„Das Ferienprogramm ist nicht mehr das, was es einmal war“, spricht Christine Tortomasi vom SAK aus, was alle denken, denn wer schon einmal mit einem solchen Angebot in Kontakt war, der weiß, was den Reiz ausmacht: Viele Kinder unterschiedlichsten Alters und Hintergrund kommen zusammen und spielen, streiten, basteln, lernen und werkeln gemeinsam. So entsteht ein unglaublich inspirierendes Durcheinander, aus dem alle viel fürs Leben mitnehmen.

In Zeiten von Corona ist genau dieses Durcheinander aber nicht wünschenswert. Gerade offene Angebote, wie sie üblicherweise im Stadtteiltreff Pfiffikus oder im Spiel- und Kulturhaus Tutti Kiesi angeboten werden, sind so nicht möglich, die Träger lassen sich aber nicht abschrecken und planen trotzdem.

Stefanie Behringer vom Jugendreferat, die für die Koordination des Netztwerks Ferienprogramm zuständig ist, staunt über „die unglaubliche Flexibilität“ der neun Vereine und Träger. „Alle schauen, dass sie umsetzen, was geht“, sagt sie, „gerade, weil sie wissen, dass das Bedürfnis der Kinder, gemeinsam etwas zu erleben, im letzten Jahr deutlich zu kurz gekommen ist.“

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Maximal fünf Kinder pro Kurs

SAK und Quartiersarbeit haben deshalb gleich auf Kurse mit maximal fünf Kindern umgestellt, um Lernen mit Kreativem zu verbinden und den Kindern, die durch die Schulschließungen Defizite aufweisen, zu helfen und auch dies hat seine schönen Seiten. „Es ist auch mal schön, dass man sich den Kindern voll und ganz widmen kann“, so Tortomasi.

Situation entzerren

Das Tutti Kiesi hat, unter Mitnutzung des Jugendhauses und einem zusätzlichen Zirkuszelt, das auf der Wiese aufgebaut wurde, die Situation „entzerren“ können, so dass im letzten Sommer statt der üblichen 100 Kinder immerhin 60 Kinder am Programm teilnehmen konnten.

Alexander Keil, Leiter des Kulturparks, sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn die die Organisation sei zwar gelungen, aber es hätte dennoch viel Leid und Verzweiflung bei den Eltern ausgelöst. „Viele sind eben vor einem riesigen Problem gestanden, weil sie nicht wussten, wer dann ihre Kinder betreut.“

Sogar Waldgeister haben die Kinder beim Tag der offenen Zeltplane schon besucht.
Sogar Waldgeister haben die Kinder beim Tag der offenen Zeltplane schon besucht. | Bild: Uhlmann

Wertschätzung aber auch Unmut

Zwar überwiege von Seiten der Eltern die Wertschätzung, dass man sich trotz der Situation Mühe gebe und auf die Beine stelle was möglich sei, er könne aber natürlich auch deren Unmut verstehen. Besonders, weil sich derzeit alles immer so kurzfristig ändere.

So findet sich auf der Homepage der Stiftung auch ganz aktuell wieder eine Änderung für die Osterferien: „Wir haben uns aber ein Alternativ-Programm überlegt, das sich an Kinder richtet, die derzeit und/oder in den Osterferien einer erhöhten Belastung ausgesetzt sind. Das Angebot richtet sich an Kinder mit sozialer Benachteiligung und/oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen und für Kinder mit Förderbedarf bei der sozialen Integration – das Angebot entspricht §13 SGB VIII.“

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Ähnlich handhabt es das Familienzentrum. „Wir planen langfristig und mit viel Hoffnung“, so Geschäftsleitung Birgitt Kiefer, dies sei schwierig, da sich der erlaubte Rahmen immer den Inzidenzwerten anpasse und die könne man eben schlecht vorausahnen.

Im vergangenen Jahr habe mit der Umsetzung der Hygieneauflagen der größte Teil des Programms stattfinden können und man hoffe, diesen Sommer die gleichen Möglichkeiten bieten zu können. „Da wir nur eine Gruppengröße von maximal 17 Kindern und zwei Betreuern haben, ist das für uns leichter umzusetzen.“ Zumindest diese Kleingruppen zu erleben und so ein wenig soziale Anbindung zu ermöglichen, sei das Ziel.

„Man muss bedenken, dass Kinder, die zum Beispiel keine Geschwister haben, im letzten Jahr praktisch gar nicht in Gruppen spielen konnten, da müssen wir Anwalt für die Kinder sein – keine Regeln sprengen, aber möglich machen was geht.“ In den Osterferien könne man aber leider nur eine Art Notbetreuung, ähnlich dem Programm der Kaltenbach-Stiftung, für die bereits angemeldeten Kinder bieten, bedauert sie.

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AOK muss absagen

Das Osterferienprogramm der Awo hingegen musste leider in diesem Jahr komplett abgesagt werden, was Ina Pietschmann, Geschäftsführerin der Awo Lörrach zwar bedauert, aber einfach nicht anders machbar gewesen sei. Auch die üblichen Angebote in Karsau könne man dieses Jahr nicht durchführen.

„Wir konzentrieren uns auf die zwei Wochen in den Sommerferien, die wir in Herten betreuen“, sagt sie. Falls die jetzigen Auflagen so blieben und die übliche Gruppengröße von 25 Kindern nicht machbar sei, hätte die Awo die Kapazitäten, die Gruppe aufteilen, so versuche man eine möglichst große Planbarkeit für die Eltern zu gewährleisten.

Kirchen warten ab

In den Sternen steht bisher noch die Zukunft der Programme der Evangelischen Paulusgemeinde und der Katholischen Pfarrgemeinde, denn beide planen mit Übernachtungen, was derzeit ganz und gar verboten ist.

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Auch Beatrix Firsching ist zuversichtlich, dass die beiden Vorhaben der Paulusgemeinde im Sommer möglich sind, mussten sie doch im letzten Jahr spontan abgesagt werden. Eine Mutter-Kind-Übernachtung auf dem Rührberg ist in Planung – dies soll besonders den Müttern guttun, damit diese nicht immer nur den Alltag mit ihren Kindern hätten, sondern auch mal ein Abenteuer mit ihnen erleben könnten, aber natürlich auch den Kindern Spaß bringen.

„Jeder wird in seinem eigenen Zelt schlafen und zur Not bringt jeder eine Tupperdose mit, falls gemeinsames Essen nicht möglich ist“, scherzt sie zuversichtlich, aber auch das Sommerzeltlager liegt ihr sehr am Herzen, da es als Fortführung der Konfirmandenarbeit mit großem Elan geplant wird. Den Vorteil sieht sie darin, dass das Angebot neu sei. „Wir können alles so machen, wie wir es brauchen, es gibt noch keine Traditionen, mit denen wir brechen müssen.“

Zeltlager soll stattfinden

Während das Zeltlager auf der Leinegg im vergangenen Jahr nach über 50 Jahren zum ersten Mal in der Geschichte abgesagt werden musste, planen die Lagerleiter trotzdem mit voller Teilnehmerzahl.

„Unser Vorteil ist, dass wir – wenn wir erst mal dort sind – völlig abgeschirmt sind“, schätz Lagerleiterin Anna Uhlmann die Situation ein. „Natürlich müssen unsere Hygienekonzepte top sein“ und vermutlich wäre es auch sinnvoll, dass die Kinder nur mit dem negativen Ergebnis eines Schnelltests mitfahren dürften, aber noch ist sie zuversichtlich, dass das umsetzbar sei.

Schwierig wird es mit Abstandsregeln und ähnlichem im Lager selbst. „Ich kann doch ein Kind, das Heimweh hat nicht weinen lassen, weil ich zwei Meter Abstand halten soll“, sagt sie und erklärt, dass das völlig dem Grundgedanken der christlichen Gemeinschaft im Zeltlager widersprechen würde.