Die CDU mit herben Verlusten, die SPD knapp auf Platz eins: In Rheinfelden zeigt sich bei der Bundestagswahl ein ähnliches Ergebnis wie auf Bundesebene. Bei den Erststimmen hingegen kann Bürgermeisterin und CDU-Direktkandidatin Diana Stöcker ihren Heimvorteil nutzen und holt mit Abstand die meisten Stimmen. Stimmengewinne machen die Grünen (Platz drei) und die FDP, die AfD und die Linke verlieren im Vergleich zur Wahl 2017.

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Der Vorsprung ist knapp, aber er ist da: Mit 25 Prozent sichert sich die SPD in Rheinfelden bei den Zweitstimmen den ersten Platz und verweist die CDU mit 23 Prozent auf Platz zwei. 2017 kam die CDU noch auf 35,1 Prozent, die SPD auf 20.

„Das ist toll, wir freuen uns riesig“, sagt Karin Paulsen-Zenke vom SPD-Ortsverein. Sie macht den Erfolg sowohl an Kanzlerkandidat als auch an Inhalten fest. Besonders freue sie sich über das gute Ergebnis von Direktkandidat Takis Mehmet Ali, der bei den Erststimmen in Rheinfelden mit 22,7 Prozent auf Platz zwei landet – „dafür, dass er völlig unbekannt war, ist das toll“, so Paulsen-Zenke.

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Mit deutlichem Vorsprung Gewinnerin der Erststimmen ist in der Großen Kreisstadt Bürgermeisterin Diana Stöcker. Sie holte 29,2 Prozent – Paul Renz, CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, führt das auf ihren „sehr engagierten“ Wahlkampf zurück. Es sei erwartbar gewesen, dass sie ihren „Heimbonus“ nutzen könne. Er betrachte Stöckers Erfolg „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, denn sollte sie mit dem Mandat des Wahlkreises nach Berlin gehen, müsste sich Rheinfelden wohl eine neue Bürgermeisterin suchen.

Das Amt muss zunächst ruhen

Ihr Amt würde zunächst ruhen, erklärt OB Klaus Eberhardt, sie müsste entscheiden, ob sie es aufgibt. „Ich gönne ihr die Weiterentwicklung“, sagt Eberhardt, „es ist auch ein Erfolg ihrer Arbeit“. Das Ergebnis von Armin Schuster, der 2017 gut 39,9 Prozent der Erststimmen holte, habe sie aber nicht halten können.

Eberhardt, selbst SPDler, freut sich über den Erfolg seiner Partei: „Nach den vielen Wahlschlappen habe ich nicht mehr damit gerechnet, dass die SPD noch Wahlsieger werden kann.“ Das gute Abschneiden des Direktkandidaten Mehmet Ali habe ihn aber überrascht, er hätte Gerhard Zickenheiner auf dem zweiten Platz erwartet.

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Doch die Grünen haben bei den Zweitstimmen zugelegt, auch in Rheinfelden: Mit 18 Prozent kommen sie auf Platz drei, vor vier Jahren hatten sie knapp 14 Prozent erreicht. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Jörg Moritz-Reinbach vom Grünen-Ortsverband. Dass die Grünen bundesweit zulegen konnten, führt er auf das Klimathema zurück.

„Dass wir nicht noch mehr zulegen konnten, liegt daran, dass das Bedürfnis nach Sicherheit das Verlangen nach Veränderung ausbremst“, sagt er mit Blick auf geopolitische Themen und die Corona-Krise. Er sei aber froh darüber, dass die SPD bundesweit vor der CDU liegt. „Die Union ist völlig ausgebrannt und muss in die Opposition, um sich zu erneuern“, so Moritz-Reinbach, der davon ausgeht, dass es kein Regierungsbündnis der Grünen mit der CDU geben wird.

FDP legt auch in Rheinfelden zu

Zugelegt hat in Rheinfelden auch die FDP: 13,5 Prozent der Zweitstimmen konnte sie gewinnen (2017: 9,7 Prozent). Benno Mühlhaupt, Vorsitzender des Ortsverbands, zeigt sich zufrieden: „Für uns ist das ein Superergebnis. Die FDP wird sich diesmal nicht verweigern, Verantwortung zu übernehmen“, meint Mühlhaupt.

Dass der Direktkandidat Christoph Hoffmann nur auf 11,8 Prozent der Erststimmen kommt, bedauert Mühlhaupt. „Aber er wurde von Anfang an abgeschrieben, auch in der Presse“, so Mühlhaupt, der fest mit einer Regierungsbeteiligung der FDP in einer Ampel- oder Jamaika-Koalition rechnet.

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Verluste hingegen haben sowohl die Linke als auch die AfD in Rheinfelden hinzunehmen. Dass die Rheinfelder der Linken nur mit 3,1 Prozent zusprachen (2017: 5,6 Prozent), führt Felix Rogge vom Ortsverein auf den innerparteilichen Zwist zurück, der dazu führte, dass die Partei nicht mehr flexibel im Wahlkampf agieren konnte. Die Partei müsse sich nun „komplett umkrempeln“.

Die AfD vereint 9,2 Prozent auf sich und verliert damit im Vergleich zu 2017 (10,8 Prozent) leicht, worüber sich die Vertreter der anderen Parteien erfreut zeigen. Die Wahlbeteiligung war mit 69,9 Prozent etwas geringer als 2017 (72,3 Prozent).