der für alle Mitwirkenden eine neue Erfahrung war. „Eine spannende Geschichte“, nannte es Musikschulleiter Bernward Braun, der die Zuhörer begrüßte. Um in Zeiten von Corona und strengen Hygiene- und Abstandsregeln Live-Musik anzubieten, brauche es neue Formate und Ideen. So haben Braun und seine Mitstreiter ein Programm ausgetüftelt, bei dem das ganze Haus zum Klingen gebracht wurde. Die Besucher wurden in fünf Gruppen von zehn bis 15 Personen aufgeteilt und von Lotsen von Zimmer zu Zimmer geleitet. An fünf Plätzen im Gebäude musizierten die Lehrer und die jungen Talente gleichzeitig, jeweils sieben Minuten lang.

Um mehr Platz zu haben, nutzte man neben dem Orffsaal Ausweichräume im Georg-Büchner-Gymnasium, die nicht für den gymnasialen Unterricht gebraucht werden. Die Choreografie des Umherwanderns der Gruppen funktionierte gut. Es war für die Zuhörenden, die den Mund-Nasen-Schutz trugen, reizvoll und abwechslungsreich, von Raum zu Raum immer neuen Gesichtern, neuen Instrumenten und neue Klängen zu begegnen.

Bei der ersten Station spielten Carl Martin Buttgereit am Cembalo, Ana Helena Surgik am Cello, Monika Kordowich an der Violine und Ursula Oberle an der Blockflöte eine Sonate der Komponistin Anna Bon aus dem 18. Jahrhundert. Nur wenig sei über sie bekannt, so Buttgereit. Ihr Stück klang inspiriert, farbig und lebendig im kammermusikalischen Zusammenspiel. Beim dritten Satz legte das spielfreudige Quartett an Tempo zu, um im Zeitlimit zu bleiben. „Zum Glück ist es Allegro“, schmunzelte Buttgereit. Die Geigerin und die Flötistin erfreuten die Zuhörer mit beschwingten Duetten.

Weiter ging es zu den Violinschülern Niko Kassubek und Erich Petraschka, die konzentriert, eindrucksvoll und dynamisch im Bogenstrich den letzten Satz aus Johann Sebastian Bachs Doppelkonzert d-Moll spielten, am Klavier begleitet von Lehrer Joseph Nykiel. Im Fach Streicher hatte auch Anton Klein am Kontrabass einen tollen Auftritt.

Mit Pfeilen und rot-weißen Bändern waren die „Einbahnstraßen“ markiert, die zum Orffsaal führen, wo es Vorträge von Klavierschülern gab. Paul Spitz machte den Anfang mit einem meditativen Stück des Filmkomponisten Yann Tiersen, das tonmalerisch und atmosphärisch die Bucht einer Insel und eine sanfte Meeresstimmung beschreibt. Selen Arslan legte leichthändig, bezaubernd und perlend den Minutenwalzer von Chopin auf die Tasten. Auch Fabian Steiner und Patrick Gössl überzeugten am Flügel mit kleinen Stücken aus Klassik und Romantik. Nach jedem Auftritt eilte Lehrer Thomas Weber herbei, um die Tasten mit einem Spezialmittel zu reinigen: „Das muss so sein zurzeit.“

Hinter Plexiglas hatten sich die Trompetenschüler Noah Beringer und Simon Klein samt Lehrer Mykolas Pozingis postiert. Jazzig beschwingt im Zusammenspiel, mit blitzsauberer Technik wurden die Stücke vorgetragen.

Zum Ausklang des anderthalbstündigen Rundgangs wartete Michael Reidick mit kurzen englischen Liedern auf. Mit wohltimbrierter Stimme, Intensität und nuancenreichem Ausdruck sang er ein Lied über Frauen von John Dowland und „Sea Fever“ von John Ireland über die Sehnsucht nach der See. Der Gitarren- und Gesangspädagoge Reidick, der im Sommer in Ruhestand geht, war auch als Gitarrist in Aktion mit Emily Engbers in einem improvisierten Tanz.

Während die Besucher durch das Treppenhaus im Lichthof wandelten, saß Saxophonist Ralf Geisler in einem Gang und spielte ein Stück von Bach, Jazziges und Swingendes wie „Round Midnight“ und einen Tango. Ein Konzept, das Freude machte.