Das Atelier von Künstler Fritz Schaub liegt an der Bahnhofstraße in Rheinfelden/Schweiz. Seine Ehefrau Christine hatte hier früher ihre Praxis. Das Schweizer Ehepaar wohnt aber schon seit Jahren in Badisch Rheinfelden. Der Gang über die alte Rheinbrücke und damt über die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz gehört für sie zum Alltag, denn ihr Leben spielt sich in beiden Rheinfelden ab. Freunde und Bekannte haben sie hüben und drüben. Doch in der Corona-Krise ist die Grenze, die bisher kaum als solche wahrgenommen wurde, plötzlich spürbar geworden. „Ich habe früher nie einen Pass dabeigehabt, wenn ich über den Zoll ging. Das hat sich geändert“, sagt Christine Schaub. „Das Lebensgefühl ist ein anderes“, ergänzt Fritz Schaub.

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Anfang des Jahres haben sie eine sechswöchige Reise nach Indien unternommen. Corona war dort noch kein Thema. „Bei solchen Reisen passen wir immer auf, dass wir gesund bleiben. Wir sind vorsichtig. Es war dann für uns sehr überraschend, als wir zurück in ein krankes Europa kamen“, schildert der 76-Jährige. Da anfänglich nicht klar war, wie sich die Situation entwickelt, blieben sie die ersten zwei Wochen vor allem in ihrer Wohnung im Badischen – nur für Spaziergänge und Einkäufe wagten sie sich heraus. „Wir spazierten jeden Tag zum Sitzbänklein beim Adelberg und schauten hinüber in die Schweiz“, erzählen sie. Fritz Schaub widmete sich seinem Indien-Tagebuch. „Es war alles viel stiller als sonst.“

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Nach einigen Wochen wagten sie sich zum ersten Mal wieder über die Grenze. Sie informierten sich vorher, wie und ob das möglich ist. Als Schweizer durften sie einreisen und mit ihrer Niederlassungsbewilligung für Deutschland sollte auch die Rückkehr nach Deutschland kein Problem sein – wurde ihnen gesagt. Doch es kam anders. Die Einreise in die Schweiz war tatsächlich kein Problem. Sie genossen in Olsberg einen Spaziergang in der Höhe. Als sie dann wieder über die deutsche Grenze wollten, gab es aber doch Schwierigkeiten: „Ein Bundespolizist erklärte uns, dass wir das nächste Mal zwei Wochen in Quarantäne müssten, wenn wir aus der Schweiz nach Deutschland zurückkämen. Das war ein Schock für uns.“ Deswegen haben sie vorerst auf weitere Grenzübertritte verzichtet.

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„Mittlerweile hat sich die Situation wieder entspannt, es ist lockerer geworden“, freuen sich die Beiden. Sie können wieder – fast wie vorher – über die Grenze spazieren. Sie stellen dabei fest, dass die Menschen auf beiden Seiten des Rheins ähnlich mit der aktuellen Situation umgehen. Man halte sich mehrheitlich an die behördlichen Vorgaben. „Die Leute im Badischen vermissen die Schweizer“, erzählen sie weiter. Nun, ab dem 15. Juni ,soll die Grenze wieder komplett geöffnet werden. Ein Lichtblick. Christine und Fritz Schaub sind überzeugt, dass die jetzige temporäre Grenzschließung nichts an den guten grenzüberschreitenden Beziehungen zwischen den Menschen am Hochrhein ändern wird.