Gute Nachrichten für Herten: Die Rabenfelsapotheke wird es auch ohne Arztpraxis im Ortsteil geben. Die bisher angestellten Apothekerinnen Kathi von Gernler und Mareike Hoch übernehmen die Apotheke zum 1. Oktober von ihrer Chefin Andrea Schiewe. Aber eines machen die Beiden auch deutlich – ohne Unterstützung der Hertener wird es nicht gehen.

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Es war ein Artikel von Mitte April, der viele Reaktionen hervorgerufen hatte. Damals besuchte diese Zeitung die Apotheke, um zu erfahren, wie es in Corona-Zeiten läuft. Ein weiteres Thema des Gesprächs war die Zukunft der Einrichtung, die Andrea Schiewe seit 2002 führt. Sie äußerte die Sorge, dass die Apotheke wahrscheinlich keine Zukunft haben werde, wenn die Arztpraxis zum 1. Juli schließe.

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Die Hertener Ärztin Judit Méhész hat aus privaten Gründen die Region verlassen. Der Artikel hat Bewegung in die Sache gebracht. Ortsvorsteher Frank-Michael Littwin und Wirtschaftsförderer Elmar Wendland suchten den Kontakt zu Schiewe und wollen versuchen, einen Nachfolger für die Praxis zu finden, so Schiewe. Die Rückmeldungen der Hertener seien so positiv gewesen, dass sich Kathi van Gerlen und Mareike Hoch entschlossen haben, weiterzumachen. „Ihr müsst da bleiben, ihr seid wichtig für Herten“, fasst Hoch die Reaktionen zusammen. Außerdem wollten die Beiden auch ihren Arbeitsplatz erhalten, an dem sie gerne tätig sind.

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Die 34-jährige Mareike Hoch arbeitet seit 2015 in der Rabenfelsapotheke, ihre künftige Geschäftspartnerin Kathi van Gernler seit 2014. Die Frauen verbindet viel: Sie haben in Erlangen studiert, sind mit ihren Männern, die Jobs in der Schweiz gefunden haben, in die Region gezogen, haben in Herten Wohnungen gekauft und sind Mütter kleiner Kinder – Hoch bekommt im Oktober ihr zweites. „Der Zeitpunkt für die Übernahme ist natürlich nicht ideal“, sagt Hoch. Aber die Motivation ist spürbar. Gemeinsam mit den Ehemännern habe man die Betreuung der Kinder besprochen, denn auf Großeltern im Ort können die beiden Zugezogenen nicht zurückgreifen. Gerade für sie ist eine gute Infrastruktur mit Ganztageskitaplätzen wichtig. Und zu einer guten Infrastruktur gehöre eben auch eine Apotheke.

Van Gernler und Hoch werden als Partner eine OHG (Offene Handelsgesellschaft) gründen, derzeit laufen Gespräche mit Banken wegen der Finanzierung, mit dem Regierungspräsidium wegen der Genehmigung und sie suchen Verstärkung, denn eine oder zwei Angestellte seien nötig. „Das ist viel Arbeit, aber auch spannend“, sagt Hoch.

Spannend wird auch das nächste Jahr, wenn deutschlandweit E-Rezepte eingeführt werden. „Das kann man sich ähnlich vorstellen wie Online-Banking“, so Hoch. Statt eines ausgedruckten Rezepts können die Kunden einen QR-Code vorzeigen, die Daten werden digital gespeichert und sind für die Apotheken abrufbar.

Andrea Schiewe muss sich mit dieser Umstellung nicht mehr belasten. Die 67-Jährige geht in Rente und ist froh, eine Nachfolge gefunden zu haben. „Ich hätte es sehr schade gefunden, wenn Herten keine Apotheke mehr hätte.“ Den größten Teil der Kundschaft machen „liebe und nette Stammkunden“ aus. Auf die kommt es nun an: Denn nur, wenn die Hertener ihre Apotheke nutzen, haben die beiden Jungunternehmerinnen eine echte Chance.