Schon seit Januar werden die rund 70 Kindergartenkinder von St. Gallus in Warmbach nicht in ihrer eigentlichen Einrichtung betreut, sondern im katholischen Gemeindehaus. Hintergrund ist die Sanierung des Dachstuhls, der massiv vom Holzwurm befallen ist. Wie die Kirchengemeinde nun informiert, ist der Rückumzug wohl aber nicht vor Mitte Oktober möglich, wenn das neue Kindergartenjahr bereits gestartet ist.

Ein Blick in den Dachstuhl des Kindergartens, der vom Holzwurm befallen ist.
Ein Blick in den Dachstuhl des Kindergartens, der vom Holzwurm befallen ist. | Bild: Verena Pichler

Dass sich die Arbeiten am Dachstuhl verzögern, liegt an einem Baustopp, den die Planer im Februar verhängen mussten. „Als wir im Herbst 2021 den Dachstuhl partiell geöffnet haben, sind wir von einem rund 50-prozentigen Befall durch den Holzwurm ausgegangen“, erläutert Bauingenieur Karlheinz Thomann. Nötig wurde die Sanierung, da das Dach Wasserschäden aufgewiesen hatte. Der Holzwurmbefall kam oben drauf. „Wir haben an den untersuchten Stellen keinen aktiven Befall mehr feststellen können“, so Thomann.

Für Februar war die Sanierung angesetzt, im Januar waren die Kinder umgezogen. Für rund 80.000 Euro wurde das Gemeindehaus dafür ertüchtig. „Wir mussten Brandschutztüren einbauen, den Garten sichern“, so Mouttet Ebner. Es sei aber ein Glücksfall gewesen, dass die Einrichtung auf dieses Haus habe ausweichen können. Die Alternative wären Container gewesen. „Das hätte rund 200.000 Euro gekostet“, so Pfarrgemeinderatsvorsitzender Günther Schmidt, der die Sanierung eng begleitet. Im Februar kam die schlechte Nachricht: Der Holzwurmbefall war massiver als gedacht, Thomann schätzt, dass rund 90 Prozent des Dachstuhls betroffen sind. Und der Wurm ist auch noch aktiv. So sei es zu einem erzwungenen Baustopp gekommen und die bereits beauftragten Zimmerleute konnten nicht loslegen.

Diese Arbeiten sollen im Juli beginnen. Stück für Stück würden Teile des Dachstuhls ersetzt. Thomann hofft auf einen niederschlagsarmen Sommer, bei Regen könnten die Zimmerleute nicht arbeiten. Bleibt alles im Zeitplan, wird Mitte Oktober die Endreinigung stattfinden. Für den Umzug wird es weitere vier bis fünf Tage brauchen. Die Kosten belaufen sich auf einen sechsstelligen Betrag, wovon 70 Prozent die Stadt trägt. Neu gekauft werden auch die Garderoben. Sie sind mit umgezogen – einen weiteren Ab- und Aufbau würden sie nicht überstehen.

Auswirkungen auf die Kinder

Die Verzögerung bei der Sanierung des Kindergartens St. Gallus in Warmbach hat Auswirkungen auf die anstehenden Neuaufnahmen. Denn die 14 Kinder, die einen Platz in der katholischen Betreuungseinrichtung erhalten haben, werden erst nach dem Umzug zurück vom Gemeindehaus in die Kita aufgenommen. „Wir werden die Eltern sofort informieren, dass sie diese rund vier Wochen überbrücken müssen“, sagt Nicole Mouttet Ebner, zuständige Geschäftsführerin für die katholischen Kitas in Rheinfelden und Weil am Rhein.

Für die Kinder und Eltern sei der Umzug recht geräuschlos über die Bühne gegangen, nur eine zusätzliche Woche sei die Kita geschlossen gewesen, so Mouttet Ebner. Über Ostern, weil die Kirchengemeinde ihrem Personal die Tage Urlaub wiedergeben wollte, die es im Januar für den Umzug genutzt hatte. Die Eltern seien stets informiert worden, betont Mouttet Ebner. Der Stadtteilbeirat aber hatte sich nicht ausreichend informiert gefühlt, Ende April kritisierte Sprecher Dieter Wild die Kommunikationsweise.

Die kirchlichen Gebäude

Der Kindergarten St. Gallus besteht schon seit den 1950er Jahren und wurde im Lauf der Jahrzehnte immer wieder umgebaut oder durch Anbauten ergänzt. Die die katholische Kirche betreibt acht Kindertagesstätten in der Stadt und versorgt mehr als 700 Kinder mit Betruungsplätzen. „Das ist der Bereich, in dem sich Kirche noch am stärksten in der Gesellschaft zeigt“, meint Andreas Brüstle, Leiter der Seelsorgeeinheit. Dies soll auch in Zukunft so sein – trotz der Bestrebungen, die Anzahl der kircheneigenen Gebäude zu reduzieren. „Auch wir in Rheinfelden haben eigentlich zu viele“, sagt Brüstle. Aber seitens des Erzbistums gebe es klare Aussagen, dass Kindergärten gesichert seien. Was die übrigen Gebäude, wie Gemeindehäuser oder auch Kirchen, angehe, werde man sich auf einen emotional schmerzlichen Weg machen müssen, so Brüstle. In Lörrach seien bereits zwei Kirchen profaniert, und auch für Rheinfelden hält Brüstle das nicht für ausgeschlossen. Begonnen hat der Abstoßungsprozess bereits: Die Pfarrhäuser in Herten und Minseln kommen in den Verkauf.