„Dankeschön, wir sind so froh, dass Du das all die Jahre gemacht hast.“ Die Adelhauser Ortsvorsteherin Silvia Rütschle und ihr Stellvertreter Christian Gerwig waren voll des Lobes, als sie Julia Sailer für ihre mehr als 50 Jahre lange Arbeit als „Wiegemeisterin von Adelhausen“ verabschiedet haben. Die 82-Jährige erhielt im Namen der Stadt Rheinfelden einen Präsentkorb, gefüllt mit regionalen Produkten.

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Gleichzeitig geht auch die Ära der letzten öffentlichen Brückenwaage in Rheinfelden zu Ende. Kosten und Aufwand haben nicht mehr gepasst, ein Rückgang der Nutzung war seit Jahren deutlich zu erkennen. So fanden 2016 noch 165 Wiegungen statt, im vergangenen Jahr waren es jedoch nur noch 38. Bis zuletzt wurden für eine Wiegung 8 Euro verlangt, was in keinem Verhältnis zu den Kosten stand. Alle drei Jahre waren Eichungen verpflichtend, das kostete jeweils bei 3000 Euro; gab es eine Reparatur, musste erneut geeicht werden. Anfang dieses Jahres haben Ortschafts- und Gemeinderat beschlossen, die Brückenwaage in Adelhausen aus diesen Gründen zu schließen.

Die Nutzung

Landwirte und Privathaushalte nutzten die Brückenwaage in der Rheintalstraße zum Wiegen von Vieh und Pferden, bei größeren Mengen wurden aber auch Heu, Stroh, Frucht und Weizen gewogen – und sogar ein Wohnwagen stand schon auf der Brückenwaage. Julia Sailer hat diese Arbeit mit Herzblut gemacht: „Auch aus den umliegenden Gemeinden kamen die Menschen nach Adelhausen, um die Brückenwaage zu nutzen. Es wurde so gut wie nie eine feste Uhrzeit vereinbart, die Leute klopften einfach an meine Haustür und irgendwie hat es immer geklappt.“

Die Wiegemeisterin

Julia Sailer hat die Aufgabe der Wiegemeisterin von ihrer Mutter Marta Baumgartner übernommen. Früher kostete einmal Wiegen 1,50 Mark, zuletzt lag der Preis zwischen 5 und 8 Euro. Von Vorteil war, dass die Wiegemeister-Familie direkt im Haus neben der Brückenwaage wohnt. Dazu sagte die Ortsvorsteherin anerkennend: „Egal, ob Julia gerade einen Pudding kochte oder beim Mittagessen war, wenn jemand zum Wiegen kam, hatte das Vorrang.“ Im Zeitalter der Technik wurde die Brückenwaage mit einem Computer ausgestattet, das dazugehörige Kästchen war im Bushaltehäuschen angebracht. Julia Sailer sagte augenzwinkernd: „So hab ich dann noch den Umgang mit dem PC gelernt.“