Die Aluminium Rheinfelden Gruppe hat am Dienstag beim Amtsgericht Lörrach die Eröffnung eines sogenannten Schutzschirmverfahren beantragt. Betroffen sind 256 Mitarbeiter. Hintergrund sind laut Unternehmensangaben von Mittwoch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, welche die Gruppe unerwartet stark finanziell belastet habe. Dies habe bereits im Sommer unter anderem zum Scheitern laufender Finanzierungsgespräche geführt, teilte das Unternehmen mit.

Mit der Beantragung des Schutzschirmverfahrens schaffe die Aluminium Rheinfelden Gruppe die notwendige Grundlage, die sich bereits in der Umsetzung befindlichen Optimierungsmaßnahmen erfolgreich abzuschließen, teilt das Unternehmen auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Während des Schutzschirmverfahrens werde die Gruppe durch ihre Geschäftsführung gesteuert. Unterstützt werde sie dabei durch die Restrukturierungsexperten Sven Tischendorf und Alexander Höpfner, die jeweils zu Generalbevollmächtigten der verschiedenen Gesellschaften der Aluminium Rheinfelden Gruppe ernannt wurden. Als vorläufigen Sachverwalter hat das Amtsgericht Lörrach Holger Leichtle bestellt.

Geschäftsführerin Erika Zender.
Geschäftsführerin Erika Zender. | Bild: Ingrid Böhm-Jacob

Wirklich überrascht zeigt sich Petra Hartwig, die Bezirksleiterin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, nicht von der schlechten Nachricht. Dass es in der Autoindustrie, einem wichtigen Abnehmer von Aluminiumprodukten, schon länger nicht gut läuft, sei bekannt, sagte sie. Zudem mache der Rheinfelder Firma ein Konkurrent in Tschechien zu schaffen, der dank geringerer Arbeitskosten seine Produkte günstiger anbieten könne. „Nach dem Abbau von 30 Stellen, für die wir im Juli einen Sozialplan ausgehandelt hatten, haben wir gehofft, ein solches Schutzschirmverfahren vermeiden zu können“, so Hartwig. Auch Geschäftsführerin Erika Zender hatte im Juli gesagt, mit zukünftig 210 Mitarbeitern könne man „mit Zuversicht in die Zukunft schauen“.

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Für die Stadt Rheinfelden sei das ein Schlag ins Kontor, sagte Oberbürgermeister Klaus Eberhardt. „Neben dem Kraftwerk und der Chemie gibt es kein anderes Werk, das so eng mit der Geschichte der Stadt verknüpft ist, wie die Alu“, erklärte der Rathauschef. Bereits vor der Corona-Pandemie habe es Schwierigkeiten in dem Unternehmen gegeben, das eng mit der Automobilindustrie zusammenarbeitet, namentlich mit Audi. „Im internationalen Vergleich ist die Alu ein kleiner Betrieb und der Markt ist brutal.“ Corona habe dabei wie ein Beschleuniger gewirkt. Er habe, auch gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Felix Schreiner (CDU), in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt und versucht, zu helfen, berichtete Eberhardt. „Die Entwicklung ist außerordentlich bedauerlich.“

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Von dem Schutzschirmverfahren erhofft sich Eberhardt strukturelle Anpassungen für das Unternehmen, die die Stadt nach Möglichkeit begleiten möchte. Hierbei gehe es vor allen Dingen um ein künftiges Flächenmanagement, wenn sich eine Werkskonzentration abzeichne. „Wenn es durch das Verfahren zu Maßnahmen kommt, wollen wir unterstützen.“

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Die Aluminium Rheinfelden Gruppe hat eine mehr als 100-jährige Tradition und besteht seit einer Umstrukturierung 2008 aus den Unternehmensbereichen Alloys, Semis und Carbon. Im Produktionsbereich Alloys werden jährlich rund 30.000 Tonnen Aluminium-Legierungen produziert, wovon ein Großteil in den Automobilbau geht. Carbon stellt mit 35 Beschäftigten Soederberg- und Elektrodenmasse her, die weltweit an Hersteller von Silizium vertrieben wird. Semis stellt verschiedene Zuschnitte und Präzisionsteile aus Reinaluminium her, etwa als Vormaterial für Tuben oder Dosen sowie für technische Anwendungen. Nach Unternehmensangaben von Mittwoch sind am Standort Rheinfelden 256 Mitarbeiter beschäftigt. Die Gruppe erzielte 2019 einen Jahresumsatz von rund 159 Millionen Euro.

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