Herr Braun, was findet am Samstag am Dinkelberg statt – eine Treibjagd oder eine Drückjagd?

Für Nichtjäger ist das im Prinzip dasselbe. Bleiben wir mal bei Drückjagd.

Jäger Arnulf Braun
Jäger Arnulf Braun | Bild: privat

Und wie funktioniert eine Drückjagd?

Es gibt zwei Arten von Jagen. Einmal die Ansitzjagd – die kennt sicher jeder. Da sitzt der Jäger auf einem Hochsitz, wartet bis das Wild kommt und dann wird geschossen. Bei der Drückjagd hat man noch zwei Komponenten mehr: Die Treiber, das können Mitglieder eines Fußballvereins sein oder angehende Jäger, und die Hunde, die gehen ins Unterholz. Vor den Hunden hat das Schwarzwild Respekt, deshalb wird es aufgescheucht und rennt weg von den Hunden und Treibern. Im glücklichen Fall in Richtung Jäger. Die Jäger warten erhöht auf einem Drückjagdbock in einer Reihe auf das Wild. Die Reihe sollten keine Lücken aufweisen, damit das Wild nicht durchbrechen kann.

Der Dinkelberg ist ja ein großes Gebiet – da brauchen Sie viele Leute, oder?

Am Dinkelberg sind zirka 28 Reviere, das sind etwa 15.000 Hektar Wald, Wiese und Feld. Im Jahr 2019 waren wir zirka 500 Jäger, 280 Treiber und 140 Hunde, dieses Jahr werden es sicher weniger werden. Jedes Revier hat seine eigenen Jäger und Treiber – aber am Samstag machen wir gemeinsam eine Revier übergreifende Dinkelbergjagd. Denn wenn jeder das einzeln macht, hat‘s das Wild ja einfach, nach dem Motto: Hier ist Lärm, dann verdrücken wir ins Nachbarrevier, da ist Ruhe.

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Und sind Samstag alle Reviere dabei?

Fast alle, mit der Corona-Pandemie haben wir auch Probleme. Die Hygiene-Verordnung gilt ja auch für die Drückjagd. Die Jagd ist vom Ministerium für Ländlichen Raum empfohlen und dient daher nicht dem Vergnügen. Mit mehr als zehn Teilnehmern pro Revier sind hohe Anforderungen an den Veranstalter, also den Jagdpächter, gestellt. Er muss ein Hygienekonzept erstellen (Masken, Abstand, Kontaktdaten) und so weiter. Das ist sehr aufwendig. Daher machen es manche Revierinhaber lieber mit einer kleineren Mannschaft als Ansitzjagd.

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Warum wird denn in diesem Jahr auf die Drückjagd nicht verzichtet?

Da ist genau das Problem. Wenn man uns am Samstag im Wald sieht, denken manche sicher: Das kann ja nicht sein, wir dürfen nicht mal die ganze Familie treffen, warum dürfen die das? Warum müssen die jetzt jagen?

Genau, warum?

Die Jagd am Dinkelberg zielt vor allem auf das Schwarzwild, also die Wildsäue. Wir müssen die Bestände reduzieren, aus zwei Gründen. Zum einen weil vielen Tiere massive Schäden bei den Bauern anrichten, zum Beispiel am Mais oder der Weidefläche. Und zum anderen weil wir in Deutschland die Afrikanische Schweinepest haben. Wenn wir geringere Schwarzwildbestände haben, ist die Chance, dass die Gruppen unter sich bleiben und sich nicht anstecken, größer.

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Die Afrikanische Schweinepest ist in Brandenburg ausgebrochen – wie wahrscheinlich ist es, dass sie bis an den Hochrhein kommt?

Das kann ich nicht einschätzen. Die Wildsau aus Brandenburg kommt sicher nicht hierher, aber das Virus kann in einem konservierten Schinken bis zu sechs Monate erhalten bleiben. Das Virus ist für den Menschen ungefährlich, aber wir sind ja in Rheinfelden ein Drehkreuz. Wenn ein Tourist oder Lkw-Fahrer infizierte Lebensmittel aus dem Fenster wirft und die Wildsau frisst die – dann haben wir die Seuche hier. Das ist die Gefahr.

Was ist so gefährlich an der Afrikanischen Schweinepest?

Es ist eine Seuche, die auch ansteckend für unser Hausschwein ist. Wenn ein Fall auftritt, gibt es laut Seuchenverordnung in Wald und Wiesen eine Sperrzone, die nicht betreten werden darf. Und in einem landwirtschaftlichen Betrieb müssen die Tiere, die erkrankt sind, getötet werden. Das ist ein hoher wirtschaftlicher Schaden.

Das heißt, die Jagd ist jetzt wegen dieses Virus nötig, das andere Virus macht es Ihnen aber etwas schwierig.

Stimmt! Wir haben den Auftrag, zu jagen – ich hoffe einfach, die Bevölkerung versteht, dass wir nicht aus Lust und Laune trotz Corona in den Wald gehen, sondern dass das etwas Sinnvolles ist.

Stichwort Bevölkerung: Worauf sollte man denn am Samstag achten, dass man der Jagd nicht in die Quere kommt?

Man sollte besser nicht im Wald rumrennen, und zwar im ganzen Revier des Dinkelbergs. Klar, der Wald ist öffentlicher Raum, keine Frage, aber wenn da Leute sind, macht es das schwierig für uns. Auch Autofahrer sollten aufpassen und runter vom Gas, weil auch mal ein Tier eine Straße kreuzen kann.

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